Erstellt am 04. Februar 2015, 08:58

von Nina Sorger

Was bleibt, ist Betrug. 2012 platzte Mörbischs Schöllkraut-Traum. Ukrain-Hersteller nun wegen „abgelaufener Medikamente“ vor Gericht.

Unbebaut. Jene Grundstücke, die die Pharmafirma 2009 zum Schöllkraut-Anbau aufkaufte, liegen heute brach. Foto: Sorger  |  NOEN, Sorger
Vergangene Woche stand der Besitzer jener Pharmafirma, die 2009 Gründe in Mörbisch aufgekauft hatte, um dort Schöllkraut für ihr Krebsmittel Ukrain anzubauen, wegen „schweren gewerbsmäßigen Betruges“ vor dem Landesgericht Wien.

Alte Ampullen einfach umetikettiert

x  |  NOEN, Sorger
Er war 2012 verhaftet worden, stand im Verdacht, jenes Ukrain – ein Präparat aus Schöllkrautextrakt, das im EU-Raum nicht zugelassen ist – als „Allheilmittel gegen alle möglichen Krebsarten vertrieben zu haben“, hieß es vom Bundeskriminalamt, wo man damals „von mehreren Hundert Geschädigten in Österreich“ sprach.

Im Rahmen von insgesamt 26 Hausdurchsuchungen wurden damals Ampullen des vermeintlichen Krebsmittels beschlagnahmt.

Nun wird vor Gericht aber weniger die Wirksamkeit als vielmehr der Verkauf jenes Mittels verhandelt, denn laut Anklage durch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft soll der Unternehmer nach der Beschlagnahmung der frischen Ampullen alte, teilweise seit Jahren abgelaufene Ampullen einfach umetikettiert und das Haltbarkeitsdatum auf 2015 bzw. 2016 erstreckt haben.

Laut Staatsanwalt habe der Angeklagte durch den Verkauf von rund 17.400 Ampullen einen Erlös von 1,1 Millionen Euro erzielt.

Schöllkraut-Seifenblase längst Geschichte

x  |  NOEN, Sorger
Der Verteidiger des gebürtigen Ukrainers, Adrian Hollaender erklärte: „Das sind alkaloide Salze. Und Salze verderben nicht.“

Der Prozess wurde auf 4. und 5. März vertagt, wo laut Thomas Spreitzer vom Landesgericht Wien erneut Zeugen vernommen werden sollen.

In Mörbisch ist die Schöllkraut-Seifenblase längst Geschichte. Von der Möglichkeit, die damals an die Pharmafirma verkauften Gründe zurückzuerwerben, wenn nichts angebaut wird, hat laut Gemeinde keiner der Eigentümer, die damals ihre Felder für einen Euro pro Quadratmeter verkauften, Gebrauch gemacht.