Erstellt am 26. April 2012, 11:49

Tödliches Überholmanöver - Lenkerin zu Geldstrafe verurteilt. Nach einem tödlichen Verkehrsunfall im Mai des Vorjahres im Bezirk Oberwart hat sich heute, Donnerstag, eine 60-jährige Burgenländerin in Eisenstadt vor Gericht verantworten müssen.

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Die Pkw-Lenkerin war damals beim Überholen mit einem entgegenkommenden Lkw zusammengestoßen. Ihr Ehemann kam dabei ums Leben, der Lkw-Lenker wurde leicht verletzt. Einzelrichter Vizepräsident Alfred Ellinger sprach die Frau wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen sowie fahrlässiger Körperverletzung schuldig und verurteilte sie zu 6.000 Euro Geldstrafe, davon 3.000 Euro bedingt.

Die Anklage warf der Frau vor, dass sie trotz Blendung durch die Sonne und bei Gegenverkehr versucht habe, zwei vor ihr fahrende Autos zu überholen. Dabei habe sie den entgegenkommenden Lkw übersehen und sei mit ihm kollidiert, so Staatsanwältin Beatrix Resatz.

Die Burgenländerin könne sich nicht mehr an den Unfall erinnern, erklärte ihr Verteidiger: "Meine Mandantin wird selbstverständlich die Verantwortung übernehmen, sofern das möglich ist." Die Frau habe selber keine Erklärung, wie der Unfall passieren konnte. Ein technisches Gebrechen sei vom Gutachter ausgeschlossen worden.

Die 60-Jährige hatte bei dem Verkehrsunfall selbst schwerste Verletzungen erlitten. "Wenn man die Fotos sieht, ist es ein Wunder, dass sie überhaupt leben", meinte der Richter. "Ich war sechs Wochen im Tiefschlaf. Man hat mir überall gesagt, vor zehn Jahren hätte ich keine Chance gehabt", schilderte die Frau, die ihre Aussage im Rollstuhl machte. Das Straßenstück, auf dem sich der Unfall ereignet habe, sei kerzengerade, "normalerweise kann dort überhaupt nichts passieren", sagte der Richter.

Die Anklage gründe auf den Berechnungen des Gutachters, der den Unfall untersucht habe, so die Staatsanwältin. Als mildernd seien neben der bisherigen Unbescholtenheit auch die Unfallfolgen zum Nachteil der 60-Jährigen zu berücksichtigen. "Es ist ein Schicksalsschlag, der strafrechtliche Folgen hat", sagte Resatz. Wegen der schweren Folgen sei jedoch eine Diversion nicht möglich.

Seine Mandantin bekenne sich schuldig, erklärte der Verteidiger. Wenngleich ihr ein reumütiges Geständnis nicht möglich sei, da sie sich nicht an den Unfall erinnere, ersuche er dennoch um ein mildes Urteil. Der Richter verurteilte die 60-Jährige zu 200 Tagessätzen a 30 Euro, wovon die Hälfte bedingt nachgelassen wurde. Sowohl die Frau als auch die Staatsanwältin verzichteten auf Rechtsmittel. Damit ist das Urteil rechtskräftig.