St. Margarethen im Burgenland

Erstellt am 27. Juli 2016, 06:33

von BVZ Redaktion

Flüchtlingsfamilie droht Abschiebung. Afghanische Flüchtlingsfamilie soll nach Kroatien. St. Margarethener sammelten Unterschriften, Caritas legte Beschwerde ein.

Einsatz. Familie Faquiri – Arash, Elias, Anissa und Abdul – mit St. Margarethens Pfarrer Georg Lang, der auf ihr Schicksal aufmerksam machte.  |  BVZ

Viele St. Margarethener sind geschockt: Familie Faquiri, jene afghanische Flüchtlingsfamilie, die seit Februar in der alten Schule neben der Kirche wohnt, muss Österreich schon bald verlassen – einen entsprechenden Bescheid hat sie bereits bekommen.

Der Grund: Die Familie kam über die Balkanroute nach Österreich. In Kroatien wurden ihre Fingerabdrücke genommen. Laut der Dublin-III-Verordnung muss ein Flüchtling in dem Staat um Asyl bitten, in dem seine Personalien erstmals erfasst wurden – im Fall der Faquiris also Kroatien.

„Nicht mehr Asylwerber, sondern Freunde“

Im Ort ist die Bestürzung groß: „Die Familie hat sich wunderbar integriert: Die Mutter geht mit dem Baby zu Mutter-Kind-Treffen, der größere Bub ist in der Schule fleißig und beliebt und ist sogar Ministrant. Der Vater spielt bei den Passionsspielen mit. Wie kann man die Familie jetzt wegholen, wo sie sich eingelebt hat?“, fragt eine Passionsspielerin: „Es geht hier nicht mehr um irgendwelche Asylwerber, es geht um Freunde.“

Die St. Margarethener wollen gegen den Bescheid angehen: Über 400 Unterschriften wurden gesammelt, Empfehlungsschreiben geschrieben.

Familie vor Abschiebung? Abdul Faquiri hat auch eine tragende Rolle bei den Passionsspielen.  |  BVZ

Die Caritas, die für die Betreuung der Familie zuständig ist, hat über ihre Rechtsabteilung nun Beschwerde gegen den Bescheid eingelegt: „Wir können weder die Entscheidung noch die Vorgangsweise im Zusammenhang mit diesem Bescheid nachvollziehen“, erklärt Caritas-Sprecherin Uli Kempf und führt eine Reihe von Gründen an: „Zum Einen ist die Familie vor den Taliban geflohen – das wurde behördlich weder geprüft noch berücksichtigt. Zum Zweiten hat die Familie gezeigt, dass sie sich integrieren will – das wurde nicht berücksichtigt. Und zum Dritten wurde auch die Nervenkrankheit des Vaters nicht berücksichtigt.“

Mit dieser Beschwerde soll erreicht werden, dass Österreich Zuständigkeitsland für die Familie wird und sie so im Land bleiben kann. Ob dies gelingt, steht noch nicht fest, denn das Verfahren läuft noch.