Erstellt am 16. Juli 2012, 10:04

Herz der Toskana. FLORENZ / Die Toskana-Hauptstadt besticht mit pompösen Palästen, historischen Verschwörungen und einem blutigen Nationalgericht.

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VON ALEXANDRA HALOUSKA

Nach einer Flugzeit von nur einer Stunde und 15 Minuten (ab Wien) finden sich kulturverliebte Weltenbummler in der Toskana- Hauptstadt „Firenze“ wieder. Wer „Italiens Athen“ mit drei Schlagworten etikettieren müsste, würde mit großer Wahrscheinlichkeit folgende Worte wählen: Medici, Palazzi und Renaissance. Die Vergangenheit der Florentiner liest sich jedenfalls wie ein spannender Krimi.

Keine andere Dynastie schreibt eine spannendere Geschichte als die Medicis. Ihr Leben prägte Florenz maßgeblich. Ursprünglich als Bankiers des Papstes reich geworden, entwickelten sich die Medicis zur einflussreichsten Familie der Stadt. Zweimal wurde der Klan von den Republikanern verjagt, beide Male kehrten die Medicis zurück. Selbst ein vom Papst höchstpersönlich geplantes Attentat am Ostersonntag – die sogenannte Pazzi-Verschwörung – ließ die Familie nicht aus Florenz verschwinden.

Noch heute symbolisiert die David-Statue vor dem Palazzo Vecchio die Republik. Unmittelbar daneben befindet sich eine Perseus-Statue – das Sinnbild der Medicis. Die Figur wurde in einem Stück aus Bronze gegossen und hält den Kopf der Medusa in einer Hand. Der Kopf repräsentiert die Republik. Der Goldschmied und Bildhauer Benvenuto Cellini porträtierte sein Gesicht übrigens in Perseus Hinterkopf.

Der Palazzo Vecchio wurde 1540/41 zum Regierungssitz der Medicis. 1560 ließ Cosimo I. de‘ Medici die Uffizien als Verwaltungsgebäude errichten. Heute fungiert das u-förmige Gebäude als Gemäldemuseum. Unter anderem ist Botticellis „Geburt der Venus“ ausgestellt. Vom Palazzo Vecchio führt ein kilometerlanger Gang über die Uffizien bis hin zur ältesten Brücke in Florenz, der Ponte Vecchio. So konnten die Palastbewohner vom gemeinen Volke unbehelligt hin- und herpendeln.

Santa Maria del Fiore: Viertgrößte Christen-Kirche

Das religiöse Zentrum von Florenz stellt der Domplatz dar. Auf ihm befinden sich das achteckige Baptisterium und die Kathedrale Santa Maria del Fiore – die viergrößte Christen-Kirchen Europas. Mehr als 150 Jahre lang wurde an der Kathedrale gearbeitet. Ein Grund: Die Baumeister starben immer weg. Für die Errichtung der Santa Maria del Fiore musste Gerüchten zufolge die Residenz der Familie Bischeri eliminiert werden: Ihr Haus stand zufällig an jenem Ort, an dem die neue Kirche entstehen sollte. Die Bischeris weigerten sich, ihre Residenz aufzugeben – sie brannte auf mysteriöse Weise ab.
Mit einem Durchmesser von mehr als 40 Metern gilt die Kuppel der Kathedrale als technische Meisterleistung. Ihr Architekt Filippo Brunelleschi baute das erste, doppelschalige Modell der Welt. Noch heute sind nicht alle Geheimnisse rund um den Bau der Kuppel bekannt.

Florenz-Nationalgericht: Blutiges T-Bone-Steak

Wer nach den vielen Verschwörungstheorien eine Stärkung braucht, hat zwei traditionelle Speisen zur Auswahl. Erstens: Panino al Lampredotto (Kutteln aus Panini) – das „Fast Food“ von Florenz. Das florentinische Nationalgericht ist schlicht und einfach ein blutiges T-Bone-Steak.
Kein Wunder, bei einer solchen Historie …


SEHENSWERTES IN FLORENZ
•  Der Piazza della Repubblica lässt sich hervorragend mit einem Stopp in einem Café verbinden. Wer den Espresso an der Bar trinkt, zahlt übrigens nur einen Euro.

• Die Gelateria Percè No? (zu deutsch: Warum nicht?) bietet jeden Tag andere Sorten aus natürlichen Zutaten.

• Einer der bekanntesten Weinproduzenten Italiens, die Familie Antinori, produziert seit dem 14. Jahrhundert edle Tropfen. Im Palazzo Antinori kann man natürlich Wein kaufen. Hingucker: Die sogenannten Weintürchen sind kleine Fenster, aus denen früher Wein gereicht wurde.

• Künstlerviertel Oltrarno: Das Quartier „auf der anderen Seite des Arnos“ bietet Handwerker-Werkstätten und charmante Lokale.

• Via Tornabuoni – die eleganteste Einkaufsstraße von Florenz: Gucci, Prada & Co. haben hier ihre Boutiquen.

• Residenz Villa Massa: Das Anwesen wurde im 16. Jahrhundert von einem italienischen Aristokraten als Sommerresidenz gebaut. 1953 verwandelte die amerikanische Familie Sears das Anwesen in das erste Luxushotel von Florenz. Lage? Direkt am Arno.

• Weingut Frescobaldi: 700 Jahre Toskana in einem Weinglas – das versprechen 30 Generationen der Winzerfamilie Frescobaldi. Ihre historische Residenz ist das Castello di Nippizano. Die bekannteste Weinsorte: der Nipozzano. 85 Prozent der wichtigsten Traube der Toskana, der Sangiovese, stecken in dieser Sorte. Der älteste dort lagernde Wein ist 148 Jahre alt. Ein Besuch des Weinguts kostet 15 Euro (Reservierung notwendig).