Erstellt am 03. November 2014, 14:24

von NÖN Redaktion

Suspendierter Ermittler: Kriminalisten im Zeugenstand. Wegen Amtsmissbrauchs und weiterer Delikte muss sich seit einer Woche ein suspendierter Kriminalist aus Niederösterreich am Landesgericht Eisenstadt verantworten.

 |  NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at
Am Montag, dem dritten Verhandlungstag, waren eine Reihe von Zeugen aus dem beruflichen Umfeld des einstigen Top-Ermittlers geladen.

Da zwei Zeugen verhindert waren, wird es am Dienstag zu keinem Urteil kommen. Ein weiterer Verhandlungstag dürfte im Dezember angesetzt werden.

Rund 20 Prozent seiner Arbeitszeit sei er im Büro in St. Pölten oder Mödling gewesen, den Rest im Außendienst, schätzte der 64-Jährige auf Richterfrage nach seiner Anwesenheit. Laut Anklage soll er u.a. fallweise während der Dienstzeit nach Hause gefahren sein. Dazu merkte der Angeklagte an, schlechtes Gewissen deshalb sei unangebracht, wenn etwa Dutzende Polizisten zu Mittag im Schweizerhaus in Wien anzutreffen seien.

Missbrauchs von Überstunden?

Zu den Kontrollen seiner 18 Bereichsleiter befragt, erläuterte der Leiter des Landeskriminalamtes, dass Arbeitsdokumentationen vorzulegen seien, die sich der zuständige Offizier natürlich ansehe. Der Arbeitsaufwand insgesamt hänge natürlich mit dem aktuellen kriminellen Geschehen zusammen. In seiner Statistik sei ihm die überdurchschnittlich hohe Summe an Mehrdienstleistungen der Raubgruppe aufgefallen, weshalb er deren nun angeklagten Chef ersuchte, diese zu verringern, was in der Folge auch geschehen sei. Einen Verdacht gegen ihn persönlich bezüglich Missbrauchs von Überstunden habe er nicht gehabt, sagte der Brigadier und sprach vom Vertrauen des Chefs in seine Mitarbeiter.

Der Dienst im Landeskriminalamt funktioniere nur dann, wenn alle auch zuhause erreichbar sind und bei Bedarf gerufen werden können, betonte der Kriminalbeamte. Es sei auch möglich, Berichte daheim fertigzustellen, Argumente dafür und Belege darüber seien allerdings nötig. Der Beschuldigte habe ihn definitiv nicht telefonisch um Erlaubnis gebeten, zuhause arbeiten zu dürfen, sagte der LKA-Chef. Ob sie zu Tatorten fahren, würden die Gruppenchefs selbst entscheiden.

Zuhause arbeiten muss gemeldet werden

Dass der Beschuldigte, wie er angegeben hatte, ein Skriptum zur Causa Wilderei verfasst hatte, war dem Zeugen nicht bekannt. Die Ermittlungen seien bis vor drei Jahren im Diebstahlsbereich angesiedelt gewesen, dann versuchte die Raubgruppe, sie zusammenzuführen.

Dem stellvertretenden LKA-Leiter war ebenfalls nicht bekannt, dass der 64-Jährige zuhause arbeiten wollte - es wäre jedenfalls zu melden gewesen, bestätigte er. Dass jemand einen Akt mit heim nimmt, ohne etwas zu sagen, sei "ungewöhnlich".

Staatsanwalt Wolfgang Handler sprach am Montag von einem anonymen Hinweis, demzufolge der Beschuldigte im Vorfeld des Prozesses versucht habe, Zeugen zu beeinflussen. Der 64-Jährige gab dazu an, dass er seit seiner Suspendierung keinen Kontakt mehr zu den Kollegen hatte - bis auf einen Besuch eines Mitarbeiters. Diesen habe er jüngst nochmals treffen wollen, was dieser mit Hinweis auf seine heutige Ladung ablehnte. Das bestätigte der Zeuge. Er gab an, den 64-Jährigen besucht zu haben, nachdem er gehört hatte, dieser würde ihn jenes anonymen Briefs verdächtigen, in dem von Verfehlungen berichtet worden war.

Ein anderer Beamter der Raubgruppe erklärte, dass sein Vorgesetzter alle Abschlussberichte unterschrieben hatte - nach etwa ein bis zwei Tagen Durchsicht. "Er hat sicher viel gearbeitet", meinte der Mann. Er bestätigte, dass die Wilderei-Ermittlungen dem 64-Jährigen ein großes Anliegen waren. Am Nachmittag sollten weitere Zeugen gehört werden.