Erstellt am 30. September 2012, 19:16

Nur keine Hektik …. Deutschlands Ostsee-Küste / Mecklenburg-Vorpommern und die vorgelagerten Inseln, wie Rügen oder Usedom, versprechen Erholung und spannende Entdeckungsreisen.

Die kilometerlangen Sandstrände auf Usedom und Rügen laden zum Sonnenbaden oder Flanieren ein.  |  NOEN
Von Stefan Jedlicka

„Wat quietscht, bremst noch, nä?“ lacht Brigitte Will, als ihre Pferdekutsche lautstark in die Strandpromenade von Heringsdorf einbiegt. Auf ihrer ganz persönlich gestalteten Tour zeigt das immer gut gelaunte Original Touristen „ihre“ Kaiserbäder an Deutschlands Ostsee-Küste. Herzlich wie Brigitte Will heißen alle hier im Norden ihre Besucher willkommen. Die Ostsee-Küste ist mit frischem Wind, kilometerlangen Sandstränden und viel Ruhe so etwas wie der entschleunigte Gegensatz zu
Italiens Adria-Küste – einen Besuch aber allemal wert.

Neben Muscheln und geschliffenen Glasscherben wird hier auch Bernstein angespült. Selbst im Hochsommer klettert das Thermometer nicht über 25 Grad. Aber in den zahllosen Strandkörben kann man auf den Inseln Usedom und Rügen trotz frischer Brise wunderbar die Sonne genießen.

Die Seebrücke in Ahlbeck ragt meterlang in die Ostsee. Ein beliebter Ort zum Flanieren und Seelebaumeln lassen. Wohin das Auge blickt: prachtvolle Villen im „Bäderarchitektur“-Stil. Auch Kaiser Wilhelm II. urlaubte zur Jahrhundertwende hier – und selbst Österreichs Franz Josef stieg in Heringsdorf ab. Berühmtheiten der heutigen Zeit bevorzugen das Usedom Palace Hotel in Zinnowitz. Dort weilten schon Pierce Brosnan, Kim Cattrall und Roman Polanski.

Radeln auf den Spuren 

Die „Bäderarchitektur“ mit ihren filigranen Fassaden, verspielten Erkern und weißen Holzbauten ist in den Kaiserbädern wunderbar erhalten. Behutsam begann man nach der Wende mit dem Renovieren und brachte die historischen Gebäude wieder auf Vordermann. Die Strandpromenade, auf der früher die Reichen und Adeligen beim Schlendern um Aufmerksamkeit buhlten, ist heute Fahrrad- und Flaniermeile. Kleine Stände und Konzert-inseln bieten Abwechslung und erfreuen Besucher auf dem Weg zum Strand.

Usedom, die zweitgrößte Ostsee-Insel (ein Sechstel gehört zu Polen), lockt mit vielen Angeboten. Alleine elf Wellnesshotels sorgen auch in der Nebensaison dafür, dass sich Urlauber richtig entspannen können. Wer nicht nur faulenzen will, der sollte sich aufs Rad schwingen. Ob
auf dem 40 Kilometer langen Küstenradweg oder auf den Spuren des deutsch-amerikanischen Malers Lyonel Feininger, der jahrelang auf Usedom lebte und arbeitete. Auf insgesamt 150 Kilometer Radwegen findet sich für jeden das Passende.

Wem die Beine schwer werden, der fährt mit der Bahn weiter. Der „Rasende Roland“ steht mit 30 km/h Höchstgeschwindigkeit und Ruß qualmender Dampflok für das Lebensgefühl des Nordens. Und wer Energie nachtanken muss, genießt im Restaurant Stellwerk regionale Geheimnisse. Alte pommersche Rezepte interpretiert Koch Jörg Gleissner neu – und das im Ambiente historischer Waggons.

Als „Tor nach Rügen“ liegt die Hansestadt Stralsund am Festland Mecklenburg-Vorpommerns. Die neugotischen Backsteingebäude machten die Stadt zum UNESCO-Welterbe. Als Blickfang wartet im Hafen die „Gorch Fock“ auf Spenden für eine Restaurierung.

Auf Rügen, der größten der Ostsee-Inseln, lohnt sich ein Ausflug in den Nationalpark Jasmund. Durch die Buchenwälder (UNESCO-Weltnaturerbe) geht es zum Königsstuhl, einem Kreidefelsen, der schon Maler Casper David Friedrich faszinierte. Mit ein wenig Glück finden Eifrige am Strand Feuersteine. Hat so ein Steinchen ein Loch in der Mitte, wird es zum „Hühnergott“. Einmal durchschauen soll ein Jahr lang Glück bringen!