Erstellt am 03. März 2015, 14:38

von Elisabeth Kirchmeir

Sieben Monate unbedingt für Halloween-Schützen. Eine laut seinem Verteidiger Christian Supper "Black-Out-Aktion" hat am Dienstag ein gerichtliches Nachspiel für einen 32-jährigen Oberpullendorfer gehabt.

Der Angeklagte (m.), ein 32-jähriger ehemaliger stellvertretender FPÖ-Bezirksparteiobmann, am Dienstag, 3. März 2015, vor Verhandlungsbeginn am Landesgericht Eisenstadt. Der Angeklagte soll zu Halloween in Großhöflein (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) eine 13-Jährige angeschossen haben.  |  NOEN, HERBERT NEUBAUER (APA)


Unter großem Medieninteresse wurde der 32-jährige, aus dem Bezirk Oberpullendorf stammende Angeklagte am Dienstag, 3. März, gegen Mittag aus der U-Haft in den Gerichtssaal 8 gebracht. Sein Gesicht versteckte er hinter einem orangefarbenen Aktendeckel.

Staatsanwalt Christian Petö warf ihm absichtlich schwere Körperverletzung vor. Am 31. Oktober 2014 hatte der Mann, auf der Terrasse seines Halbbruders in Großhöflein stehend, mit einem Gewehr auf ein 13-jähriges Mädchen geschossen. Caroline war gegen 18.30 Uhr mit einer Gruppe Jugendlicher zufällig an dem Grundstück vorbeigegangen. Im Bereich des Beckens schwer verletzt brach die junge Leistungssportlerin zusammen. Drei große und 22 kleine Splitter des Projektils befinden sich noch immer in ihrem Körper.

"Ich bekenne mich schuldig und übernehme die komplette Verantwortung", gab der Angeklagte die Tat zu. Er habe am Halloween-Tag 2014 seinem Halbbruder beim Verkleben der Fassade geholfen, im Laufe des Tages habe man drei bis vier Bier und zwei oder drei Stamperl Schnaps getrunken. "Er sagte, gehen wir schießen", berichtete der Angeklagte.

Gewehr vom Flohmarkt

Das Gewehr hatte der Halbbruder von einem Cousin, der es wiederum illegal auf einem Flohmarkt erworben hatte. Man schoss auf ein Verkehrsschild und eine Straßenlaterne, dann auf Red Bull Dosen. Eine dieser Dosen stand ebenso weit vom Schützen entfernt, wie das spätere Opfer. "Ich habe die Dose getroffen. Sie machte einen Schepperer und fiel um", berichtete der Angeklagte.

Dann seien die Jugendlichen aufgetaucht. "Ich sagte, warten wir, bis sie vorbei sind. Dann gingen wir in Schussposition. Ich hielt das Gewehr in die Richtung und schoss dummer Weise", setzte der Angeklagte fort.
"Haben Sie nicht etwas vergessen?", erinnerte Richter Wolfgang Rauter den 32-Jährigen. "Gesagt habe ich: Jetzt brenn' i an ane auf", gab der Angeklagte zu. "Was bezweckten Sie damit? Wurden Sie von den Jugendlichen sekkiert?", wollte der Richter wissen. "Ich wollte sie nicht treffen, sondern nur erschrecken", sagte der Angeklagte.

Er sei davon ausgegangen, dass "nichts passieren könne". "Zu dieser Jahreszeit waren sie dick angezogen, ich dachte nicht, dass die Kugel durch den Stoff durchgeht", meinte er.

Opfer hätte sterben können

"Sie müssen dem Herrgott danken, dass nicht mehr passiert ist", ermahnte der Richter den Angeklagten. "Nur einen Zentimeter weiter wäre eine Hauptader getroffen worden und das Mädchen hätte sterben können."
Dass der 32-Jährige bei der ersten Befragung durch die Polizei seinen Halbbruder beschuldigt hatte, für die Tat verantwortlich zu sein, sei eigentlich "charakterlos", so der Richter. "Ich bin es gewesen", gab der Angeklagte vor Gericht zu.

Als er das Mädchen verletzt zu Boden fallen sah, habe er geflucht, so der Angeklagte. Sein Halbbruder habe das Gewehr im Keller versteckt, dann seien beide zu der Gruppe gegangen. "Sie sagten, dass die Rettung unterwegs ist. Da dachte ich mir, dass nicht viel sein kann."

Angst vor Folgeschäden

Die 13-jährige Caroline fürchtet sich, wie sie vor Gericht sagte, vor Folgeschäden. "Ich habe Angst, dass sich einer der Splitter noch verschiebt", erklärte sie. In der Schule leidet sie beim Sitzen nach der dritten Stunde unter Schmerzen, beim Training bei längeren Läufen ebenfalls.

"Ich möchte mich bei dir entschuldigen für den Blödsinn, den ich gemacht habe", bat der Angeklagte das Opfer um Verzeihung.

x  |  NOEN, Privat


Der Schuss-Sachverständige Ingo Wieser erläuterte, dass es sich keinesfalls um einen Abprallschuss gehandelt haben kann. Das Geschoß sei zersplittert, als es auf dem Beckenknochen auftraf und befinde sich im vollen Ausmaß im Körper des Opfers. Bei einem Schädelschuss mit derselben Waffe hätte durchaus der Tod eintreten können.

"Er dachte sich, einer von denen brenn ich eine drüber", fasste Staatsanwalt Christian Petö die Fakten zusammen. "Wenn er die Waffe auflegte, genau zielte und das Opfer in das Gesäß traf, gehe ich davon aus, dass es ein ganz bewusster Schuss war", so Petö. Den Mordvorsatz habe er im Zweifel nicht angenommen. "Wenn er auf das Gesäß des Mädchens zielte, ging er nicht davon aus zu töten."

"Wenn man den Angeklagten heute erlebt hat, muss klar sein, dass er nicht der heimtückische Sniper von Großhöflein oder der schießwütige Kommunalpolitiker ist, als der er bezeichnet wurde, sondern ein Durchschnittstyp", setzte sich Verteidiger Christian Supper für seinen Mandanten ein. Ein Motiv für eine absichtliche schwere Körperverletzung sehe er nicht.

Der Richter verurteilte den Angeklagten wegen schwerer Körperverletzung zu 21 Monaten Freiheitsstrafe, davon 14 Monate bedingt. Am 21. März wird der Mann nach Verbüßung von zwei Drittel der unbedingten Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen.

Keine Absichtlichkeit

"Absichtlichkeit wurde nicht angenommen", erläuterte der Richter sein Urteil. Aus generalpräventiven Gründen sei bei einer Strafdrohung von drei Jahren eine strenge Strafe ausbemessen worden. "Im Ortsgebiet herumzuschießen, ist schlimm. Und es ist eine schlimme Straftat in Bezug auf die Tatfolgen." Wegen dieser Tatfolgen sei ein Zeichen in Form einer verhältnismäßig strengen Strafe zu setzen gewesen. "Der Angeklagte war mehr als saudumm, er hat ein indiskutables Verhalten an den Tag gelegt", so Rauter.

Der Angeklagte nahm das Urteil an, der Staatswalt gab keine Erklärung ab - das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Bezüglich des Schmerzensgeldes fand, so erläuterte der Anwalt des Mädchens, bereits eine Einigung statt: Der Angeklagte zahlte die vereinbarte Summe und anerkannte zukünftige Ansprüche des Opfers.