Erstellt am 26. August 2012, 20:24

Auf den Spuren von St. Patrick. IRLAND & NORDIRLAND / Idyllische Landschaften, saftiges Grün, vielen Mythen und Geschichten laden zum Erkunden der Insel ein, die eigenständige Republik und auch ein Teil des britischen Königreichs ist.

 |  NOEN
VON BEATE RIEDL
 
„Willkommen in Nordirland“, kurz und knapp begrüßt uns Reiseleiterin Petra auf der Fahrt von Dublin, der Hauptstadt der Republik Irland, in Richtung Belfast, der Hauptstadt Nordirlands. Einen offiziellen Grenzübergang gibt es nicht – es ändern sich die Farben der Straßenmarkierungen, die Ortsschilder sind nicht mehr in Englisch, sondern in Gälisch und Englisch beschriftet, es wird nicht mehr in Stundenkilometern gemessen, sondern in Meilen pro Stunde und auch die Nummernschilder auf den Autos unterscheiden sich von denen in der Republik Irland.
 
Gleich über der Grenze begeben wir uns auf die Spuren des Heiligen Patrick, dem Nationalheiligen Irlands. Er wird am 17. März auf der ganzen Welt groß gefeiert. Patrick war es, der im fünften Jahrhundert den heidnischen Iren den christlichen Glauben brachte. In Armagh
erinnern zwei Kathedralen an den Missionar, die St. Patrick’s Cathedral (Church of Ireland) und die katholische St. Patrick’s Kathedrale – beide überragen auf gegenüberliegenden Hügeln die Stadt, die einst von Patrick gegründet wurde und heute religiöses sowie spirituelles Zentrum
Irlands ist.
 
Ausstellung rund um Irlands Nationalheiligen
Weiter geht es nach Downpatrick, wo Patrick in der Nähe der Down Cathedral begraben sein soll. Ein großer Stein am angrenzenden Friedhof erinnert an ihn. Im St. Patrick Centre erfahren die Besucher in einer interaktiven Ausstellung alles rund um den Nationalheiligen. Der Legende nach wurde er in Wales geboren, Iren sollen ihn als Sklaven in ihr Heimatland verschleppt haben, wo er Schafe hüten musste. Trost soll er im Christentum gefunden haben. Schließlich gelang ihm die Flucht und er soll zum Priester ausgebildet worden sein, zurück in Irland soll er den Iren den christlichen Glauben vermittelt haben. „Dabei wurde die Insel sogar von Schlangen befreit“, erzählt Petra. Doch nicht nur das, er gründete Kirchen, Schulen und Klöster, bis zu seinem Tod am 17. März 461, dem heutigen Nationalfeiertag. Auf den Spuren von St. Patrick kommen wir auch bei der Saul Church und den Struell Wells (Heiligen Quellen) vorbei. „Am heutigen Standort der Kirche soll Patrick eine Scheune geschenkt bekommen haben, in der er seine erste Predigt hielt“, erzählt die Reiseleiterin über die Legenden des Heiligen.
 
„Mount Stewart“ – zurück ins 18. Jahrhundert
Genug von Patrick, die Republik Irland und Nordirland haben wesentlich mehr zu bieten. Im „Mount Stewart House & Gardens“ in Newtownards, einem klassizistischen Herrenhaus mit einer traumhaften Gartenanlage aus dem 18. Jahrhundert, werden die Besucher in frühere Zeiten versetzt. Im großen Saal des Hauses des National Trust ist ein Tisch gedeckt, an der Wand hängen Portraits bekannter Persönlichkeiten. „Rundherum stehen jene 22 Sessel, die beim Wiener Kongress in Wien 1815 verwendet wurden“, erzählt unser Guide, der durch das Haus führt. Sie erzählt auch die Geschichte von „Hambletonian“, eines der wichtigsten Werke des Pferdeportraitisten George Stubbs. Zu jeder Jahreszeit blühen Pflanzen, auch Palmen, im Garten und im Park, inmitten befindet sich ein See, Bänke laden zum Entspannen und Tierebeobachten ein.
 
Weiter geht es in die Hauptstadt Nordirlands: Belfast ist nicht durch die Titanic bekannt, sondern war lange Zeit Zentrum des Nordirlandkonfliktes. Viele Wandmalereien (Murals) in der Stadt erinnern daran, auch Konflikte und Themen der heutigen Zeit aus der ganzen Welt werden festgehalten. „Jede Malerei hat so viele Symbole, man entdeckt immer wieder Neues“, weiß Reiseleiterin Petra. Nicht fehlen darf auch ein Besuch im „Crowns“, dem ältesten Pub Nordirlands. In dem kultigen Lokal kann man es sich in „Snugs“ – kleinen abgetrennten Kabinen – gemütlich machen und ungestört in einer kleinen Runde ein paar Guiness oder Irish Whiskey genießen. „Irischen Whiskey schreibt man mit e, weil e für excellent steht“, klärt uns Busfahrer Drew auf.

Doch auch Dublin hat vieles zu bieten: Bei unserem Kurzbesuch lernen wir nicht nur das rege Treiben in der Innenstadt kennen, schlendern bei vielen einladenden Pubs vorbei, spazieren durch den Uni-Campus, erfahren, wo James Joyce und Oscar Wilde gelebt und gewirkt haben und schlendern durch St. Stephen’s Green, einem Park im Zentrum der Stadt. Besonderes Highlight in Irland ist „Newgrange“, ein jungsteinzeitliches Hügelgrab in der irischen Grafschaft Meath am Fluss Boyne. Es bettet sich in eine idyllische Landschaft mit saftigem Grün. Rund 20 Personen kommen gebückt durch den rund 20 Meter langen unterirdischen Gang in die kreuzförmige Grabkammer. Oberhalb des Eingangs befindet sich eine kleine zusätzliche Öffnung „Jedes Jahr zur Wintersonnenwende kommt dadurch Licht in die Grabkammer“, erzählt unser Guide. Damit niemandem dieses Schauspiel enthalten bleibt, wird die Sonne durch einen Lichtstrahl, Ausgewählte haben jedoch die Möglichkeit das Spektakel im Winter zu erleben.

 

Belfast und die Titanic

„Titanic Belfast“ zeigt die Geschichte des bekanntesten Schiffes der Welt.

Anfang 20. Jahrhundert: Auf den Straßen von Belfast herrscht reges Treiben, die Wirtschaft floriert – vor allem der Schiffsbau bringt viele Arbeitsplätze in den Norden Irlands. Dieser geht in die Geschichte ein, denn die damals weltmächtige Werft von Harland & Wolff baute zu dieser Zeit das größte Schiff der Welt, die Titanic, die bei ihrer Jungfernfahrt, im April 1912, sank, nachdem sie mit einem Eisberg kollidierte.
Auf dem ehemaligen Gelände von Harland & Wolff, das von den beiden Wahrzeichen der Stadt, den beiden Kränen „Samson“ und „Goliath“ überragt wird, erinnert heute ein gigantisches Gebäude, das „Titanic Belfast Centre“ mit einer interaktiven Ausstellung an die Zeit des Baues und der Tragödie. Genau 100 Jahre nach dem Unglück wurde es eröffnet.
 
Auf riesigen Leinwänden werden Filme gezeigt – man fühlt sich in die Jahrhundertwende zurückversetzt, Schautafeln beschreiben die Geschichte des Baues und des Unterganges des damals größten Schiffes.
Von Leinwänden umgeben fährt man wie mit einem Lift durch alle Stockwerke der Titanic, die Kabinen der Passagiere sind zu sehen, mit einer Gondel geht es rund um das Schiff, als es gebaut wurde, Geschichten der verstorbenen Passagiere und Pressemeldungen, die durch die ganze Welt gingen, sind zu lesen. Und in einem Kino können sich die Besucher in die Tiefen des Meeres zur Titanic begeben.
Vor dem Rathaus in Belfast erinnern eine Statue und eine Tafel mit den Namen aller verstorbenen Passagiere und Crewmitglieder an das Schiffsunglück vor 100 Jahren.