Erstellt am 30. April 2014, 08:49

von Nina Sorger und Pia Reiter

Werner bald in Neusiedl?. St. Margarethen| Nach Vertragskündigung der Opernfestspiele durch Esterházy hoffen St. Margarethener auf Weiterführung. Wolfgang Werner soll Veranstaltungsserie in Neusiedl planen.

Vorjahr. Bei der Präsentation von »Don Giovani« waren sich Stefan Ottrubay und Intendant Wolfgang Werner noch einig. Foto: Werner Müllner  |  NOEN, Werner Müllner
Nach 18 Jahren haben die Esterházy Betriebe Opernfestspiel-Intendant Wolfgang Werner den Vertrag gekündigt. „Aus mehreren Gründen und gemäß der geltenden Vereinbarung mit den Opernfestspielen hat sich Esterházy entschieden, ab 2015 die Opernproduktion an einen neuen Veranstalter zu übertragen. Sehr wahrscheinlich wird die nächste Produktion 2015 ,Tosca‘ von Puccini sein“, heißt es in einer Aussendung (siehe „Das Ende einer Kultur-Ehe“ unten).

Bühnenbildner kann latente Kritik nicht nachvollziehen

Als weiteren Grund für die Neuausrichtung geben die Esterházy Betriebe an: „...nur ein großes Bühnenbild ist für die neuen Publikumsschichten, die man in Zukunft gewinnen muss, nicht ausreichend.“ Diese latente Kritik an ihm kann Bühnenbildner Manfred Waba nicht nachvollziehen: „Die DVD der ,Zauberflöte‘ erreicht dieser Tage den Platin-Status mit 10.000 verkauften Exemplaren. Das zeigt, dass wir nicht so unerfolgreich waren.

Im Festspielort ist man überrascht aber der Grundtenor lautet: „Wenn nicht Werner, dann ein anderer“, wie Tourismus-Obmann Ewald Gabriel meint: „Für uns als Gastronomiebetriebe ist es wichtig, dass der Steinbruch weiter bespielt wird.“

Nicht sicher ist sich Gabriel allerdings über das weitere Mitwirken der St. Margarethener Winzer beim Catering, die seit Beginn den Festspielwein kredenzten. „Als Esterházy 2011 ,Don Giovanni‘ veranstaltet hat, hat es sich abgezeichnet, dass Esterházy lieber seine eigenen Weine ausschenkt. Die St. Margarethener waren sehr zurückgedrängt.“

„Was 2012 und 2013 betrifft: Das sind laufende Verfahren“

St. Margarethens Bürgermeister Eduard Scheuhammer erklärte, er habe „bis dato keine offizielle Mitteilung erhalten“. Für die Gemeinde ist vor allem der finanzielle Aspekt von Bedeutung – die Opernfestspiele zahlen Lustbarkeitsabgabe: „Ich hoffe, dass weitergespielt wird, denn: keine Veranstaltungen, keine Einnahmen.“

Just die Lustbarkeitsabgabe der vergangenen beiden Jahre ist es, die zuletzt für Unstimmigkeiten zwischen Oper und Gemeinde gesorgt hatte (die BVZ berichtete). Scheuhammer dazu: „Die Opernfestspiele haben immer bezahlt. Was 2012 und 2013 betrifft: Das sind laufende Verfahren.“

Neusiedler Stadtchef: „Anfrage von Werner“

Obwohl Wolfgang Werner weiter um seinen Platz im Steinbruch kämpfen will, hat er indes seine Fühler nach Neusiedl ausgestreckt. Neusiedls Bürgermeister Kurt Lentsch (ÖVP) berichtete am Montag in der Gemeinderatssitzung: „Werner war bei mir und hat gefragt, ob es möglich wäre, am See eine Serie an Veranstaltungen zu machen.“

Laut Lentsch ist das direkt am See und in der Badesaison nicht möglich, da der Platz zu klein ist. Aber: „Ich habe Wolfgang Werner die Wiese neben dem Hallenbad gezeigt. Von der war er aber anfangs nicht sehr begeistert“, sagt Lentsch.

Das habe sich geändert, als Bühnenbilder Manfred Waba das Areal besichtigt habe. „Die Zuschauertribüne könnte sich dieser auf dem Festland vorstellen und die Bühne, ein Provisorium, könnte teilweise ins Wasser ragen“, so der Neusiedler Stadtchef.

Dazu habe es bereits Vorgespräche mit Naturschutzbehörde und Wasserschutz gegeben. Hier gebe es von den zuständigen Stellen, darunter auch Umweltanwalt Hermann Frühstück ein grundsätzliches Ja.
Allein Wolfgang Werner hält sich dazu noch bedeckt (siehe unten).


Das Ende einer Kultur-Ehe

Opernfestspiele | Esterházy will sich von Intendant Wolfgang Werner trennen – jetzt werden hinter den Kulissen neue Gespräche geführt. Werner arbeitet indes bereits an neuen Ideen.

Von Wolfgang Millendorfer

Dass es zwischen Opernfestspiele-Intendanten Wolfgang Werner und Steinbruch-Besitzer Esterházy Auffassungsunterschiede gab, war in der Kulturszene kein Geheimnis.

Die Auflösung des Vertrags kam dennoch einigermaßen überraschend (siehe Kasten unten). Ob es vielleicht doch noch „eine Lösung für alle Beteiligten“ geben könnte, wird sich bei den derzeit laufenden Gesprächen zeigen.
Werner jedenfalls pocht auf die Einhaltung seines Vertrages, der eigentlich bis 2016 laufen hätte sollen.

„Möchte nach wie vor eine positive Lösung“

Vor Gericht gehen will er damit aber (noch) nicht, verrät Werner im Gespräch mit der BVZ: „Ich habe mich immer an Verträge gehalten und möchte nach wie vor eine positive Lösung.“ Sein Lebenswerk verteidigt Werner vehement: „Ich habe die Opernfestspiele im Steinbruch gegründet und zu einem Welterfolg gemacht.“

 
x  |  NOEN, Hafner
Dass sich die Zeiten geändert hätten, sieht wiederum Esterházy als Anlass für die Kündigung des Vertrages: „Der Publikumsgeschmack ist heute ein anderer“, so Esterházy-Direktor Karl Wessely. „Es reicht nicht mehr, nur ein großes Bühnenbild zu haben – man muss mehrere emotionale Kanäle bedienen.“

Neuer Intendant – und neues Festival am See?

Und das möchten die Esterházy-Betriebe ab 2015 mit einem neuen Betreiber – und auch mit einem neuen Intendanten – versuchen. Wessely will zunächst aber ebenfalls die Gespräche mit Werner abwarten.

Der Noch-Intendant hat inzwischen ebenfalls eine neue Idee in der Hinterhand: In Neusiedl am See hat sich Wolfgang Werner nach einem möglichen Festival-Schauplatz umgesehen; das sei auch seine Aufgabe als Kulturschaffender, meint er. Derzeit gebe es aber „noch nichts Konkretes“.

Angespannt bleibt die Beziehung zwischen Esterházy und dem Land: Kulturlandesrat Helmut Bieler befürchtet, die Fortführung der „Erfolgsgeschichte“ Opernfestspiele könnte schwierig werden.
 

Streit um die Oper

  • In der Vorwoche gaben die Esterházy-Betriebe bekannt, sich von Intendant Wolfgang Werner zu trennen und 2015 mit einem neuen Team im Römersteinbruch St. Margarethen die Oper „Tosca“ auf die Bühne bringen zu wollen. Werner, dessen Vertrag noch bis 2016 läuft, plant indes fix die Aufführung des „Troubadour“.

  • Als Gründe für die Auflösung des Vertrages nennt Esterházy „deutliche Zuschauerverluste“ und eine „Änderung des Publikumgeschmacks“. Wolfgang Werner verweist auf den Status der Opernfestspiele als Kulturdestination und rechnet mit einem Plus bei den Kartenverkäufen.

  • Zugleich stellt Esterházy für die diesjährige „Aida“-Inszenierung zusätzliche 250.000 Euro zur Verfügung. Aufgrund „finanzieller Probleme“ will auch das Land eine einmalige Sonderförderung ausschütten.