Erstellt am 17. Dezember 2014, 00:18

von Nina Sorger und Sandra Koeune

Umfahrung Schützen: Lange Aufschübe – schnelle Eröffnung. Was für die einen ein Weihnachtsgeschenk ist, sehen andere als Zerstörung der Natur. Ab Freitag ist die Straße offen.

Im Bau. Während die fertige Umfahrungsstraße auf ihre Eröffnung wartet, wird an den Begleitwegen, die die Sicherheit von Radfahrern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen gewährleisten, noch gearbeitet.  |  NOEN, Foto: Privat
Die Geschichte der Umfahrung Schützen ist eine Geschichte jahrelanger Verhandlungen, unzähliger Planänderungen und Hindernisse – und der Zerrissenheit. Unterschiedliche Interessensvertreter – Gemeinde, Land, Privatstiftung Esterházy, Umweltschützer – stritten miteinander, in Schützen selbst wurden Nachbarn zu erbitterten Gegnern.

2007 blockierten Mitglieder der Bürgerinitiative „Schützen Schützen“ die Ortsdurchfahrt, um auf die Autolawine, die sich täglich durch den Ort wälzt – aufmerksam zu machen. Schon zuvor ging das Unabhängige Bürgerforum Schützen (UBf) aus der von Umfahrungsgegnern gegründeten Bürgerinitiative Schützen (BIS) hervor und findet sich heute noch im Gemeinderat.

Ursprünglicher Fertigstellungstermin hält doch

Nach Protesten gegen eine Anbindung an die Autobahn bei Kittsee, strich die ASFINAG 2010 als Bauherr die Segel und das Land plante die kleinräumige Umfahrung. Unter Protesten der dortigen Grundbesitzer entschied man sich für die Nordvariante. Im September 2012 erfolgte schließlich der Spatenstich durch Landeshauptmann Hans Niessl und Straßenbaulandesrat Helmut Bieler (beide SPÖ).

Die Hindernisse blieben: Die zwangsenteignete Esterházy Privatstiftung klagte und wollte den Spatenstich für rechtswidrig erklären lassen, der Umweltdachverband forderte einen Baustopp und eine Umweltverträglichkeitsprüfung, archäologische Funde und laichende Frösche verzögerten die Bauarbeiten, sodass man vom ursprünglichen Fertigstellungstermin – Ende 2014 – auf „Frühling/Sommer 2015“ abrückte.

Überraschende Öffnung und vorab erste Bilder

Nun ist überraschend aber doch schon alles fertig: „Die Bauarbeiten liefen erfreulich ruhig und ohne Verzögerungen und konnten aufgrund der guten Witterungsverhältnisse bereits jetzt finalisiert werden. Deshalb kann die Umfahrung ein halbes Jahr früher für mehr Lebensqualität und Verkehrssicherheit der Bürger von Schützen freigegeben werden“, heißt es von Landesrat Bieler.

Jene, die damals für die Umfahrung kämpften, sind zufrieden: „Die schnelle Eröffnung wäre für mich das schönste Weihnachtsgeschenk. Ich freue mich, die Fenster öffnen zu können, ohne vom Autolärm gestört zu werden. Ich war überrascht, dass es während der Bauarbeiten zu keinen Verkehrsverzögerungen auf der Straße kam“, meint Bettina Leeb, die einst für „Schützen schützen“ aktiv war – ebenso wie Cornelia Krumpeck: „Wir freuen uns auf die Eröffnung.“

Umfahrungsgegner: "Müssen Entscheidung akzeptieren"

Die Gegner der Umfahrung können an der Eröffnung nichts mehr ändern. „Die Natur ist nachhaltig zerstört worden. Daran ändert auch das Eröffnungsdatum nichts mehr. Wir haben gekämpft, müssen aber jetzt die Entscheidung akzeptieren“, so Bibiane Watzek (UBf).

Eröffnet wird die Umfahrung am Freitag dieser Woche. Bereits jetzt tummeln sich Radler und Spaziergänger auf der Trasse, wie die ersten Fotos und Videos belegen, die der BVZ zugespielt wurden: