Erstellt am 11. September 2014, 07:02

von Werner Müllner

Zsifkovics bei Esterházy-Begräbnis: "Dank der Kirche". Fürstin Melinda Esterházy wird heute Freitag in der Franziskanerkirche beigesetzt. Für den Trauerzug werden Straßen gesperrt. Bischof Zsifkovics sprach beim Requiem den "Dank der Kirche" aus.

Am Freitag stand Eisenstadt still - und ganz im Zeichen des Begräbnisses von Fürstin Melinda Esterházy.  |  NOEN, Werner Müllner
Seit 9.30 Uhr besteht die Möglichkeit der persönlichen Verabschiedung und des Eintrags in das Kondolenzbuch. Für die BVZ waren Werner Müllner, Wolfgang Millendorfer und Bettina Eder vor Ort. Mehr zu der ergreifenden Feier gibt es am kommenden Mittwoch in der BVZ.  

Einen Livestream vom Begräbnis gibt es unter: http://video.a1.net/streamplayer/vss/esterhazy_live.html



Bischof spricht Fürstin "Dank der Kirche" aus

Bischof Ägidius Zsifkovics betonte in seiner Ansprache, am Sarg der letzten Fürstin Esterházy seien die Trauernden nicht nur Zeugen des Endes eines persönlichen Lebensweges, „sondern auch des Endes von drei Jahrhunderten Fürstentum in dieser unserer geliebten pannonischen Heimat" geworden.

Zum Trauergottesdienst ertönte das Requiem in c-Moll von Michael Haydn. Weiters wurden Lieder aus der berühmten „Harmonia Caelestis“ vom ersten Fürsten Paul I. Esterházy (1635 - 1713) gesungen. Diese gilt als das erste bedeutende Barockwerk der ungarischen Musikgeschichte.

Beim Requiem sprach der Bischof der verstorbenen Fürstin ein "Danke der Kirche" aus. Ihre eiserne Disziplin und ihr umsichtiges Wirken hätten sie nach dem Tod ihres Gatten Paul Esterhazy 1989 "zu einer der bedeutendsten Förderinnen der kulturellen Entwicklung des Burgenlandes und des gesamten pannonischen Raumes gemacht", sagte Zsifkovics in seiner Predigt im Eisenstädter Martinsdom.

Das hohe kulturelle und künstlerische Erbe der Esterhazys habe die frühere Balletttänzerin "als Fürstin weitergetragen auf dem Parkett der burgenländischen Zeitgeschichte". Der Bischof verwies auf die von der Verstorbenen eingerichteten Privatstiftungen, die dieses Erbe der Nachwelt erhielten.

Verbundenheit mit der Kirche besonders hervorgestrichen

Besonders strich Bischof Zsifkovics die Verbundenheit Melinda Esterhazys und ihrer Familie mit der der Kirche hervor. Sie selbst sei allen seinen Vorgängern "persönlich eng verbunden" gewesen, und "die von ihr repräsentierte Dynastie hat über Jahrhunderte mit der Schaffung bedeutender geistlicher Zentren und als Patronatsherren dem Land die christliche Seele erhalten".

Der Bischof bezeichnete es als "Seelenadel der Esterhazys", Gott und nicht die eigene Macht und Größe zum Maß aller Dinge zu erheben. Bereits Paul I. (1635-1713), der Begründer der Fürstendynastie, sei ein zutiefst gläubiger und frommer Katholik gewesen. Mit der von ihm selbst komponierten "Harmonia Caelestis" sei er musikalisch beim Trauergottesdienst präsent, "es führt ein roter Faden direkt von ihm durch drei Jahrhunderte hindurch hierher in diesen Dom", so Bischof Zsifkovics.

Übergabe in die Familiengruft "auch das Ende einer Ära"

Am Sarg der letzten Fürstin Esterhazy seien die Trauernden Zeugen nicht nur des Endes eines persönlichen Lebensweges, "sondern auch des Endes von drei Jahrhunderten Fürstentum in dieser unserer geliebten pannonischen Heimat".

Die Übergabe der sterblichen Überreste Melindas in der Familiengruft der Esterhazys im Eisenstädter Franziskanerkloster sei "auch das Ende einer Ära", so Zsifkovics. "Unser Danke an Melinda, die letzte Fürstin, ist gleichzeitig unser Danke an die ganze Fürstendynastie, die mit ihr zu Ende geht."

Melinda sei Teil einer Familie gewesen, "der es über Jahrhunderte bestimmt war, die Geschichte Pannoniens zu prägen wie keine zweite" und diesen Teil Mitteleuropas "und mit ihm das österreichische Kaiserreich so zu schützen wie keine zweite".

Alle Infos zu den Straßensperren am Freitag finden Sie hier:

Mehr zum Ableben der Fürstin:




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Beisetzung im engsten Familienkreis

Das anschließende Kondukt führt die Trauernden in Eisenstadt über die Pfarrgasse zum Schloss und zur Franziskanerkirche.

x  |  NOEN, BVZ
Damals. 1989 wurde Fürst Paul in Zürich bestattet, später nach Eisenstadt überführt. Nun wird seine geliebte Gattin die letzte Ruhe neben ihm finden.
Während des Trauerzuges spielt zu Ehren der letzten Fürstin aus dem Haus Esterházy die Militärmusik und die große Marienglocke von 1692 – die größte historische Glocke Österreichs – wird geläutet. Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis unter dem Beistand von Altbischof Paul Iby in der Familiengruft statt.

Innenstadt der Landeshauptstadt gesperrt

Für den Kondukt wird so gut wie die gesamte Innenstadt der Landeshauptstadt gesperrt sein. Die Polizei rechnet mit schweren Verkehrsbehinderungen in der Zeit von 9 bis 17 Uhr in Eisenstadt. „Von 12 bis 16 Uhr wird die Innenstadt Eisenstadt mehr oder weniger komplett zu sein“, ist sich Stadtpolizeikommandant Oberst Friedrich Tinhof sicher.

Vonseiten der Polizei appelliert man an die Vernunft der Autofahrer und bittet gleichzeitig um Verständnis für die Behinderungen. Das Porträt „Melinda Esterházy, Geschichte einer Liebe“ gibt es am Freitag um 18.30 Uhr auf ORF 2.

Die Sperren:

  • Der Busbahnhof wird zwischen 9 und 16 Uhr in die St. Rochus-Straße (Busse) bzw. in die St. Martin-Straße (Taxis) verlegt. Ab 6 Uhr gilt in der St. Rochus-Straße, der St. Antoni-Straße bis zur Bahnstraße ein Parkverbot.

  • Von 10 bis 16 Uhr gilt hinter den Esterházy-Stallungen ein Halte- und Parkverbot.

  • Von 12 bis 16 Uhr ist in der St. Martin-Straße, der Pfarrgasse, am Domplatz, der Joseph Haydn-Gasse, dem Esterházyplatz und der Ignaz Semmelweis-Gasse Fahrverbot.