Erstellt am 20. Oktober 2014, 11:18

von APA/Red

Fall Bernd Riedl: Tat „ohne Skrupel“. Nach Schuss auf Wiener Neustädter Uhrmacher wurde vermeintlichem Schützen Prozess gemacht – Beweise fehlten.

 |  NOEN, Mathias Schranz
Der 28. November 2005 hat alles verändert. Für Familie, Freunde, den Juwelier Hohensteiner – und für das Opfer selbst. Freilich, ein Urteil bringt Bernd Riedl nicht zurück. In der Vorwoche sollte vor Gericht aber zumindest geklärt werden, was an jenem Abend geschah – aber auch das blieb seinen Angehörigen verwehrt.

Was man weiß: Als drei Männer das Eisenstädter Geschäft überfallen, nimmt der 22-jährige Uhrmacher Bernd Riedl die Verfolgung auf. Ein Räuber schießt seinem Verfolger ins Gesicht, der junge Wiener Neustädter überlebt, bleibt aber bis zum Vorjahr, wo er für immer seine Augen schloss, ein Pflegefall.

„Eiskalt und ohne Skrupel“

Neun Jahre später wird einem 27-jährigen Serben am Eisenstädter Gericht der Prozess gemacht: Er soll den verhängnisvollen Schuss abgegeben haben. „Eiskalt und ohne Skrupel“, so die Staatsanwaltschaft, die auf Mord plädiert. Der Angeklagte bekennt sich war schuldig – aber nur des Überfalls, den Schuss will er nicht abgegeben haben.

Überhaupt: „Es war nicht geplant, das jemand verletzt wird“, sagt er vor den Geschworenen, ehe das Mitglied der „Pink Panther Bande“ seine Geschichte auftischt. Er bringt einen bisher unbekannten vierten Mann, ebenfalls einen Serben, ins Spiel. Der hätte geschossen – und zwar in die Luft, Bernd Riedl sei quasi in den Schuss gelaufen. In den jahrelangen Ermittlungen der Polizei scheint der Unbekannte nicht auf, der Prozess kann ihm nicht mehr gemacht werden: Er starb bei einem Motorradunfall 2011.

5:3 gegen Mordanklage

Zeugen konnten den Angeklagten nicht als Schützen überführen, nach zwei Prozesstagen fällen die Geschworenen ein Urteil: 5:3 gegen Mordanklage. Eine Verurteilung wegen schwerem Raub und wegen Körperverletzung mit Todesfolge erfolgte jeweils einstimmig – sechs Jahre Haft, nicht rechtskräftig. Hinzu kommen weitere sechs Jahre, die er in Spanien absitzen muss, auch dort war er an einem Raubüberfall beteiligt gewesen.

Nach einem der drei Täter des Überfalls wird noch gefahndet. Der dritte Serbe im Bunde wurde zwar verurteilt, aber durch einen Justiz-Irrtum Jahre zu früh aus der Haft entlassen; die NÖN berichtete. Er soll mittlerweile in seinem Heimatland in diversen Bars gesichtet worden sein.

Wir berichteten bereits ausführlich über den Prozess: