Erstellt am 17. August 2010, 15:02

Die romantische Seite Bayerns. DEUTSCHLAND / Auch nach 60 Jahren vermittelt die „Romantische Straße Deutschland“ noch immer ein Gefühl bayrischer Gemütlichkeit.

 |  NOEN

VON MARLENE SCHMID

Es gibt sie in Brasilien, in Korea und in Japan – eine Tourismusroute namens „Romantische Straße“. Und auch von Wien nach Salzburg erstreckt sich eine „Romantikstraße“. Vorbild für alle ist die „Romantische Straße Deutschland“, die sich über 350 Kilometer vom am Main liegenden Würzburg bis nach Füssen in den Alpen erstreckt und heuer ihr 60-jähriges Jubiläum feiert.
An der Straße liegen 28 kleinere, vorwiegend mittelalterliche Städte. Jede einzelne lädt zum Flanieren ein – und jede von ihnen bezaubert mit einem Highlight. Museen über den geschichtlichen Hintergrund und Werdegang einer Stadt, ins Staunen versetzende Monumente, traumhafte Ausblicke und idyllische Stadtbilder bietet dieses Urlaubsziel.

x  |  NOEN
Doch nicht nur Kulturliebhaber fühlen sich hier wohl, ebenso kommen auch Naturliebhaber auf ihre Kosten: Von Almen über Wasserfälle bis zu Weinbergen sind der Natur keine Grenzen gesetzt. Wer möchte, sollte auf jeden Fall ein Teilstück der „Romantischen Straße“ radelnd zurücklegen. Einen Fahrradverleih gibt es fast in jeder größeren Stadt. Gut markierte Wander- und Radwege bieten ideale Voraussetzungen, sich sportlich zu betätigen.
Beginnt man in Würzburg, dem nördlichsten Punkt der „Romantischen Straße“, erhält man zunächst einen etwas falschen Eindruck: Die 130.000-Einwohner-Stadt verfügt über weniger Kleinstadt-Charme als die südlicher liegenden Städtchen, in Sachen Kultur steht sie jedoch an einer der obersten Stellen.

Nicht durch Zufall befindet sich hier ein UNESCO-Weltkulturerbe, die barocke „Residenz“, welche an Prunk und Glanz dem Pariser Versailles um nichts nachsteht. Würzburg lädt zum Flanieren ein, in kurzer Entfernung sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie die Marienkirche und das Falkengebäude mit einer schönen Freskenverkleidung auf dem Marktplatz zu erreichen.
Wer Würzburg verlässt, taucht ein in die bayrische Gemütlichkeit und startet eine lauschige Fahrt in den grünen Süden. Definitiv einen Stopp wert ist das kleine Städtchen Rothenburg ob der Tauber. Das stark mittelalterliche Ambiente wird vor allem durch die Fachwerkbauten, zwei gut erhaltene Stadtmauern und sechs Stadttürme und kleine Spezialitätengeschäfte geprägt.

Von Blumenstädten und Märchenschlössern

Die Präsenz von Käthe Wolfahrts ganzjährig geöffneten Weihnachtsgeschäften verstärkt das romantische Gefühl Rothenburgs. Zu empfehlen ist zudem eine abendliche Nachtwächterführung. Auf morbide Weise bringt der örtliche Nachtwächter die Geschichte der Stadt und das Leben im Mittelalter (von der Körperhygiene bis zur Müllentsorgung) näher. Nicht zu vergessen ist das romantische Flair Rothenburgs bei Nacht.
Romantik findet sich auch im kleinen Blumenstädtchen Rain wieder, wo man in den sogenannten Wallgärten entlang der Stadtmauer herrlich die Seele baumeln lassen oder einen Abstecher in die malerische Altstadt unternehmen kann. 2009 fand in Rain die Blumen-Landesschau statt, die naturbelassenen Gärten der Ausstellung sind noch zu bewundern.

Eine Entdeckungsreise durchs grüne Bayern
Klein aber fein, das trifft auf das im Pfaffenwinkel liegende Dörfchen Wies zu. Hier befindet sich das zweite UNESCO-Weltkulturerbe der „Romantischen Straße“: Inmitten von Wiesen und Wäldern besticht die erhabene Wieskirche durch kunstvolle Deckenfresken, vorwiegend in Weiß und Gold gehalten, was dem Besucher beim Betreten der Kirche ein helles Leuchten vermittelt.
Schon fast am Ende der „Romantischen Straße“ versteckt sich noch einer der Höhepunkte. Etwas abseits von Schwangau, der vorletzten Station, befindet sich ein Tal, welches an beiden Seiten von zwei Schlössern der bayrischen Königsfamilie – dem burgähnlichen Schloss Hohenschwangau und dem „Märchenschloss“ Neuschwanstein – umgeben ist.

Zu erreichen sind die beiden Schlösser entweder zu Fuß oder, ganz hoheitsvoll, mit der Pferdekutsche. Die beiden Anwesen versprühen eine fast unwirklich-märchenhafte Atmosphäre. Hier werden prunkvolle Gebrauchs- und Einrichtungsgegenstände der bayrischen Adelsfamilie gezeigt.
Highlights sind beispielsweise der Rittersaal im Schloss Hohenschwangau, welcher die gesamte Breite des Schlosses einnimmt, oder der farbenfrohe Thronsaal mit einem christlichen Kuppelgewölbe auf Schloss Neuschwanstein.


THEMA: BAYERN
• Anreise: ÖBB und Deutsche Bahn bieten tägliche direkte Zugverbindungen von Wien nach Würzburg (Fahrzeit: ca. 6 bis 6,5 Stunden). Der Europabus verbindet die Flughäfen Frankfurt und München täglich mit der „Romantischen Straße“.
•  Veranstalter: Die „Romantische Straße Touristik Arbeitsgemeinschaft“ organisiert seit 60 Jahren Fahrten entlang der „Romantischen Straße und erfüllt auch gerne individuelle Wünsche. Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums werden heuer auch Nostalgiefahrten mit einem Oldtimer-Omnibus angeboten. Die 4-Tages-Tour ist um 529 Euro pro Person buchbar (Infos im Internet:
www.romantischestrasse.de)
•  Infos zu Deutschland: Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT),
01 / 5132792,
gntovie@d-z-t.com, www.deutschland-tourismus.at