Erstellt am 26. Januar 2017, 12:47

von Udo Sagl

Die Wilde ist die Schönste. Eine Insel wie keine: Sonne, Berge, Meer und Kultur in einer atemberaubenden Kombination.

„Pietra ambrée“ steht auf der goldglänzenden Flasche, ganz vorne im Regal. Pietra? Was ist das? „Kastanienbier“, erklärt Feinkosthändlerin Vanina voller Stolz.
Wie bitte? Bier aus Kastanien? „Ja, aus nussig schmeckenden Maronen. Sie werden im Hinterland geerntet und mit Eseln zur Brauerei transportiert.“

Korsika ist anders. Eine Insel wie keine. Eigenwillig und ursprünglich. So wild und so schön. Für Naturliebhaber ist Korsika sogar die schönste Insel im Mittelmeer. Herrlich grün und ziemlich einsam. Mit einer traumhaften Bergwelt rund um den 2.706 Meter hohen Monte Cinto. Mit lieblichen Tälern und tiefen Schluchten, in denen ungezähmte Flüsse rauschen. Mit weitläufigen Kastanien- und Kiefernwäldern, gesäumt von duftend blühender Macchia.

So romantisch und authentisch wie die Landschaft präsentieren sich auch die historisch geprägten Ortschaften. Vor allem in der Balagne im Nordwesten, dem „Garten Korsikas“. Hoch über dem Meer reiht sich auf fruchtbaren Hügeln ein uriges Bergdorf an das andere.

Bergdörfer wie Burgen, Gärten wie im Paradies

Lumio, Montemaggiore, Zilia, Costa, Belgodere, Sant Antonino, und wie sie alle heißen – die Orte sehen aus wie große mittelalterliche Burganlagen, von prächtigen Barockkirchen geschmückt. Ein Hauch von Toskana-Flair liegt in der Luft. „Überall hier gibt es die üppigsten, wahrhaft paradiesischen Haine von Walnussbäumen und Mandeln sowie Gärten mit Orangen, Zitronen und Oliven“, schwärmte der deutsche Naturhistoriker Ferdinand Gregorovius, als er 1852 die Balagne genussvoll durchstreifte.

Stichwort Genuss: Die korsische Küche macht Frankreich alle Ehre. Alles, was auf den Tisch kommt, ist schmackhaft und bodenständig. Wildschwein-Ragout, Figatellu-Wurst, Chevre-Ziegenkäse: Spezialitäten, die auf jeder Speisekarte zu finden sind. Dazu gehört natürlich ein (köstliches!) Kastanienbier. Und vielleicht ein bisschen Musik. So greift etwa Eugene Alfonsi in seinem Restaurant „Cala di Sole“ in Costa gerne zur Gitarre, um seine Gäste mit traditionsreichen Liedern zu unterhalten.

Fast ebenso entspannt läuft das Leben in der Hauptstadt der Balagne ab: Calvi zählt nur 5.500 Einwohner. Über dem beschaulichen Yachthafen thront die Zitadelle, die an die Herrschaft der Genuesen erinnert.

Die Festung bietet einen tollen Rundblick auf die sichelförmige Sandbucht von Calvi. Wobei sich der kilometerlange Badestrand vor allem bei Familien großer Beliebtheit erfreut. Calvi ist auch ein idealer Ausgangspunkt für ausgedehnte Erkundungstouren. Ausflüge führen unter anderem nach Bastia, in die quirlige Metropole von Nordkorsika. Besonders sehenswert: Corte im alpin geprägten Zentrum der Insel. Für Wanderer gilt die alte Hauptstadt als Tor zu äußerst attraktiven Zielen, etwa zum „Matterhorn Korsikas“ (Paglia Orba) oder ins viel besungene Restonica-Tal.

Imposante Filmkulisse für „Die Schatzinsel“

Fotomotive der Superlative findet man schließlich im Westen – den höchsten Pass der Insel (Col de Verghio), die spektakulärste Schlucht (Spelunca) und nicht zuletzt die filmreifste Kulisse (Calanche-Felsen, wo Szenen für „Die Schatzinsel“ gedreht wurden). Die steile Westküste, die sich in der Region Porto atemberaubend präsentiert, steht wegen ihrer Einzigartigkeit unter teilweisem Naturschutz. Wie überhaupt der Bau von Hotelburgen als absolut tabu gilt. Damit Korsika so bleibt, wie es ist – wild und schön.

Flüge und Infos

Anreise. Direktflug Wien – Calvi – Wien mit FlyNiki ab Ende April jeden Sonntag.

Infos. Anlaufstelle für Auskünfte: Atout France, info.at@france.fr, ( 01/503 28 92, www.france.fr, www.visit-corsica.at (deutschsprachige Webseite).

Hoteltipp. Das Feriendorf „Zum Störrischen Esel“ liegt mitten im „Garten Korsikas“, in der Balagne, und ist von einem sieben Hektar großen Naturpark umgeben. Ein flach abfallender Sandstrand befindet sich in unmittelbarer Nähe. Calvi ist nur ein paar Gehminuten entfernt. Die Betreuung der Gäste erfolgt durch ein deutschsprachiges Team. Die erweiterte Halbpension (ab 799 Euro pro Woche inklusive Flug) umfasst Frühstück und Abendessen in Buffetform sowie auch ein Mittagsangebot (www.stoerrischeresel.com).

Ausflüge. Für Gäste des Feriendorfs „Zum Störrischen Esel“ werden täglich zwei bis drei Touren angeboten. So gibt es etwa Busfahrten in den Norden (Cap Corse und Bastia), in den Westen (Motto „Naturwunder“), eine kombinierte Bus- und Zugtour nach Corte und Vizzavona, Wanderungen in den Bonifatu-Wald, ins Fangotal und in die Balagne-Dörfer sowie Berg- und Radtouren.

Buchungen. Spezialist für Korsika ist „Rhomberg Reisen“ (www.rhomberg-reisen.com), 6850 Dornbirn, Eisengasse 12, 05572/22420-0.