Erstellt am 05. Dezember 2016, 11:24

von Christiane Buchecker

Kapstadt: Bunt und verführerisch. Kapstadt feiert das Leben regenbogenfarben mit vielfältiger Kultur, Natur und Kulinarik.

„Die Europäer haben die Uhr, wir die Zeit“, so ein afrikanisches Sprichwort. Gelassen und entspannt sein: Die Stewardessen der Ethiopian Airline leben es vor, das Bodenpersonal am im Umbau befindlichen Flughafen der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, dem Zwischenstopp auf dem Weg nach Kapstadt, ebenfalls. Mit einem Lächeln über den Dingen stehen – ein wunderbarer Willkommensgruß für die Auszeit in der Mutterstadt Südafrikas, wie Kapstadt auch genannt wird.

In früheren Zeiten war hier der alte Hafen, heute ist die V & A Waterfront das angesagte Einkaufs- und Vergnügungsviertel im Zentrum der Stadt. Wo sich die alten Lagerhallen befanden, sind heute zahlreiche hippe Restaurants, Bars und Cafés, Boutiquen namhafter Designer und kleine, charmante Läden mit Kunsthandwerk und Schmuck angesiedelt. Während die Schiffe im Hafen an- und ablegen – man kann hier auch die Bootstouren nach Robben Island, wo Südafrikas erster schwarzer Präsident Nelson Mandela 18 Jahre lang inhaftiert war, buchen –, pulsiert das Leben in den Straßen, Tag und Nacht. Unbeeindruckt vom Trubel zeigen sich zwei Robben, die an ihrem angestammten Platz an der Waterfront die Sonne genießen.

Das tut offensichtlich gut und macht Laune, es ihnen gleichzutun auf der Terrasse des Hotels „Table Bay“ bei einem Glas Sekt. Und da ist er: Der Blick fällt unausweichlich auf den Tafelberg, der über der Stadt thront. Standortwechsel drei Stunden später, mit entgegengesetzter Aussicht vom Plateau des 1.086 Meter hohen Tafelbergs auf Kapstadt und die ganze Kap-Halbinsel. So klar die Sicht noch in einem Moment ist, so schnell wird sie getrübt durch einen Wolkenschleier, der sich wie ein weißes Tischtuch über den Berg legt. Die Tafel ist angerichtet für fast 1.500 Pflanzenarten, zwischen denen sich Scharen an „Rock Dassies“ (kaninchengroße Verwandte der Elefanten) tummeln und sich wie Models in Pose werfen für die Erinnerungsfotos der Touristen. Runter vom Berg geht es wieder mit der Seilbahn, rauf auf die Hügel von Bo-Kaap, einem der ursprünglichsten Stadtbezirke Kapstadts, mit dem Auto. Ein rotes, ein gelbes, ein grünes, ein blaues Haus. Kunterbunt stehen sie in Reih und Glied nebeneinander, die unterschiedlichen Farben dienten früher zur Orientierung für jene, die nicht lesen konnten.
Faldela Tolker steht schon vor ihrem lila getünchten Haus und wartet auf ihre Kochschüler, denen sie vor allem die würzige kapmalaiische Küche näher bringen will. „Hände waschen“, so das strenge Kommando der Chefköchin, und los geht es. Das Kochen macht Spaß. Ebenso, wenn nicht noch mehr, das Plaudern mit der taffen Lady, die das Kochen von ihrer Mutter gelernt hat. Eine „Family Affair“ nennt sie es. Die mitgekochten Samosas, mit Fleisch gefüllte Teigtaschen, schmecken köstlich – Faldela hat ja auch ihre spezielle Gewürzmischung dazugegeben. Die Verführung zum Schluss sind Koeksisters, ein wirklich süßes, frittiertes Gebäck aus Hefeteig.
Gestärkt und gut gelaunt steht nun eine Erkundung des Zentrums auf dem Programm. Joe, väterlicher und kompetenter Reisebegleiter und Kapstädter mit Leib und Seele, führt durch seine Stadt, geht mit durch den Company‘s Garden, vorbei am South African Museum und die pulsierende Long Street entlang. Der Besuch des District Six Museums ist für Nelson-Mandela-Fans ein selbst auferlegtes Muss. Es gibt Zeugnis von der damaligen Ausgrenzungspolitik – 1966 wurde der District zum Gebiet nur für Weiße erklärt, und 60.000 Farbige mussten ihr Zuhause verlassen und wurden in die Townships umgesiedelt.

Arm und reich, Pflanzen- und Tierwelt

Die Townships gibt es heute noch – Mike Zuma bietet Führungen durch Langa, einen dieser Vororte, an. Er ist einer von ihnen, erzählt von den Schwierigkeiten, mit denen die Bewohner tagtäglich zu kämpfen haben, von der Schere zwischen Arm und Reich, aber viel mehr von den positiven Dingen wie dem neuen Kulturzentrum, der Schule und dem Sportplatz. Respektvoll und mit Respektabstand durch die Straßen gehen, zur Schau soll und wird hier niemand gestellt. Ein Teil des Geldes von den Führungen kommt übrigens den Bewohnern zugute.
Ein buntes Nebeneinander von Nationen, Kulturen und Kulinarik in der Stadt, eine ebenso bunte Pflanzen- und Tierwelt vor den Toren der Stadt. Erstes Highlight ist der botanische Garten Kirstenbosch. 100 Gärtner betreuen das rund 40 Hektar große Paradies. Prachtvoll blüht hier die Nationalblume Protea in allen Farben und Größen, bevölkert von Bienen und Vögeln.

Apropos Tierwelt: 3.000 Schnäbel zählt die Pinguinkolonie am Boulders Beach, und da sind auch noch die Robben vor der Hout Bay und – ein unvergessliches Erlebnis – die Wale in der Bucht von Hermanus. Die sanften Riesen kommen zum Kalben und sind von Juni bis November in der Walker Bay anzutreffen. Mutter mit Kind kann man aus der Nähe bei einer Bootstour sehen. Geduld und aufgrund des Seegangs ein guter Magen sind gefragt. Doch dann tauchen sie auf, plötzlich, gigantisch. Das Jungtier ist gut gelaunt, springt hoch aus dem Wasser, immer wieder. Das Muttertier ist immer in der Nähe, ruft den Nachwuchs mit berührenden Lauten.

Ebenso wild und windig, aber deutlich magenschonender ist die letzte Station der Reise: das Kap der guten Hoffnung. Hier muss man einfach gewesen sein, die Eindrücke von der Wanderung zum südwestlichsten Punkt Afrikas bleiben lange in Erinnerung.
Abends dann noch einmal Südafrika am Teller und im Glas – Weine in Rot, Weiß und Rosé, manchmal auch prickelnd, wie Südafrika selbst.