Erstellt am 30. Januar 2014, 09:24

Ein Koffer geht auf Reisen. Gepäckabfertigung Flughafen Wien | Ein Großteil des Bodenpersonals ist für das Gepäck zuständig und sorgt dafür, dass 50.000 Koffer täglich dort hinkommen, wo sie hin sollen. In der Steuerzentrale laufen alle Tätigkeiten zusammen.

Gepäckwagen am Flughafen Wien.  |  NOEN, Baldauf
„Was darf nicht ins Handgepäck?“ oder „Ist der Koffer auch nicht zu schwer?“ – das sind Fragen, die sich die meisten vor einer Flugreise stellen. Und Antworten darauf bekommt man dann spätestens beim Check-in- Schalter der jeweiligen Fluglinie. Dort legt man sein Gepäckstück auf das Förderband, es wird gewogen und verschwindet – gut gekennzeichnet mittels Barcode – in Richtung Flugzeug. So weit ist das Prozedere bekannt. Bleibt nur noch eine Frage offen: Welchen Weg geht der Koffer bis zur Verladung?

Das bleibt dem Passagier normalerweise verborgen und kann nur ein Blick hinter die Kulissen verraten. Denn während man sich im Terminal bei einer guten Tasse Kaffee die Zeit bis zum Abflug vertreibt, begibt sich der Koffer auf seine ganz eigene kleine Reise.

Zwar dauert der Weg vom Check-in bis zur Verladung des Gepäcks auf einen Transportwagen im Schnitt nur acht Minuten. Doch in dieser kurzen Zeit durchläuft er unzählige Stationen. Und dabei wird er nie aus den Augen gelassen. Denn: „Alle Abläufe werden elektronisch aufgezeichnet und von unseren Mitarbeitern kon-trolliert“, erklärt Peter Gartner, stellvertretender Leiter der Steuerzentrale.

Sicherheit ist alles – auch beim Gepäck

Insgesamt 18 Kilometer lang ist das Förderband, das den Koffer vom Check-in in die Gepäckabfertigung bringt. Der Weg führt zunächst in das Untergeschoß, das einem Irrgarten aus vielen verschiedenfarbigen und vollautomatisch betriebenen Förderbändern gleicht. Auf dieser Reise muss das Gepäckstück, wie der Passagier auch, eine Sicherheitskontrolle durchlaufen. Ein Scanner sorgt dafür, dass außer Kleidung und Alltagsutensilien keine gefährlichen und damit verbotenen Gegenstände verpackt wurden.

x  |  NOEN, Baldauf


Denn Waffen – auch, wenn sie für den Jagdurlaub in Kanada bestimmt sind – haben im Koffer nichts verloren und sind in jedem Fall anmeldepflichtig. Hat der Besitzer es versäumt, den Gegenstand beim Zoll zu deklarieren, schlägt der erste Scanner an.
Was der Passagier nicht weiß: Der Koffer wird dann aussortiert und landet auf einem anderen Förderband. Das führt vorbei an einem zweiten Scanner, welcher binnen 15 Sekunden entscheidet, ob es sich tatsächlich um ein verbotenes Utensil handelt. Ist die Prüfung wieder negativ, muss ein Mitarbeiter einschreiten, um den Gegenstand zu identifizieren.

x  |  NOEN, Baldauf


„In diesem Fall kommt es zu einer sogenannten Passagierzusammenführung, wo der Besitzer sein Gepäckstück abholen muss“, erklärt Peter Gartner. „Aber dass ein Gepäck auf Stufe 3 landet, kommt vielleicht einmal pro Tag vor.“ Nach dieser Sicherheitsprüfung und der Freigabe des Gepäcks kann es dem richtigen Flug zugeordnet werden.
Vom Förderband, das an jenes in der Ankunftshalle erinnert, werden die Gepäckstücke händisch auf einen Gepäckwagen geladen. Jetzt geht es ab aufs Vorfeld. Dort treffen wieder alle Gepäckstücke zusammen und werden – je nach Art und Größe – manuell oder mittels Hebebühne in das Flugzeug
verfrachtet.


Nichts, was man nicht transportieren könnte

Neben dem „normalen“ Reisegepäck von Fluggästen gibt es nämlich auch sogenanntes Sperrgepäck. Dazu zählen auch Ski, Kinderwägen oder Surfbretter – sie müssen bei einem eigenen Check-in-Schalter aufgegeben werden. Rund 200 solcher „Sondergepäckstücke“ gebe es laut Gartner pro Tag. „Das Außergewöhnlichste, das wir je hatten, war ein Zirkuszelt“, so Gartner.


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