Erstellt am 09. April 2013, 15:35

Riga: die Perle des Baltikums. Seit 1997 zählt Riga nun zu den Weltkulturerben der UNESCO, und ein Besuch bestätigt: Zu Recht!

 |  NOEN, Thomas Wolff
Von Thomas Wolff

Die Hauptstadt Lettlands und mit rund 700.000 Einwohnern größte Stadt des Baltikums besticht seine Besucher vor allem durch seine wunderschöne und gut erhaltene Architektur im Jugendstil.
Nach dem Abriss der Stadtmauer Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die an den Ufern der Düna gelegene Stadt, begünstigt durch den wirtschaftlichen Aufschwung zur Jahrhundertwende, zu einem städtebaulichen Juwel. Auf jedem Schritt durch die Straßen begegnet man den prunkvoll verzierten Häusern des Art nouveau. Namhafte Architekten konnten hier ihre Kreativität ausleben, auf die Spitze trieb es wohl Michail Eisenstein, Sohn des sowjetischen Regisseurs Sergej Eisenstein. Die Fassaden der von ihm geschaffenen Häuser verschwinden fast völlig hinter Frauenköpfen, Tierskulpturen, Fabelwesen, Blumen und Ornamenten.

Am Beeindruckensten wohl die Alberta iela (Albert Straße), in der sich nahtlos ein Haus dieser Epoche an das andere reiht, alleine Eisenstein hat hier sechs seiner schönsten Ideen verwirklichen können. Am Ende des Spaziergangs findet man hier auch das Jugendstilmuseum, in dem sich die wohl umfassendste Sammlung von Gegenständen dieser Kunstepoche befindet. Von Kleidungsstücken und Accessoires der feinen Gesellschaft über feinstes Tafelgeschirr bis hin zu einfachen Haushaltsgegenständen ist hier alles zu bestaunen. Und selbst die Museumsführerinnen versetzen den Besucher mit ihren zeitgenössischen Kleidern für einen Moment in die gute alte Zeit.

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Und auch sonst bietet die lettische Hauptstadt viele historische Sehenswürdigkeiten: Der Rathausplatz mit St.-Petri-Pfarrkirche, Rolandstatue und Schwarzhäupterhaus, das Kalnciems-Viertel mit seinen wunderschön restaurierten Holzhäuser, der aus dem 17. Jahrhundert stammende Pulverturm oder der im florentinischen Stil erbaute Sitz des Staatspräsidenten. Oder bummeln Sie durch die Tornu iela, in den wie an einer Perlenkette aneinander gereihten renovierten kleinen Häuser der ehemaligen Jacobskaserne finden Sie nun zum Stöbern einladende Lädchen und zum Verweilen einladende Lokale. Nicht versäumen sollten Sie auch den Zentralmarkt im ehemaligen Zeppelinhangar, das bunte Angebot an Fleisch, Fisch und Gemüse wird Ihnen nicht nur das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, dort gehen Ihnen auch die Augen über. Eine Besonderheit wird Sie sicher erstaunen: Werden die meisten Kirchen hier doch nicht durch Kreuze geschmückt, auf den Turmspitzen sehen Sie Hähne! Behaupten lettische Sagen zwar manchmal, es wären die Wächter der Stadt, so hatte das einen eher profanen Hintergrund. Auf Drehachsen montiert erfüllten die goldenen Hähne einen praktischen Zweck, sie zeigten den Kapitänen in der Segelschiffzeit die Windrichtung an. Nur ein einziges Haus erstaunt dann den Spaziergänger, auf dem „Katzenhaus“ in der Meistaru iela sieht man auf den beiden Türmen buckelnde Katzen. Die Rache des Erbauers, weil man ihn nicht in die Große Gilde aufgenommen hatte.
Und dann heißt es erstmal „Èau!“, aber Sie werden sicherlich wiederkommen.

x  |  NOEN, Thomas Wolff


Riga kulinarisch
Die traditionelle lettische Küche ist eher bodenständig, herzhaft und schwer. Vor allem in der Hauptstadt Riga haben die jungen Gastronomen nun aber auch eine neue, moderne Esskultur entwickelt. Sie vereint die landestypischen Spezialitäten mit neuen Ideen und ist immer für eine Überraschung gut.
Im „3 paváru restoráns“ klären die drei Chefs Janis, Eriks und Martinš Sie gerne über die Lebensmittel und deren Geschmack auf. So lautet das Motto des in der Torna iela 4 gelegenen Lokals auch „Tam labam bus augt“ („Es muss gut wachsen“). Serviert werden die Mahlzeiten auf einem Papierbogen oder einer Granitplatte, malerisch angerichtet. Auf Wunsch gibt es natürlich auch Teller.

Das „Kitchen“ in der Maskavas iela 12 liegt im Speicherviertel, dem neuen Kunst- und Kulturzentrum Rigas, und serviert ausschließlich frische, in Lettland erzeugte Produkte. Und Sie können hier nicht nur á la Carte essen, bummeln Sie vorher über den nahe gelegenen Zentralmarkt und suchen sich selbst ihren Fisch, ihr Fleisch, oder was sie so mögen, selbst aus. Der Chef bereitet es ihnen dann schmackhaft zu, frischer und individueller geht es nicht!
Zwei Dinge müssen Sie übrigens unbedingt versuchen: Das schwarze lettische Roggenbrot. Und zum Abschluss einen Melnais balzams (Schwarzer Balsam), den lettischen Kräuterlikör aus 24 Zutaten!

Reisetipps
  • Anreise: Die airBaltic fliegt täglich ein- bis zwei Mal von Wien nach Riga. Sie hat derzeit insgesamt 25 Flugzeuge in Betrieb und wurde 2012 als pünktlichste regionale Fluggesellschaft Europas ausgezeichnet. http://www.airbaltic.de www.airbaltic.de

  • Beste Reisezeit: Mai bis Oktober, Frühsommer und Herbst bieten meist ein recht angenehmes Klima. Die kalten Wintermonate und die wechselhafte Zeit des Frühlings sollte man meiden.

  • Hoteltipp 1: Das nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernte Dreisternehotel Valdemars der schwedischen Clarion Collection-Kette ist stilvoll eingerichtet und verfügt über insgesamt 83 Einzel- und Doppelzimmer verschiedener Größen, Familienzimmer und eine Präsidenten-Suite. Im hoteleigenen Restaurant wird ein Frühstücks-, Mittags- und Abend-Buffet angeboten. http://www.valdemars.lv/hotel-Riga

  • Hoteltipp 2: Das Viersternehotel Neiburg im Art nouveau-Stil liegt direkt in der malerischen Altstadt, es bietet 55 geschmackvoll eingerichtete Apartments von 23 bis 62 Quadratmetern sowie einen Wellnessbereich. Im gleichnamigen À la Carte-Restaurant werden lettische und internationale Spezialitäten serviert. http://www.neiburgs.com


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