Erstellt am 21. Mai 2012, 00:00

gleiten …. Hausboot-Reise zu Italiens geheimen Oasen.

 |  NOEN

VON ALEXANDRA HALOUSKA

Italien-Urlaub einmal anders! Wer gerne gegen den Strom schwimmt, ist ein geborener Hausboot-Kapitän. Das hat zweierlei Gründe. Erstens: Hausboote lassen sich leichter lenken, wenn sie gegen die Fließrichtung des Wassers fahren. Zweitens: Die schwimmenden Appartements eignen sich hervorragend, Destinationen abseits des Massentourismus aufzuspüren …

Harald Böckl, Spezialist für Hausboote, schwimmt seit mehr als 25 Jahren gegen den Strom. Selbst Kapitän eines schwimmenden Appartements, vermietet Böckl in Kooperation mit Le Boat jährlich Hunderte Hausboote an reisehungrige Urlauber. Seinen Kunden verspricht er: „Das Hausboot ist der einzige Ort, an dem man von sich selbst eingeholt wird. Man gleitet durch das Leben.“

Hausboot-Fahren ist keine Wissenschaft, sondern vielmehr eine Philosophie. An Bord regiert die Gemütlichkeit. Stress und Hektik gibt es nicht, denn: Das schwimmende Appartement kann nicht schneller als zwölf Stundenkilometer fahren. Erlaubt sind allerdings nur sechs, in manchen Ausnahmefällen maximal acht Stundenkilometer. Die gedrosselte Motorstärke hat somit einen entscheidenden Vorteil. „Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase beginnt der Kapitän, sich zu entspannen. Es ist ein einzigartiges Gefühl der Erholung!“, weiß Böckl aus eigener Erfahrung.

Fischerinseln: Einladung  zum Cafe Corretto

Seit rund einem Jahr führt Le Boat ein neues Hausboot-
Revier in der Region Friaul-
Julisch Venetien. In der Precenicco-Flotte stehen elf Hausboote mit Platz zur Auswahl. Wer die Lagune von Marano von einer anderen Perspektive sehen möchte, kann eine kulinarische Entdeckungsreise auf dem Wasser bestreiten.

Start ist auf dem klingenden Fluss Stella, der in das Naturreservat und Vogelparadies Foci dello Stella (150 Vogelarten leben hier) einmündet. Transparente, über das Flussbett gespannte Fischernetze – die Bilancia – erinnern an einen Baldachin. Vom Vogelgezwitscher begleitet treibt das Boot gemütlich an den Schrebergärten Italiens vorbei, den alten Fischerinseln. Einst dienten die schilfgedeckten Häuschen – die so genannten Casoni – als Bleibe für die hart arbeitenden Seemänner. Heute verkörpern die Unterkünfte den Inbegriff der italienischen Mentalität: Feiern und Genießen. Auch uneingeladene Gäste werden höflich empfangen: Ein Glas aus dem regionalen Weinsortiment der Fischer oder der italienische Klassiker – ein Café Corretto (Kaffee mit Grappa) – sind Ehrensache.

Der Weg durch die Lagune führt in das zwei Stunden entfernte Marano. Das Fischerdorf überzeugt mit einer touristen-
armen Altstadt sowie venezianischem Flair und verfügt über einen überschaubaren Hafen, den Portomaran – ein idealer Rastplatz für erschöpfte Bootskapi-täne.

Mini-Insel Anfora gilt als  italienischer Geheimtipp

Als nächstes Ausflugsziel winkt Grado. Auf halber Strecke liegt eine unverzichtbare Verschnaufpause für Fischliebhaber: An-
fora gleicht seit Jahrzehnten einem weißen Fleck auf den Tourismus-Landkarten. Die Mini-
Insel verfügt über ein Restaurant samt Plumpsklo, einen Badestrand, eine Schiffsanlegestelle und seit kurzem sogar über ein kleines Hotel mit sechs Zimmern. Seit Generationen im Besitz einer einzigen Familie besticht Anfora mit urigem, italienischem Charme. Die kurze, aber nicht minder schmackhafte Speisekarte des Ai Chiodi reicht vom Haifisch über dem Flunder bis hin zum Wolfsbarsch. Die Besucher des Restaurants sind überwiegend italienische Landsmänner. Dieser Umstand gilt als ein Beweis für die Geheimtipp-Qualitäten der Insel. Wer den Meerestieren ausweichen will, darf sich auf bodenständige Spaghetti Aglio e Olio freuen.

Hohe Gebühren,  hoher Genuss

Die Fahrzeit nach Grado beträgt von dort nur mehr eine knappe Stunde. Wer Stress vermeiden will, sollte beachten: Im alten Hafen von Grado gibt es nur beschränkt Platz. Die Nächtigungsgebühren sind im Gegensatz zu den Anlegestellen alles andere als bescheiden: Ende April betrugen die Kosten für den Stellplatz für eine Nacht immerhin 40 Euro. Die etwas gesalzenen Anlegepreise können bei
kulinarischen Krönungen vergessen werden.

Die Altstadt von Grado verfügt über erstklassige, leider oft vorreservierte Restaurants. Wer sich die Wartezeit versüßen möchte, kann in der Vinothek Portanova auf Bischofsstühlen Platz nehmen. Ein kleines Highlight: Rotwein wird mit Schokolade serviert. Nach dem einen oder anderen Glas darf das kulinarische Lustgewölbe auf einem frei gewordenen Tisch erweitert werden. Wohl genährt und gut ausgeschlafen lässt sich am nächsten Tag der Rückweg antreten – die Fahrt zur Bootsbasis in Precenicco beträgt weniger als vier Stunden.


THEMA: HAUSBOOT
Wissenswertes
Steuern kann praktisch jeder (unter Aufsicht sogar ein Kind). Nach einer kurzen Einschulung an der Verleihbasis wird das Boot bereits nach 30 Minuten übergeben. Bei Dunkelheit herrscht strenges Fahrverbot. Eine Bremse gibt es nicht, nur einen Rückwärtsgang. Das Boot braucht fünf Sekunden, um zu reagieren. Wer die Höchstgeschwindigkeit überschreitet, muss die Geldbörse zücken! Denn: An den sogenannten Dalben (Holzpfählen) befinden sich Radarboxen.

Preise
Von 1638 Euro (Clipper R, maximal sechs Personen, Mitte März bis Mitte April) bis 4375 e (Magnifique, maximal zehn Personen, Anfang Juli bis Mitte August) – jeweils eine Woche. Hafengebühren sind extra zu bezahlen. Kurz-
reisen (drei Tage) zum Schnuppern sind möglich. Achtung, Preisnachlässe: Wer beispielsweise noch im Mai ein Hausboot für mindestens sieben Tage für Juni oder Juli bucht, erspart sich 15 Prozent. Abfahrtsorte Italien: Porto Levante, Casale, Precenicco.

Ansprechpartner
Hausboot Böckl
www.hausboot-boeckl.at
01/4704708

Le Boat (TUI-Gruppe)
www.leboat.at