Erstellt am 20. September 2010, 11:00

Alles indisch. RAJASTHAN / Das „Goldene Dreieck“ Delhi - Agra - Jaipur und ein Ausflug zu den letzten Tigern Indiens.

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VON WOLFGANG TROPF

„In Indien – alles indisch“, sagt Reiseleiter Hari, als er uns auf dem Flughafen in Dehli begrüßt. Keine große Neuigkeit, denken wir zunächst, doch am Ende unserer Reise durch das berühmte „Goldene Dreieck“ der Städte Dehli, Agra und Jaipur werden wir wissen, dass sich Indien gar nicht anders erklären lässt.
„Indisch“ ist zum Beispiel der Straßenverkehr in der 15-Millionen-Metropole Dehli mit ihren fünf Millionen Fahrzeugen: Regeln gibt es nicht, Verkehrszeichen werden nicht einmal ignoriert, Sperrlinien eher als Ausdruck künstlerischer Begabung betrachtet. Eine möglichst laute Hupe ist daher der wichtigste Teil des Autos. „Hupe kaputt – Auto kaputt“, sagt Hari.

Auch die Autobahnen in Indien sind „indisch“, wie sich auf der Fahrt nach Jaipur zeigt. „Wir sind die größte Demokratie der Welt, bei uns kann jeder die Autobahn benutzen“, erklärt Hari, während sich unser Bus mühsam seinen Weg zwischen Fußgängern, Radfahrern, Mopeds und Kühen bahnt und unsere Bewunderung für den Fahrer von Minute zu Minute wächst.
Einmal ist es sogar eine Kamel-Karawane, die gemütlich auf der Überholspur dahinzieht, und wiederholt kommen uns Traktoren ungerührt als Geisterfahrer entgegen. Am Ende brauchen wir mehr als sechs Stunden für 300 Kilometer Autobahn. Hari ist dennoch zufrieden.

Die „rosarote Stadt“ und ein „indisches“ Gesetz
Mit 2,3 Millionen Einwohnern ist Jaipur eher eine indische Kleinstadt. „Rosarote Stadt“ wird sie genannt, weil im Jahr 1853 vor dem Besuch von Prinz Albert von England alle Gebäude einen rosaroten Anstrich erhielten – die traditionelle Farbe der Gastfreundschaft in Rajasthan.
Laut Gesetz muss diese Farbe auch heute noch verwendet werden, wenn eines der kunstvoll verzierten Häuser in der Altstadt frisch gestrichen wird. Aber es ist ein „indisches“ Gesetz, wie Hari betont: „Manche Hausbesitzer finden eben eine andere Farbe passender.“

Grenzenlose Armut und maßloser Reichtum, grandiose kulturelle Schätze und allgegenwärtiger Dreck, wundervolle Gerüche und erbärmlicher Gestank: Auch das ist „indisch“, und wie in allen anderen Städten sind diese Gegensätze auch in Jaipur so eng miteinander verknüpft, dass sie kein noch so gezieltes Wegschauen trennen kann.
Wenn der Tourist ertragen will, was er sehen darf und muss, benötigt er einen guten Schutzmantel für die Seele – ob er das Ganze nun aus der bequemen Sicherheit des Busses bestaunt oder als verlockender „Bankomat auf Füßen“ mittendrin steht, umringt von Kindern, Bettlern und unendlich aufdringlichen Straßenhändlern.

Hari ist schon froh, wenn keine Diebe in der Menge arbeiten, und empfiehlt ansonsten die „indische“ Lösung. Doch diese Mischung aus Gelassenheit, Gleichgültigkeit und Rücksichtslosigkeit lässt sich leicht spielen, aber nur schwer leben...
Das Wahrzeichen von Jaipur ist der „Palast der Winde“ – oder genauer gesagt: seine fünfstöckige, mit 971 Fenstern und Erkern verzierte Fassade. Ein Maharaja ließ sie 1799 für seine Haremsdamen bauen, die so das bunte Treiben auf den Straßen beobachten konnten, ohne selbst gesehen zu werden.

Mit bunten Elefanten geht es hinauf zum Fort Amber
Sieben Jahrhunderte lang logierten die Herrscher von Jaipur in Fort Amber, etwa zehn Kilometer weiter nördlich. Ihre gewaltige Festung thront bis heute unversehrt auf einem Bergrücken über einem engen Tal – umgeben von mächtigen Mauern, die mehrere prunkvolle Paläste mit herrlichen Malereien, Spiegel- und Intarsienarbeiten beschützen.
Wie die Maharajas im 16. Jahrhundert werden auch die Touristen auf den Rücken von bunt bemalten Elefanten in gemächlichem Tempo über den steilen Weg hinauf zum Fort geschaukelt. Ein einzigartiges, fast archaisches Schauspiel!
Auf dem 200 Kilometer langen Weg nach Agra, dem letzten Eckpunkt des „Goldenen Dreiecks“, unternehmen wir einen Abstecher in den Ranthambore Nationalpark, wo man die vom Aussterben bedrohten Tiger Indiens noch in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten kann.

Rein statistisch, so wird uns erzählt, benötigt man drei Safaris, um auf dem 400 Quadratkilometer großen Areal eines der majestätischen Raubtiere zu sehen – und tatsächlich sehen wir auf unserer Safari drei Stunden lang nur Rehe, Hirschen, Affen und Pfaue in einer hügeligen Landschaft mit Wäldern und Wiesen.
Doch dann, als bereits die Dämmerung hereinbricht, ist der Tiger plötzlich da: Ohne unseren Jeep auch nur eines Blickes zu würdigen, erhebt er sich von einem Wasserloch, überquert nur zwei Meter vor uns den Weg und verschwindet langsamen Schrittes im Wald. „Er war schon satt. Ihr habt Glück gehabt“, schmunzelt Hari.
Agra ist selbst für „indische“ Verhältnisse eine außergewöhnlich schmutzige und staubige Stadt – und doch steht ausgerechnet hier mit dem Taj Mahal eines der schönsten Bauwerke der Welt, in dem pro Tag bis zu 50.000 Besucher gezählt werden.

Taj Mahal: „Eine Träne auf der Wange der Zeit“
Der tief trauernde Großmogul Shah Jahan ließ das Grabmal zum Gedenken an seine Hauptfrau Mumtaz Mahal errichten, die 1631 mit nur 38 Jahren bei der Geburt ihres 14. Kindes gestorben war. 1658 wurde er von seinem Sohn entmachtet und verbrachte die restlichen acht Jahre seines Lebens als Gefangener im „Roten Fort“ von Agra.
Wer heute die gewaltige, von einer 21 Meter hohen und 2,4 Kilometer langen Mauer aus rotem Sandstein umgebene Festungs- und Palastanlage besichtigt, gelangt auch in die Räume, von denen der eingesperrte Großmogul jeden Tag stundenlang mit Tränen in den Augen auf den nur 2,5 Kilometer entfernten Taj Mahal geblickt haben soll.

Für den Besuch des Grabmals selbst, in dem Shah Jahan neben seiner geliebten Frau beigesetzt wurde, empfehlen sich die frühen Stunden des Tages: Wenn die ersten Sonnenstrahlen zaghaft durch den Morgennebel dringen, scheint diese traurige Liebeserklärung aus weißem Marmor über den spiegelnden Wasserflächen der weitläufigen Gartenanlage zu schweben. Eine „Träne auf der Wange der Zeit“, wie Rabindranath Tagore das absolut vollkommene Bauwerk in einem seiner Gedichte nannte – so bezaubernd und sagenhaft schön wie erträumt.
Und der Zauber zeigt auch Wirkung: Nirgendwo auf unserer Reise ging es so ruhig, ja fast andächtig still zu wie vor dem Taj Mahal. Selbst Hari fand da nichts, was auch nur ein wenig „indisch“ gewesen wäre.



THEMA: INDIEN
• Anreise: Austrian Airlines fliegt täglich (außer Montag) nonstop von Wien nach Dehli (www.aua.com). Die Flugzeit beträgt ca. 7,5 Stunden. Für die Einreise ist ein Visum notwendig, das vom Reiseveranstalter bei der indischen Botschaft in Wien besorgt wird (ca. 90 Euro).
• Angebot: Beim langjährigen Indien-Spezialisten Raiffeisen Reisen (www.raiffeisen-reisen.at) ist die 8-tägige Nordindien-Rundreise „Unglaubliches Indien“ bereits um 1395 Euro buchbar.
• Termine: 19. bis 26. Februar 2011, 12. bis 19. März 2011 und 16. bis 23. April 2011.
• Route: Wien - Delhi - Agra - Fathepur Sikri - Karauli - Jaipur - Fort Amber - Delhi - Wien.
• Inkludierte Leistungen: Linienflug mit Austrian Airlines, Flughafen- und Sicherheitsgebühren, 6 Nächtigungen in sehr guten Mittelklasse-Hotels, Halbpension (Frühstück, 8 x Abendessen und 1 x Mittagessen), alle Eintrittsgebühren, Rikschafahrt in Jaipur, Kamelwagenfahrt in Karauli, Elefantenritt in Fort Amber, Reisehandbuch Indien.

LUXUS IN INDIEN
• Wer das „Goldene Dreieck“ Delhi - Jaipur - Agra bereist, kann in mittelmäßigen Hotels absteigen, in guten und in sehr guten – und er kann die Vila Hotels der indischen Oberoi-Gruppe in Delhi, Jaipur, Agra und Ranthambore wählen, die den Luxus der Maharajas mit dem Flair der britischen Kolonialzeit verbinden und selbst Sehenswürdigkeiten ersten Ranges sind.
• Das Hotel Amarvilas in Agra und das Hotel Udaivillas in Udaipur sind ehemalige Paläste, das Hotel Rajvilas in Jaipur wurde in einer alten Festung eingerichtet, und im Hotel Vanyavilas in Ranthambore logiert man am Rande des Nationalparks in riesigen Zelten, die wie luxuriöse Zimmer eingerichtet sind.
• Raiffeisen Reisen stellt auf Wunsch gerne eine Individualreise mit Nächtigungen in den Vila Hotels in Dehli, Agra, Jaipur und Ranthambore samt privatem Pkw und Fahrer zusammen. Nähere Infos gibt‘s in jedem guten Reisebüro.