Erstellt am 26. August 2015, 00:05

von APA Red

Schwurprozess um Mordversuch mit Maurerfäustel. Weil er im Februar in Zagersdorf (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) auf seine Frau mit einem Maurerfäustel eingeschlagen haben soll, steht ein 69-Jähriger ab heute, Mittwoch, in Eisenstadt vor Gericht.

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Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor. Der Angeklagte wies dies zurück und bekannte sich zum Auftakt des für zwei Tage angesetzten Prozesses der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig.

Zu der Attacke soll es laut Anklage am 15. Februar im Garten des Hauses in Zagersdorf gekommen sein, das beide gemeinsam bewohnten. Über das tatsächliche Geschehen gibt es unterschiedliche Versionen: Während die Ehefrau im Ermittlungsverfahren zu Protokoll gab, ihr Mann habe sie von hinten mit dem (1,16 Kilogramm schweren, Anm.) Maurerfäustel angegriffen, schilderte der Angeklagte vor Gericht das Gegenteil: Er habe aus dem Augenwinkel gesehen, wie sich seine Frau von hinten mit einem Hammer genähert habe.

"Ich schlug mit dem Hammer auf sie ein"

Beim Versuch, ihr den Hammer zu entreißen, sei es zu einer Rangelei gekommen. Dabei habe er seine Frau vermutlich zum ersten Mal mit dem Fäustel getroffen. Beide seien gestürzt. Nachdem seine Frau gedroht habe, zwei seiner insgesamt elf Katzen zu töten, sei bei ihm "diese Emotion durchgekommen", schilderte der Pensionist: "Ich schlug mit dem Hammer auf sie ein, aber nicht, um sie zu töten." Seine Frau habe ihn am Kopf und am Körper getreten. Der 45-Jährigen gelang es laut Anklage schließlich, auf die Straße zu flüchten.

Breiten Raum nahm beim Prozess die Erörterung der Vorgeschichte des Falles ein: Der 69-Jährige, ein gebürtiger Deutscher mit österreichischem Pass, ist seit 1997 in dritter Ehe verheiratet. Seit 15 Jahren seien er und seine aus Ungarn stammende Frau jedoch von Tisch und Bett getrennt gewesen, erzählte der Angeklagte. Vor neun Jahren sei er in das Haus in Zagersdorf eingezogen.

Der 69-Jährige war auch Besitzer von zuletzt elf Katzen. Jene zwei Tiere, derer er sich im Juli der Vorjahres zusätzlich zu den damals bereits neun Stubentigern annahm, hätten auch schon vor dem Tag der Tat für Konflikte gesorgt.

Im Internet stand der Mann laut eigenen Angaben in Kontakt mit anderen Katzenliebhaberinnen. Auf diesem Weg habe er auch eine Deutsche kennengelernt, mit der er sich insgesamt viermal - stets am Rande von Udo Jürgens Konzerten - getroffen habe. Dabei sei er jeweils mehrere Tage mit ihr zusammen gewesen. Im Internet war der Kontakt intensiver: Sie habe ihm an manchen Tagen dutzende Mails geschickt.

Er habe der Frau, die schwer depressiv sei und an einem Borderline Syndrom leide, nur helfen wollen. Die "Hilfe" ging soweit, dass er sich mit der Frau verlobte. Während er seiner Freundin mitteilte, dass seine Ehefrau einen Freund habe und ausziehen wolle, habe die Ehefrau davon nichts gewusst. Auch Freunden habe der Pensionist diese Version erzählt. Für ein März-Wochenende sei sogar schon ein Umzugs-Lkw angemietet gewesen.

Als Indiz für eine vorbereitete Tat wertete die Staatsanwältin auch ein ein Meter tiefes Loch, das der Angeklagte in seinem Graben unweit vom Tatort eingraben wollte. Er habe nur eine Tonne eingraben wollen, um Wasser im Boden versickern zu lassen, schilderte der 69-Jährige.

"Ich habe einfach nur zugeschlagen"

Die Anklägerin zitierte auch aus einem Brief des Mannes an seine Freundin, in dem dieser Überlegungen anstellte, um aus der "Ehefalle" herauszukommen. "Ersch.... und vergr..." sei dabei die "kostengünstigste" Version. Das sei unüberlegt gewesen, meinte der 69-Jährige, der auf Nachfragen aus dem Richtersenat betonte: "Ich habe einfach nur zugeschlagen, ohne zu denken, ohne zu überlegen."

Die Forderung der Ehefrau, die 2.250 Euro Schmerzensgeld verlangte, akzeptierte der Angeklagte. Im Prozess sollen zwölf Zeugen befragt werden. Auch eine medizinische Sachverständige wurde beigezogen. Sie konfrontierte den Angeklagten damit, dass alle vier Verletzungen, die die Ehefrau am Kopf aufwies, in einem begrenzten Bereich passiert seien. Der 69-Jährige meinte, nur drei Verletzungen seien von dem Hammer, bei der vierten habe sich die Frau an einem Pflock gestoßen.