Erstellt am 29. Oktober 2013, 13:51

Das Elbflorenz. "Wann werde ich wieder in den paradiesischen Gefilden wandeln, wann werde ich Dresden wiedersehen?", sagte E.T.A. Hoffmann schon vor 200 Jahren.

Die Frauenkirche in Dresden.  |  NOEN, Thomas Wolff
Von Thomas Wolff

Dresden verzaubert seine Besucher seit jeher mit einer faszinierenden und spannenden Mischung aus Tradition und Moderne.
Bei einem Spaziergang durch die barocke Innenstadt mit der ehemaligen Residenz der sächsischen Kurfürsten und Könige und einem Blick auf die wunderschöne Flusslandschaft der Elbe spürt man den einzigartigen Charme des „Elbflorenz“.

Diesen durchaus zutreffenden Spitznamen erhielt die elftgrößte Stadt Deutschlands ursprünglich wegen seiner vielen Kunstsammlungen, ebenso trug dann aber auch ihre barocke und mediterrane Architektur und die landschaftlich-reizvolle Lage an der Elbe dazu bei.
Zwar findet man hier keines der sieben Weltwunder der Antike, aber die sich über Jahrhunderte aneinander gereihten Bauwerke sind mindestens ebenso schön: Frauenkirche, Residenzschloss, Zwinger, Semperoper, die Elbschlösser und viele weitere imposante Bauwerke sind daher auch zu Recht bekannt auf der ganzen Welt. Und die von Kurfürst August dem Starken und vielen weiteren den schönen Künsten Zugewandten geschaffenen einzigartigen Museen, wie beispielsweise das „Grüne Gewölbe“ und die „Türckische Cammer“, haben Dresden zu einer Kunst- und Kulturstadt von Weltrang gemacht.

Jahrhundertelang von mächtigen Festungsmauern geschützt liegt am linken Elbufer im Scheitel eines anmutigen Flussbogens die historische Altstadt Dresdens. Insbesondere vom gegenüberliegenden Ufer oder einer der Elbbrücken betrachtet, erschließt sich dem Besucher eine phänomenale Silhouette aus Bauten des Barocks, der Renaissance und dem 19. Jahrhundert.
x  |  NOEN, Thomas Wolff


Das legendäre Dresdner Residenzschloss war einst das Machtzentrum der sächsischen Kurfürsten und Könige. Erstmals im 14. Jahrhundert als Burganlage erwähnt, entstand im 15. Jahrhundert der vierflügelige Schlossbau. Nach der Vernichtung durch einen Brand 1701 und dem Wiederaufbau des Schlosses unter August dem Starken wurde es bei der Bombardierung Dresdens im Jahre 1945 wieder praktisch vollständig zerstört und es ging auch der größte Teil der kostbaren Innenausstattung verloren. Bereits zu DDR-Zeiten begann man 1985 mit dem Wiederaufbau, wirklich voran ging es dann allerdings erst nach der „Wende“, das Kupferstich-Kabinett wurde 2004 als erstes Museum eröffnet. Und seit 2006 ist wieder das historische „Grüne Gewölbe“ in seinen ursprünglichen Räumen zu bewundern, seit 2010 auch die Englische Treppe wieder begehbar.

Im gleichen Jahr wurde ebenfalls nach über siebzig Jahren die „Türckische Cammer“ wiedereröffnet. Mittlerweile ist die Rekonstruktion praktisch abgeschlossen. An der Außenseite des Schlosshofes befindet sich der absolut sehenswerte „Fürstenzug“. Das 101 Meter lange Wandbild aus über 24.000 Meißner Porzellanfliesen stellt die Geschichte des sächsischen Herrschergeschlechtes des Hauses Wettin dar, abgebildet sind 35 Markgrafen, Kurfürsten und Könige sowie 59 Wissenschafter, Künstler, Handwerker und Bauern.

Ein zweites Muss ist natürlich die legendäre Frauenkirche. Das zwischen 1726 und 1743 von George Bähr geschaffene Sakralbauwerk stürzte genau einen Tag nach dem Luftangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 zusammen, der Sandstein war den hohen Temperaturen des Feuersturms nicht gewachsen. Die Ruine der Frauenkirche blieb viele Jahre unberührt und sollte als Mahnmal dienen. Erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands bot sich die Gelegenheit für den Wiederaufbau, der vor allem durch viele Spenden ermöglicht wurde und dann 2005 mit der Weihe feierlich abgeschlossen wurde.

x  |  NOEN, Thomas Wolff

Von Semperoper und Zwinger

Und weiter geht es zur Semperoper, dem wohl bekanntesten Opernhaus Deutschlands. Es beherbergt auch die Sächsische Staatskapelle, eines der ältesten und renommiertesten Orchester weltweit. Um 1840 von Gottfried Semper – der im Übrigen auch das Wiener Burgtheater schuf – entworfen, wurde auch dieses Schmuckstück Dresdens 1945 beim unsinnigen Bombenangriff der Engländer zerstört.

Lange Zeit mussten dann die Dresdner auf ihre weltberühmte Oper verzichten, erst am 13. Februar 1985, genau 40 Jahre nach der Zerstörung, konnte sie mit dem „Freischütz“ von Carl Maria von Weber wiedereröffnet werden.
Obwohl noch viele Bauten zu erwähnen wären, will ich mit dem Dresdner Zwinger schließen. Er ist das bedeutendste Bauwerk des Spätbarocks und gilt mit seinem Kronentor als Wahrzeichen der Stadt.

Zwischen 1710 bis 1728 als Orangerie und höfischer Festspielplatz entstanden, gewährt er mit seinem vielfältigen Facetten Einblicke in die kurfürstlichen Geschmäcker und die Prachtentfaltung zur Zeit August des Starken. Heute sind dort die Porzellansammlung, die Gemäldegalerie Alte Meister, die Rüstkammer und der Mathematisch-Physikalische Salon untergebracht. Die großzügige Anlage mit Rasen, Springbrunnen und Galerien ist frei begehbar und lädt in der warmen Jahreszeit wunderbar zum Flanieren ein.

Resümee eines Dresden-Besuchs: Unmöglich, alles Sehenswerte bei nur einem Besuch anzuschauen. Also stellt sich wie bei E.T.A. Hoffmann die Frage: „Wann werde ich Dresden wiedersehen?“

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