Erstellt am 03. Dezember 2015, 08:24

von Stefan Jedlicka

Taxifahrer bestohlen: „Keiner hat geholfen“. Eisenstädter Taxilenker suchte in Traiskirchen (NÖ) an einem frequentierten Platz Hilfe, da er beraubt wurde: Er wurde lange im Stich gelassen.

Der Eisenstädter Taxilenker Josef Fortunis verfolgte die jungen Männer und konnte einen von ihnen fassen.  |  NOEN, Jedlicka

Von einer Gruppe Jugendlicher war ein Eisenstädter Taxilenker am 2. Mai zu einer langen Taxifahrt gerufen worden. Geendet hat die Reise letztlich mit einem versuchten schweren Raub.

„Zuerst wollten die Burschen nach Wiener Neustadt, dann nach Mödling und dann wieder zurück. In Traiskirchen bin ich dann an einen frequentierten Ort gefahren“, erzählt Taxilenker Josef Fortunis. Er sei neben einem anderen Taxi stehen geblieben und habe sich Hilfe erhofft. Die Burschen wollten die Fahrt nicht bezahlen und haben ihn mit einem Schlagring bedroht. Sie seien aus dem Taxi gesprungen.

„Einer hat nicht so gut laufen können, den habe ich erwischt. Das andere Taxi ist einfach weggefahren. Das habe ich schon arg gefunden“, so Fortunis weiter. Er habe dann neben dem Taxi, bei dem alle Türen offen gestanden seien, mit dem Burschen am Boden gerangelt. „Es sind so viele vorbei gefahren und niemand hat etwas getan“, zeigte sich der Taxilenker enttäuscht. Erst nach einiger Zeit habe eine Taxilenkerin die Polizei verständigt.

Einer der Burschen, ein 19-Jähriger, stand am Donnerstag vor Gericht. „Ich war ein bisschen angetrunken“, erzählte der Angeklagte, der kurze Zeit später meinte: „Es wurde nichts getrunken.“

Angeklagter nicht das erste Mal vor Gericht

„Im Wesentlichen sind Sie ja geständig. Nur, dass Sie jetzt auf einmal nichts mehr wissen. In so jungen Jahren würde ich mir Sorgen machen, wenn Sie tatsächlich so ein schlechtes Gedächntnis hätten“, meinte Richter Kurt Weisgram zum Beschuldigten. Die beisitzende Richterin Petra Harbich kannte den Angeklagten bereits von seinen vorherigen Verfahren.

„Anfang 2013 haben Sie in Hinterbrühl jemanden gefesselt und geknebelt. Dann wurde noch auf das Bett des Opfers uriniert. Außerdem waren Sie an Diebstählen und Ähnlichem beteiligt. Sie haben damals eine bedingte Strafe bekommen“, erinnerte sich Richterin Harbich. „Sie hätten Bewährungshilfe in Anspruch nehmen sollen und ein Anti-Gewalt-Training absolvieren, waren aber nicht mehr erreichbar. Was sagen Sie dazu?“, redete Harbich ihm ins Gewissen. „Nichts“, meinte der junge Mann schmollend.

Nachdem er immer wieder grinste, erklärte ihm auch seine Verteidigerin Doris Hohler-Rössel, dass diese Straftat kein Spaß sei. Der Angeklagte zeigte sich wenig beeindruckt. „Ich kenne ihn, das ist seine Art sich zu zeigen, wenn er verlegen ist“, meldete sich während des Prozesses plötzlich eine Frau zu Wort.

Die bedingt nachgesehenen Strafen muss der Angeklagte jetzt absitzen. Zusätzlich wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt (nicht rechtskräftig).