Erstellt am 13. Mai 2013, 14:49

Unterarm abgetrennt - Odyssee in Eisenstadt. Der Schockzustand ließ Tibor A. nach dem schrecklichen Unfall in Purbach offenbar die Strecke mit dem Auto bis zum Krankenhaus in Eisenstadt zurücklegen.

epa03698941 Plastic surgoen Oskar Assmann (centre rear) looks at Hungarian worker Tibor A. (foreground) in Vienna's hospital AKH on 13 May 2013. The 37-year old men drove 15km to the nearest hospital on 11 May after he sawed off his right arm below the elbow by accident while cleaning a machine that processes construction rubble. The man was able to retrieve the cut off arm out of the machine and drove by himself from Purbach eastern Austria to a hospital in Eisenstadt. He was then flown to Vienna where dcotors successfully reattached the arm. EPA/HERBERT NEUBAUER  |  NOEN, HERBERT NEUBAUER (APA)
„Ich bin mit dem linken Arm ins Spital gefahren. Ich habe damit geschaltet. Schmerzen habe ich nicht gespürt“, erzählte der Ungar am Montag im Wiener AKH auf der Intensivstation.

Doch in ärztliche Versorgung zu kommen, das erwies sich für den Mann Samstagnachmittag nicht so einfach. Oskar Aßmann, von der Abteilung für Plastische Chirurgie der Chirurgischen Universitätsklinik der MedUni Wien am AKH: „Er hat beim Krankenhaus geparkt. Da hat man ihm gesagt ‚Da bei der Notfalleinfahrt können’s nicht parken‘. Also ist er wieder eingestiegen und in die Parkgarage gefahren.“ Tibor A.: „Ich habe einen Parkschein mit der linken Hand gezogen.“

Erst dann lief der Schwerstverletzte bis zur Unfallambulanz, legte dort den abgetrennten Unterarm auf den Tisch und sagte, so Aßmann: „Den Arm bitte wieder annähen.“

Die Unfallchirurgen in Eisenstadt handelten schnell. Sie stoppten die lebensgefährliche Blutung, sicherten das abgetrennte Körperteil und alarmierten das Wiener AKH, wo es seit 1973 einen rund um die Uhr erreichbaren Transplantationsdienst von Plastischen Chirurgen und Unfallchirurgen gibt. Der Ungar: „Ich weiß noch, wie ich in das Spital gekommen bin. Dann weiß ich noch, wie jemand gesagt hat, dass man das AKH in Wien anrufen muss.“

Mit dem Notarzthubschrauber kam Tibor A. dann Samstag gegen 17.30 Uhr ins Wiener AKH. Aßmann: „Die Operation ist ideal verlaufen. Die Unfallchirurgen haben sich um die ‚Knochenarbeit‘ gekümmert. Da geht es um die Sicherstellung, dass das Ellbogengelenk wieder funktioniert. Wir (Plastische Chirurgen, Anm.) kümmern uns bei solchen Operationen um die Weichteilrekonstruktion. Es besteht auch ein Risiko wegen der Giftstoffe, die sich in den Stunden der Nichtversorgung des abgetrennten Arms mit Blut bilden können. Aber dem Patienten geht es hervorragend. Die Nieren funktionieren.“ Es gäbe keine Hinweise auf irgendwelche Komplikationen. Die Durchblutung des abgetrennten Unterarms sei offenbar wieder gut.

Für die Zukunft hängt alles davon ab, wie gut die Nervenversorgung des replantierten Armteiles des Ungarn wieder funktionieren wird. Aßmann: „In ungefähr sechs Wochen werden wir eine Nervenrekonstruktionsoperation durchführen.“ Erst danach werde sich im Laufe von etwa eineinhalb Jahren herausstellen, ob der Arm wieder funktionieren könne. Einerseits war dem Mann der Unterarm exakt im Ellbogen scharf abgetrennt worden, andererseits hat ihm die Bewegung des Förderbandes die versorgenden Nerven bis in die Schulterhöhe ausgerissen. Das stelle ein sehr komplexes Verletzungsbild dar.

Tibor A. erklärte zwar, Schmerzen zu haben, doch sonst schien er am Montag ausgesprochen wohlauf zu sein: „Das soll schnell vorbei sein, ich will nach Hause.“