Erstellt am 24. Oktober 2011, 00:00

Eine einzigartige Welt. KULTURHAUPTSTADT 2013 / Marseille, historisch übel beleumundet, entwickelt sich zu einem Schmuckkästchen der Provence und ist bereits jetzt einen mehrtägigen Besuch allemal wert.

Ein Abendblick auf den Vieux Port mit dem Wahrzeichen der Stadt, der über allem thronenden Kirche Notre-Dame de la Garde. THOMAS JORDA  |  NOEN
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VON THOMAS JORDA

Die Zeiten werden friedlicher. Stand das Kürzel MP einst für Maschinenpistole, werben jetzt Marseille und der umliegende Teil der Provence damit für die Europäische Kulturhauptstadt 2013. Das P ist wichtig und bezeichnet jenen Teil der Provence, der dabei sein darf, weil er auch mitzahlt oder mitzahlen muss. Der Bogen reicht von Arles im Westen, Aubagne im Osten bis hin Cassis und Aix-en-Provence.

Marseille-Provence ist dank seiner geografischen Lage, Geschichte und Kultur eine einzigartige Welt, die es sich lohnt zu entdecken, mit achtzig Städten und Dörfern im Herzen der Provence, hundert Kilometern Küste und 300 Sonnentagen im Jahr.

Europäische Kunst und die  Kultur des Mittelmeerraums

Ein ganzes Jahr wird Marseille und ein Teil der Provence, schon jetzt eines der wichtigsten Reiseziele Europas, mehr als 400 kulturelle und künstlerische Veranstaltungen anbieten, die europäische Kunst und die Kultur des Mittelmeerraums miteinander verbinden. Und nicht nur das, zu Kunst und Kultur kommen auch Sonne, Meer, Gastronomie und Lebensflair.

Doch man muss nicht auf 2013 warten, um mit Marseille eine – gegen alle Gerüchte – blühende, aktive Stadt zu erleben. Mit zwei gut positionierten Flügen der Air France ist die einst von den alten Griechen gegründete Commune über Paris leicht zu erreichen.

Die einst schmutzige, düstere Mole des Industriehafens wandelt sich gerade zur prächtigen Visitenkarte der Stadt; der von Stararchitektin Zaha Hadid geplante erste von drei Wolkenkratzern dominiert bereits eindrucksvoll den Zugang zum Areal. Auf der anderen Seite beginnen die Arbeiten zu zwei außerordentlichen Museen.

Der Hang der Stadt zur Architektur ist auch historisch fassbar – das von Le Corbusier in den Vierzigerjahren gebaute Wohnhaus mit über 300 Wohneinheiten wird heute noch begeistert gepflegt, gehegt und bewohnt.

Doch es ist so viel zu bestaunen! Zum Beispiel der Vieux Port mit Fischmarkt und Restaurants (im „Miramar“ gibt’s die beste Bouillabaisse), das Quartier du Panier, längst kein Gaunertreff mehr, das Wahrzeichen der Stadt, die über allem thronende Kirche Notre-Dame de la Garde oder jene Festung im Meer, aus der einst der Graf von Monte Christo geflohen sein soll.