Erstellt am 10. April 2012, 11:32

Tödlicher Sturz am Bau in Eisenstadt - Geldstrafe für Firmen-Chef. Nach einem tödlichen Arbeitsunfall am 31. Mai des Vorjahres ist heute, Dienstag, der Geschäftsführer (56) einer Wiener Baufirma in Eisenstadt vor Gericht gestanden.

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Ein Arbeiter war damals auf einer Baustelle in der Landeshauptstadt aus etwa drei Metern Höhe kopfüber abgestürzt. Der 56-jährige wurde wegen fahrlässiger Tötung nicht rechtskräftig zu einer Geldstrafe von 9.000 Euro verurteilt. Davon muss er die Hälfte begleichen, der Rest wurde auf drei Jahre bedingt nachgesehen.

Das Unternehmen hatte Ende Mai 2011 Arbeiten in einem Rohbau in Eisenstadt durchgeführt. Einer der Arbeiter sollte dabei im ersten Stock des Gebäudes Teile einer Eisenkonstruktion mit einem Winkelschleifer entfernen. Dabei stand er auf zwei 2,7 Zentimeter dicken, zwei Meter langen Dokaplatten. Die Holzplatten seien laut Anklage nicht gegen Verrutschen gesichert gewesen. Als der Mann das Gleichgewicht verloren habe, seien die Platten unter seinen Füßen aufgekippt, der Arbeiter stürzte in die Tiefe.

Der Staatsanwalt warf dem Geschäftsführer fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen vor. Der 56-Jährige habe einem 37-jährigen Vorarbeiter den Auftrag für die Arbeiten erteilt, ohne dabei Sicherheitsvorkehrungen anzuordnen - obwohl er annehmen hätte müssen, dass die Arbeiten auf eine den Bestimmungen der Bauarbeiterschutzverordnung "krass widersprechende" Art und Weise durchgeführt werden würden, hieß es in der Anklage. Der 37-Jährige - er wurde bereits am 18. November 2011 zu 4.500 Euro Geldstrafe verurteilt - habe dann den Auftrag an die zwei Arbeiter weitergegeben, von denen einer tödlich verunglückte.

"Es ist bei diesen Baustellenunfällen immer so, dass ein gewisser wirtschaftlicher Druck auf den Firmen lastet und dass dieser weitergegeben wird bis zum Arbeiter", erklärte der Staatsanwalt. Der Arbeitgeber müsse sich aktiv um die Sicherheit auf der Baustelle kümmern: "Das Gesetz sieht eben diese besondere Verantwortung für den Arbeitgeber vor - das ist in dem Fall der Geschäftsführer, der mit solchen Arbeiten vertraut war." Das Beweisverfahren habe "eindeutig ergeben, dass hier eine Mitverantwortung des Geschäftsführers vorliegt", so der Ankläger, der auch eine "spürbare" Bestrafung der Firma nach dem Verbandsverantwortlichkeitsgesetz verlangte.

   Der Verteidiger sprach den Angehörigen des tödlich verunglückten Arbeiters "ausdrücklich" im Namen der Firma das Bedauern aus. Das Unternehmen habe sich ausreichend um die Sicherheit gekümmert, hielt er dem Staatsanwalt entgegen. Auf der Baustelle sei Sicherheitsmaterial im Wert von rund 6.000 Euro bereitgestanden. Nicht der Geschäftsführer, sondern der Vorarbeiter habe entschieden, dass die Platten aufgelegt werden. Der Firma sei durch die Maßnahme auch kein Kostenvorteil entstanden, weshalb er sich massiv gegen die Anwendung einer Verbandsgeldbuße ausspreche.

Einzelrichter Wolfgang Rauter verneinte das Vorliegen besonders gefährlicher Verhältnisse und fällte einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung. "Das Gericht geht nicht davon aus, dass beim Angeklagten ein schweres Verschulden vorliegt", so der Richter. Was ihm angelastet werden könne, sei, dass er den bürokratischen Voraussetzungen - den Arbeitsauftrag schriftlich zu dokumentieren - nicht genüge getan habe. Von der Verhängung einer Verbandsgeldbuße wurde abgesehen. Der Angeklagte nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.