Erstellt am 14. Februar 2011, 08:04

EU im Stillen Ozean. LA REUNION / Ein unfassbar schöner Geheimtipp für Wanderfreunde, die zwischendurch auch gerne einmal baden gehen.

 |  NOEN
VON WOLFGANG TROPF

Im Indischen Ozean gibt es eine kleine Insel, auf der man mit Euro bezahlt: La Réunion ist nur 600 Kilometer von Madagaskar entfernt – und doch ein Stückchen EU. Und seltsamerweise noch immer ein Geheimtipp ...
Gewiss, wer feine, schneeweiße Sandstrände wie im Bilderbuch sucht und sonst nichts, ist auf der Nachbarinsel Mauritius, rund 160 Kilometer weiter nördlich, besser bedient.

Schroffe Felsküsten und lebensgefährliche Brandung
Denn eine Bade-Destination ist La Réunion nicht: Nur im trockenen Westen der Vulkaninsel, im Schutz eines langen Korallenriffs, erstrecken sich ein paar Kilometer Sandstrand, und hier sind auch fast alle guten Hotels zu finden. Sonst findet man rund um die Insel nur schroffe Felsküsten aus schwarzen Lavabrocken und eine meist lebensgefährliche Brandung.
Doch wer nach La Réunion kommt, tut dies auch nicht wegen der Strände, sondern wegen der einmaligen, bizarren Gebirgslandschaft, an der sich kein Besucher jemals sattsehen kann. Wenn man schon zehn Stunden nach Mauritius geflogen ist, sollte man sich daher die Chance eines kurzen, vier- oder fünftägigen Ausflugs auf die nur 40 Flugminuten entfernte Insel nicht entgehen lassen.

Zumal das französische Überseedepartement La Réunion ganz und gar europäisch ist: ein Stückchen EU, 9200 Kilometer von Paris entfernt, mit gepflegten Gärten, luxuriösen Hotels und modernen Krankenhäusern, sauberen Straßen und nagelneuen Autobahnen, auf denen sich morgens und abends die Hauptstadt-Pendler stauen.

Die Vorfahren der 750.000 Inselbewohner kamen aus Europa, Afrika, Indien und China. Dennoch zählt man heute in diesem bunten Völker- und Kulturgemisch 86 Prozent Katholiken. Man spricht Französisch, bezahlt mit Euro, und zum Frühstück gibt’s starken Kaffee und köstliches Baguette zu Preisen, die locker mit der Cote d’Azur mithalten können.
Das Bild der Insel wird von zwei mächtigen Vulkanen bestimmt: dem vor 10.000 Jahren erloschenen, 3069 Meter hohen Piton des Neiges und dem noch immer aktiven, 2510 Meter hohen Piton de la Fournaise. Seine Ausbrüche finden durchschnittlich alle 18 Monate statt, bedeuteten aber für die Menschen auf der Insel bislang keine Gefahr.
Zwischen den Vulkanen liegen drei grandiose Talkessel, deren überwältigende Schönheit am besten aus dem Hubschrauber zu genießen ist. Ein 45-minütiger Inselrundflug mit der seriösen Firma Helilagon ist jeden der rund 200 Euro wert.

Tropische Regenwälder und weite Almwiesen
Ansonsten erobert man die Insel mühelos auf den überall gut ausgebauten Straßen. Bei einer Fahrt von der Küste hinauf in die Berge ändern sich Landschaft und Klima fast im Viertelstunden-Takt: Blühende Zuckerrohrfelder werden von farbenfrohen Gärten abgelöst, tropische Regenwälder von weiten Almwiesen, kühle Tannenwälder von rötlich-braunen Lava-Wüsten – so wild und fremd, als wären sie nicht von dieser Welt.
Hat man genug gestaunt, stellt man sein Mietauto auf einem der vielen Picknickplätze ab und begibt sich auf Wanderschaft. Die Wanderwege sind zahllos, leicht oder anspruchsvoll, und sie enden nicht selten bei herrlichen Wasserfällen oder spektakulären Ausblicken in bis zu 1000 Meter tiefe Schluchten.
Man kann bequem durch die Wälder wandern, hinein in die Talkessel oder hinauf auf einen der beiden Vulkane. Gefahrlos, denn es gibt auf der ganzen Insel weder giftige Schlangen noch wilde Tiere, keine Moskitos und keine Malaria.

Frühmorgens auf den Berg, am Nachmittag am Strand
Auch in diesem Sinn ist La Réunion ein kleines Paradies, das nur eines verlangt: Früh aufstehen. Denn der Vormittag ist die beste Zeit für die Berge. Der Himmel ist dann ganz klar und die Luft angenehm kühl. Am Nachmittag, wenn die Passatwolken langsam die Gipfel erobern, liegt man längst bei sommerlichen Temperaturen unten am Meer.
Die Abende mögen auf diese Art kurz werden, für die Köstlichkeiten aus der kreolischen oder der französischen Küche reichen sie aber noch allemal. Und was will man mehr?

THEMA: LA RÉUNION (FRANKREICH)
 Anreise: Air Mauritius bietet zwei tägliche Verbindungen von Mauritius nach Saint Denis (La Réunion). Flugzeit: ca. 40 Minuten. Nach Mauritius fliegt die Airline jeden Mittwoch ab München (Flugzeit: ca. 10 Stunden) und bietet dazu bequeme Anschlussflüge ab/bis Wien mit Austrian Airlines. Als Alternative gibt’s jeden Montag und Freitag Flüge von Frankfurt via Genf (www.airmauritius.com).

 Beste Reisezeit: Die Höchsttemperaturen schwanken während des Jahres kaum und liegen an der Küste zwischen 25 und 31 Grad. Winter und Frühjahr – also die Monate Juni bis Oktober – sind dennoch die beste Reisezeit: An der Küste wird es auch in der Nacht
nie kühler als 16 Grad, und in den Bergen ist es angenehm frisch.

 Hoteltipp: Das 4* Grand Hotel du Lagon der mauritischen Hotelgruppe Naiade Resorts liegt an einem der schönsten Strände der Insel im quirligen Badeort St. Gilles les Bains. Die luxuriöse Hotelanlage im kreolischen Stil verfügt über 166 Zimmer und ist von einem weitläufigen tropischen Garten umgeben. Auch die sechs Naiade-Hotels auf Mauritius sind immer ein guter Tipp. Die Auswahl reicht vom familiären 3*-Ferienhotel bis zum 5*-Luxusresort (www.naiade.com).

 Veranstalter: Jumbo Touristik hat La Réunion seit vielen Jahren im Programm. Im neuen Katalog „Exotik“ sind gut ein Dutzend Hotels aller Preisklassen sowie mehrere Mietwagen-Rundreisen zu
finden. Darüber hinaus sind in diesem Katalog auch Mauritius, die Seychellen, die Malediven und die Südsee vertreten (www.jumbo.at).

 Angebote: Eine sechstägige Mietwagen-Rundreise ab/bis Flughafen in La Réunion ist bei Jumbo Touristik mit fünf Übernachtungen und Frühstück ab 586 Euro pro Person buchbar, eine achttägige Tour ab 613 Euro. Fünf Nächte im 4* Grand Hotel du Lagon sind bei Jumbo Touristik mit Frühstück ab 683 Euro zu haben (ohne Flug).