Erstellt am 13. Mai 2013, 14:18

Unterarm-Abtrennung: Mängel bei der Anlage. Nach dem schweren Arbeitsunfall in einer Bauschuttdeponie in Purbach (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) hat das Arbeitsinspektorat Eisenstadt am Montagvormittag Erhebungen am Gelände der betroffenen Firma durchgeführt.

 |  NOEN, Landespolizeidirektion Burgenland
Bei dem Unfall war einem 37-jährigen Ungarn am Sonntag der rechte Unterarm abgetrennt worden.

"Es sind Sicherheitsmängel bei der Anlage festgestellt worden", so der stellvertretende Leiter des Arbeitsamtes, Andreas Drivodelits, auf Anfrage.

Seitens des Arbeitsinspektorates ergehe in weiterer Folge eine Sachverhaltsdarstellung nach Paragraf 78 StPO (regelt die Anzeigepflicht von Behörden, Anm.) an die Staatsanwaltschaft sowie eine Anzeige nach Paragraf 9 Arbeitsinspektionsgesetz an die Bezirksverwaltungsbehörde. Am Dienstag sollen noch weitere Erhebungen im Betrieb durchgeführt werden. Dabei will man sich unter anderem auch die Betriebsanleitung der Anlage ansehen.

Ungar will nach Operation "schnell nach Hause“

"Ich will möglichst schnell wieder nach Hause.“ So kommentierte am Montag der 37-jährige Ungar Tibor A. im Wiener AKH seinen Zustand, nachdem ihm Samstagabend in einer sechsstündigen Operation der bei einem Arbeitsunfall in einer Sandgrube in Purbach im Burgenland abgetrennte rechte Arm wieder angenäht worden war. Er und der Plastische Chirurg Oskar Aßmann schilderten am frühen Nachmittag die fast unglaubliche Geschichte des Ungarn, der mit der abgetrennten Hand fast 20 Kilometer selbst ins Spital nach Eisenstadt gefahren war.

„Der Patient aus Ungarn hat in einer Sandgrube gearbeitet. Ein großer Stein hat die Anlage blockiert. Er hat ihn auch mit einer Eisenstange entfernten können. Da ist er mit dem rechten Arm in dieses (Förder-)Band hineingeraten. Der Arm wurde ihm im Ellbogen von Metalllamellen abgetrennt, die Nerven aus dem Plexus (Nervengeflecht in Schulterhöhe, welche den Arm versorgt, Anm.) ausgerissen“, schilderte der Plastische Chirurg, der sich seit Jahren – weltweit wissenschaftlich an vorderster Front – mit der Entwicklung von bionischen „denkenden“ Armprothesen beschäftigt.

„Schmerzen habe ich keine gehabt“, schilderte wiederum Tibor A., Arbeiter aus einem ungarischen Dorf etwa 15 Kilometer von Nickelsdorf im Burgenland in seinem Krankenbett auf der Intensivstation im Wiener AKH, die erste Zeit nach dem Unfall.

Fast unglaublich, wie Aßmann schilderte: „Der abgetrennte Unterarm ist in die Sandgrube gefallen. Der Patient ist zum Auto gelaufen und wollte wegfahren. Da ist ihm eingefallen dass er den Arm noch holen sollte. Das hat er getan, hat sich gedacht, dass dieser im Kofferraum kühler aufbewahrt wäre, hat ihn hineingelegt, und sich ans Steuer gesetzt. Er hat auch noch zwei Liter Wasser getrunken. (...) Ich glaube, er war in so einem Schockzustand, dass er einfach richtig reagierte.“ Das hätte dem Mann wahrscheinlich das Leben gerettet.