Erstellt am 23. August 2010, 08:08

Eine Stadt im Fluss. SPANIEN / Wo einst das Wasser des Turia floss, lockt heute die Stadt der Künste mit dem Museum der Wissenschaften (Bild) und dem größten Aquarium Europas.

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VON CHRISTINE HAIDERER

Es ist still und dunkel. Das Wasser tiefblau. Zwischen zahllosen gelben Flossen taucht in der Ferne ein besonders großer Schatten auf. Langsam kommt er näher. Die Umrisse werden immer klarer, die spitze Rückenflosse wird immer deutlicher, die Zähne immer schärfer: ein Hai, zum Greifen nahe.
Mitten in Valencia liegt ein Ozean. Aber auch die Antarktis mit Pinguinen, die Arktis mit Walen und ein Feuchtbiotop mit knallorangenen Wasservögeln – sie alle sind Bereiche des Oceanográfico, des größten Aquariums Europas.
45.000 Lebewesen leben hier, von der leuchtend blauen Qualle bis zum Beluga-Wal. In ihren Aquarien, Pools und Tanks kann man sie beobachten. Teilweise von oben, manchmal aber auch von unter dem Wasser. Wie etwa im 70 Meter langen Tunnel, der „Europa“ mit der „Karibik“ verbindet. Einige der insgesamt 500 Arten sind aber auch in der 26 Meter großen Kugel der Wasservögel zu finden oder im Delfinarium, übrigens dem größten Europas, dessen Pools 26 Millionen Liter fassen.
Und so ist dort, wo schon einst Wasser war – nämlich im Flussbett des Turia, das in den 1970er Jahren trocken gelegt wurde – wieder jede Menge Wasser. Damals wollte man weitere Schäden durch Überschwemmungen verhindern und hat dem Turia ein neues Flussbett geschenkt, außerhalb der Stadt.

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Von der Wissenschaft bis zu Imax-Filmen

Und dem alten Flussbett? Dem hat man inzwischen eine neue Stadt geschenkt: die Stadt der Künste und Wissenschaften, errichtet von Santiago Calatrava von 1991 bis 2006. Hier zwischen Oceanográfico und dem Palast der Künste Reina Sofía, dem Opern- und Theaterhaus, ist die Idee des Wassers geblieben. In Form von seichten, breit angelegte Wasserbecken, die die Bauten der Kunststadt umgeben. Wie das Museum der Wissenschaften Príncipe Felipe, einige Meter weiter. Hinein gehen, entdecken und experimentieren, lautet hier das Motto. Egal ob bei den Superhelden oder beim Weltraumabenteuer. Gegenüber: das Umbracle, die pompöse Promenade samt Parkdeck. Dahinter: Palmen, ein Bach, Parkbänke und Jogger. Und gleich daneben: das Hemisféric. Im größten Kino-Zuschauerraum Spaniens genießen Filmfans Imax-Filme, Planetarium oder Lasershow.
Wer dem Turia-Flussbett, das sich quer durch die ganze Stadt schlängelt, nach Osten folgt, landet in der Nähe des Hafens, wo Segel-Events wie der America’s Cup starten.

Geht es hingegen in die andere Richtung stößt man bald auf den Palast der Musik, verschiedene Sportplätze und am Ende auf den Bioparc, einen Zoo.
Davor aber macht der grüne Streifen quer durch Valencia noch eine Schleife rund um die Altstadt, die mit köstlichen Speisen (zum Beispiel Paella mit Reis von den nahen Reisfeldern), Einkaufsstraßen (wie die Calle Colón) und verträumten Gassen lockt; von der Stadt der Künste mit dem Bus in 10 bis 15 Minuten zu erreichen.
Hinein in die Altstadt geht es zum Beispiel durch das Torres de Quart, ein Tor der alten Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert,  im Westen. Oder beim Bahnhof Estación del Norte, eines der repräsentativsten Jugendstilbauten der Stadt, direkt neben der Stierkampf-Arena, im Süden.

Von Meeresfrüchten bis zum Schinken
Genuss-Fans zieht es etwa in der Mitte der Altstadt zum Mercado Central. Mit 800 Ständen und rund 15.000 Kunden täglich. Mit Fisch, Meeresfrüchten, Obst und Gemüse. Beim luftgetrockneten Schinken, der im übrigen gar nicht direkt aus Valencia, sondern aus den Bergen kommt, sollte man übrigens aufpassen, rät der Touristenführer. Ein Kilo kann zwischen vier und 160 Euro kosten.
Gleich daneben liegt die Seidenbörse Lonja de la Seda. UNESCO-Weltkulturerbe und Ort so mancher Kostbarkeit. Wie dem Tor der Sünden mit Beispielen schlechter Eigenschaften. Wie die Hexe, die ein Untier beschwört, oder die Musiker, die auf der Straße spielen und nicht in der Kirche (damals undenkbar!).
Einen Stock darüber im Meereskonsulat entdeckt man bei einem Blick nach oben die aus Blattgold bestehende Decke des alten Rathauses. Dieses ist zwei Mal abgebrannt, die Decke war verschwunden und ist 50 Jahre später in 670 Teile zerlegt wieder aufgefunden worden.
Weiter nördlich, kurz vor der Turia-Flussbett-Schleife erhebt sich die Kathedrale von Valencia. Mit großem Glockenturm – und dem heiligen Gral. Zumindest einem von zwei. Rund 20 Gräle hatten Anspruch auf diesen Titel erhoben. Ein Silberkelch in der Türkei und der Achatkelch in Valencia sind übrig geblieben sind. Das erzählt zumindest der Touristenführer.

Von Bewässerung bis zum Meeresstrand
Idealerweise ist es jetzt Donnerstagmittag. Denn jeden Donnerstag um 12 Uhr tagt hier vor dem Aposteltor das Wassergericht, immaterielles UNESCO Weltkulturerbe und das älteste Europas. Seit über Tausend Jahren wird hier über Streitigkeiten der Grundbesitzer rund um die Bewässerung entschieden.
Nach all den vielen Eindrücken hat man sich ein wenig Erholung verdient – am Wasser natürlich. Allerdings diesmal nicht in der Altstadt, und auch nicht in der Stadt der Wissenschaft. Von der Kathedrale geht es ausnahmsweise über das alte Turia-Flussbett auf die andere Seite, hinein in die Straßenbahn und auf zum Strand von Valencia …



THEMA: VALENCIA
• Anreise: Fly Niki & Air Berlin fliegen täglich nach Valencia (einmal umsteigen!), Reisezeit (exkl. Zwischenaufenthalt): 3,5 Stunden
• Hoteltipp: Das NH Las Artes, modern und mit „Liebe zum Detail“, liegt neben der Stadt der Künste und Wissenschaften. Es ist eines von insgesamt acht Hotels (unterschiedlicher Stile) vom drittgrößten Business-Hotel-Betreiber Europas in Valencia: www.nh-hoteles.es
• Ausflugstipp: Die Hauptattraktionen der Stadt der Künste und Wissenschaften (Kino + Museum + Aquarium) kann man mit einem Kombiticket erleben, für 31,60 Euro pro Person. Informationen in Englisch: www.cac.es

• Restaurant-Tipp I: Das Sagardi (Calle San Vicente Mártir 6) lockt mit einer Tapas-Bar im Erdgeschoss und einem Restaurant mit offenem Grill & Blick auf die Kirche Iglesia San Augustin darüber (Reservieren!): www.sagardi.com

• Restaurant-Tipp II: Feine Kulinarik (orientalisch-mediterran) erwartet die Besucher auch im Seu Xerea in der Calle del Condo de Almodóvar 4: www.seuxerea.com