Erstellt am 08. Februar 2012, 00:00

Soziale und reale Kälte. UNTERSTANDSLOSE / Zwei Slowaken lebten als „Sandler“. Helfer und Landesrat Rezar debattierten über Zuständigkeiten…

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VON MARIO KANITSCH UND WERNER MÜLLNER

EISENSTADT / Auch wenn man es kaum glauben mag, aber mitten in Eisenstadt, unweit von Einkaufszentren, lebten bis vor kurzem zwei slowakische Staatsbürger in einer selbst zusammengezimmerten Hütte. Vergangene Woche nahm sich der Verein „Freiraum Pannonia“ der beiden Obdachlosen an und brachte sie im Vereins-Haus in der Meierhofgasse unter. Zurzeit wohnen dort acht Personen, die sonst auf der Straße stünden. Vom 18-jährigen, schwer traumatisierten Jugendlichen bis hin zum 83-jährigen Bettlägrigen ist in den Unterkünften des Freiraumes derzeit alles vertreten.

Andrea Roschek, Obfrau der „Pannonischen Tafel“ und Mitinitiatorin des Freiraums: „Wer nachhaltig helfen will, der muss darauf achten, dass das soziale Umfeld der Betroffenen unbedingt erhalten bleibt. In meinen Augen wäre das auch Aufgabe des Landes. Für diese Menschen wäre auch das Sozialamt zuständig.“ Roschek weiter. „Wenn wir dort anrufen, dann werden wir meistens schon im Vorzimmer abgewimmelt. Dort heißt es immer, man könne nur Hilfe in besonderen Lebenslagen anbieten. Nach Monaten bekommt man dann irgendwann einmal 200 Euro, doch jemandem, der von heute auf morgen auf der Straße steht, bringt das nichts. Für mich ist das eine bloße Negierung der Armut.“

Roschek: „Ich werde mir nicht Mund verbieten lassen“ 

 

Diese unterschiedlichen Auffassungen zwischen Helfern und Politikern eskalierten vergangene Woche. Roschek erhielt einen Anruf aus dem Büro von Soziallandesrat Peter Rezar (SPÖ). Roschek: „Ich wurde zur Rede gestellt, was mich dazu ermächtigt, andere Leute zu beherbergen. Ich empfinde den Anruf als eine Art Drohung. Wir sind ein privater Verein und in unseren Verträgen mit dem Hauseigentümer, der Esterházy Privatstiftung, ist festgesetzt, dass wir jeden Not leidenden Menschen aufnehmen dürfen.“ Roschek weiter: „Ich werde mir nicht den Mund verbieten lassen. Ich möchte mich aber keineswegs auf einen Streit mit der Politik einlassen, denn das wäre nicht zielführend“, erklärt Roschek.

Aus dem Büro Rezar meldet Gerlinde Stern-Pauer: „Ich bedauere sehr, dass Frau Roschek ein Nachfragen meinerseits als ein ,Zur-Rede-Stellen‘, ,Maßregeln‘ oder ,Einschüchtern‘ empfunden hat. Ich wollte lediglich wissen, um wen es sich handelt, damit die Institutionen, die für Soziales zuständig sind – das sind die Sozialreferate – die helfen können. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Land hier seiner Fürsorgepflicht nachkommen muss. Es kann aber nur dem geholfen werden, der sich bei den Behörden meldet.“