Erstellt am 05. August 2015, 08:07

von Magdalena Gmeiner und Tamara Heidenreich

„Sehe hier Zukunft für meine Familie“. Die Pannonische Tafel hilft Asylwerbern wie Ahmad Dela, aber auch heimischen Bedürftigen in allen Lebenslagen.

Teamarbeit. Aya Belhadj (r.) fungierte beim Interview mit Ahmad Dala als Dolmetscherin und übersetzte gekonnt aus dem Arabischen ins Deutsche.  |  NOEN, BVZ
„In meiner Heimat wollte der IS (Terrororganisation Islamischer Staat), dass ich für ihn kämpfe. Als ich mich geweigert habe, wurden ich, meine Frau und unsere Kinder massiv bedroht. Daraufhin flüchtete ich teilweise zu Fuß, teilweise über Schlepper hierher“, erzählt der 39-jährige Syrer Ahmad Dela. Er ist einer der rund 160 Flüchtlinge, die derzeit im Zeltlager in Eisenstadt auf das Verfahren ihres Asylantrags warten.

Bei brütender Hitze, stickiger Luft und auf engstem Raum bangen sie dort um ihr Schicksal. Dela hätte eine Zukunft in seinem Land gehabt, er hat eine Ausbildung und ist Ingenieur: „Ich war Abteilungsleiter und bildete Lehrlinge aus. Das würde ich auch hier gerne machen.“

Seine Frau und seine vier Kinder sind derzeit in Syrien, doch er will alles dafür tun, um sie nach Österreich zu bringen, denn: „Ich möchte hier bleiben, da ich hier eine Zukunft für meine Familie – ohne Gewalt und Krieg – sehe!“

In den verschiedensten Bereichen wird geholfen

Um für diese Zukunft einen Grundstein zu legen, besucht er regelmäßig den Deutschkurs der Pannonischen Tafel. „Ich komme hierher, um die Sprache möglichst rasch lernen zu können“, erzählt er.

„Letzten Samstag besuchten 72 Flüchtlinge den Kurs! Diese Zahl variiert natürlich immer, da viele noch gar nicht wissen, dass es die Tafel gibt, doch allgemein wird unser Angebot sehr gut angenommen. Auch die Hilfe vonseiten der Bevölkerung ist großartig! Wir sind selbst überrascht, wie viele helfen wollen und Ausflüge und Begleitung zu Behörden machen, Kleidung spenden“, freut sich Andrea Roschek, Obfrau der Organisation.

Doch: „Nicht nur Flüchtlinge, sondern auch unter der Armutsgrenze lebende Österreicher sind herzlich bei uns willkommen“, erzählt Robert Tobler, Mitgründer der Tafel. Diese engagiert sich in vielen Bereichen: Sie bietet Deutschkurse an, vermittelt Wohnungen, hilft bei Amtswegen, arbeitet mit dem AMS zusammen, organisiert Spendenaktionen für Lebensmittel, Kleidung, und vieles mehr.

Der Standort beim alten Stadttor in Eisenstadt umfasst das „Wohnzimmer“ - einem Raum zur Begegnung, eine Gemeinschaftsküche, einen Second Hand Laden und eine Theke zur Essensausgabe.

Noch gute Lebensmittel für wenig Geld

„Mit 840 Euro Mindestsicherung im Monat ist es schwer, die Kosten für Wohnung, Heizung, Strom und Lebensmittel unter einen Hut zu bekommen. Bei unserer Essensausgabe kann man für zwei Euro Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht haben, aber trotzdem noch genießbar sind, erwerben. Voraussetzung ist, dass man nachweislich die Mindestsicherung erhält, ein Stammdatenblatt ausfüllt und unseren ‚VIP-Pass‘ bei jedem Einkauf vorweist“, erzählt Eveline Striok, ehrenamtliche Mitarbeiterin seit einigen Jahren.

Harmonie trotz vieler verschiedener Kulturen 

Täglich frequentieren bis zu 40 Leute die Essensausgabe und noch mehr das „Wohnzimmer“ der Tafel in Eisenstadt.

„Bei uns treffen Menschen aus verschiedenen Kulturen aufeinander, die aus schwierigen Verhältnissen kommen. Dennoch ist jeder bemüht und höflich. Anders würde es mit so vielen Menschen mit unterschiedlichen Mentalitäten auch gar nicht funktionieren“, erzählt Robert Tobler.