Erstellt am 12. August 2015, 11:21

von NÖN Redaktion

Wirte: Anzeigen nein, Kontrollen ja. BDGA fordert Fairness für die Gastronomie und zeigt die Festbetreiber an. Jetzt reden die Wirte.

Ausgetanzt. Während in den vergangenen Jahren noch fast jedes Wochenende auf einem Jugendfest getanzt wurde, wurden zahlreiche Events heuer nach oder schon vor einer Anzeige abgesagt. Foto: Nina Sorger  |  NOEN, Nina Sorger

Am vergangenen Wochenende feierte die Jugend des Bezirks wieder, denn während die Red Summer Night in Oggau bereits vorsorglich abgesagt worden war, ging das Open Chairity in Eisenstadt trotz einer Anzeige des „Bündnisses der Gastronomen Österreichs“ (BDGA;

) über die Bühne – auch wenn an die Besucherrekorde vergangener Jahre bei weitem nicht angeknüpft werden konnte.

Jaitz: BDGA-Anzeigen „grundsätzlich schlecht“

Ein Faktor dafür dürfte der mit 20 Euro angegebene sehr hohe Eintrittspreis sein. Die Versorgung der Partywütigen hatten mit Stefan Jaitz und Michal Rabina auch zwei Gastronomen übernommen – also Mitglieder jener Berufsgruppe, deren Interessen das BDGA laut Obmann Manfred Mader gegenüber der so genannten Paragastronomie schützen will.

Jaitz ist allerdings nicht ganz der Meinung des Bündnisses und findet „die Anzeigen grundsätzlich schlecht“.

x  |  NOEN, Bettina Eder

Hört man sich bei den Wirten des Bezirks um, ergibt sich ebenfalls ein durchwachsenes Bild – von Verständnis für die Beweggründe des Bündnisses bis zur Angst um den Weiterbestand des Vereinslebens.

„Organisation gehört mehr reguliert und kontrolliert“

Christian Leeb, Wirt aus Schützen, meint etwa: „Wenn die Leute drei Wochen hintereinander auf ein Festl gehen, gehen sie dann in der vierten Woche auch nicht zum Wirt. Ich finde allerdings, dass die Organisation bei solchen Festen weitaus mehr reguliert und kontrolliert gehört. Sie müssen ihre Gewinne auch nicht versteuern, ganz im Gegensatz zu uns Gastronomen. Das ist nicht fair!“



Imbissbetreiber Josef Scharaditsch aus St. Margarethen ist der Ansicht: „Diese Anzeigen bringen nichts, sondern ruinieren nur das Dorfleben – vor allem weil viele Vereine, bei denen vielleicht eh alles in Ordnung wäre, ihre Feste schon von vornherein abblasen und sich keiner mehr etwas machen traut.“ Würde er seine Konzession für ein großes Fest hergeben? „Ich unterstütze gerne Benefiz-Events, aber meine Konzession und damit meinen Namen für so ein großes Event herzugeben, wäre mir zu riskant.“

„Sie spenden 1.000 Euro irgendwohin und
mit dem Rest fahren sie auf Ausflüge“,
kritisiert Franz Perner von der Sparte
Tourismus und Freizeitwirtschaft scharf.

Eine Wirtin aus dem Bezirk kann hingegen die Vorgehensweise des BDGA verstehen: „Meine Stammgäste sind alle zu Vereinen gegangen. Ich sehe diese ganzen Absagen also ziemlich positiv. Diese Veranstaltungen gehören einfach mehr kontrolliert! Wir Gastronomen müssen alle allergenen Stoffe in unseren Speisen anschreiben, Vereine nicht. Abgesehen davon ist das alles schon viel zu überlaufen, da hat doch keiner mehr einen Überblick. Selbst die Jugend gehört mehr kontrolliert. Mich würde es nicht wundern, wenn Drogen auf solchen Veranstaltungen die Runde machen.“

Franz Perner, Spartenchef für Tourismus und Freizeitwirtschaft, findet härtere Worte: „Es geht nicht um die gemeinnützigen Vereine oder die Klassischen. Es geht um jene, die diese Situation ausnutzen. Und alle, die da am lautesten schreien, egal ob Junge ÖVP oder andere, die wissen seit zehn Jahren, dass sie nicht gemeinnützig sind. Und die können erzählen, was sie wollen, sie sagen nur die halbe Wahrheit. Sie spenden 1.000 Euro irgendwohin, sie fahren aber mit dem restlichen Geld auf ihre Ausflüge.“

Mehr dazu auch auf Seite 13 der dieswöchigen Eisenstädter BVZ!

Auch die Oberwarter BVZ berichtet zum Thema:


Die Chronologie der Anzeigen

September 2014:

  • Die Nightpool Party der JVP Eisenstadt wird nach einer Anzeige des BDGA abgesagt.

  • Die JVP Großhöflein sagt ihre Sturmparty ab, um möglichen Anzeigen zuvor zu kommen.

November 2014:
Nach einer anonymen Anzeige, von der sich das „Bündnis der Gastronomie Österreichs“ allerdings distanziert, muss die JVP Hornstein ihre Halloween-Party absagen.

Juni 2015:

  • Das Summer Take Off der JVP St. Margarethen wird vom BDGA angezeigt und abgesagt.

  • Die Weinkost des SV Wulkaprodersdorf wird vom BDGA angezeigt. Das Fest findet trotzdem statt.

  • Das Bündnis zeigt den Verein „Freunde des Kirschencocktails“, der statt der JVP Veranstalter ist, an, dennoch findet der Donnerskirchner Kirschencocktail statt.

Juli 2015:

  • Die Beachparty des Jugendvereins Schützen, der statt der JVP als Veranstalter fungiert, wird trotz Anzeige des BDGA abgehalten.

  • Das Dorffest der ÖVP St. Margarethen wird abgesagt, um einer Anzeige vorzubeugen.

August 2015:

  • Das Summerside des Jugendclubs Purbach findet trotz Anzeige des BDGA statt.

  • Die Red Summernight der SJ Oggau wird abgesagt, um einer Anzeige vorzubeugen.

  • Trotz Anzeige geht das OpenChairity der JVP Bezirk Eisenstadt über die Bühne.