Erstellt am 02. Juli 2012, 00:00

Spaziergänger. VON GERTRUDE SCHOPF

 |  NOEN
x  |  NOEN

VON GERTRUDE SCHOPF

Historische Paläste und Mauern, die für die Ewigkeit erbaut wurden, 350 Kirchen (für jeden Tag eine …), viel karge, steinige Landschaft, aber auch jede Menge landwirtschaftliche Flächen, die zweimal im Jahr abgeerntet werden können. Daneben Sandstrände und bizarre felsige Küstenformationen, aber auch städtisches Flair mit regem Verkehr und abendlichem Trubel, wo Schüler und Studenten aus aller Herren Länder ihr Englisch in den Sprachschulen verbessern. Und zahlreiche Restaurants mit vorwiegend mediterraner Küche – wer Malta in all seiner Vielfalt kennenlernen möchte, muss wohl ein paar Mal herkommen!

Überall findet man das Malteserkreuz – Malta ist stolz auf seine Geschichte, die sich über zahlreiche Eroberer, die prägende Herrschaft des Johanniterordens und zuletzt die Mitgliedschaft beim Commonwealth bis zur Unabhängigkeit erstreckt.

„Malta ist das Hollywood des Mittelmeeres“, behauptet Rita, unsere Führerin – die Insel wird als Filmdrehort seit Jahrzehnten geschätzt, vor allem die Strände, die zerklüftete Küste und das türkisblaue Meer bilden die Kulisse für beispielsweise „Gladiator“ oder „Troja“ mit Stars wie Russell Crowe und Brad Pitt.

Ein Muss ist der Besuch der alten Hauptstadt Mdina, die „stille Stadt“ genannt, weil hier nur noch 270 Einwohner leben (und kaum Autos die Ruhe stören). Auf einem Hügel fast quadratisch angelegt, mit unüberbrückbaren Außenmauern und einem tiefen Graben rundherum, gleicht sie einem befestigten Fort. Durch drei Eingänge kann man die Stadt betreten – und sich sofort vorstellen, dass dieser Ort als Zufluchtsstätte einst ihren Zweck erfüllte. Die Häuser und Paläste, in den typischen gelb-braunen Kalkstein-Quadern erbaut, wirken unnahbar, bis auf drei Meter Höhe fensterlos, oft mit Vorhof und Innenhof ausgestattet, um so das Tageslicht einzufangen. „Aber die Bewohner hier sind offen und freundlich“, versichert Rita und weist auf die markanten Türklopfer an den Häusern hin: Fast überall sind Messingdelfine angebracht, einzeln oder im Paar – es sind „freundliche lächelnde Delfine“, so Rita.

Schön langsam beginnt man, die alten Palazzi zu renovieren und als wunderschöne Boutique-Hotels und die Innenhöfe als Cafes und Restaurants zu nutzen. Der „Palazzo de Piro“ ist ein gelungenes Beispiel für eine solche Revitalisierung.

Ganz anders die Hauptstadt Valetta. Breite Straßen, die bergauf, bergab führen (die Malteser selbst vergleichen ihre Stadt mit San Francisco …), mit den typischen flachen Stufen entlang den Häuserreihen (Rita: „Die Ritter früher konnten in ihren hohen Stiefeln keine hohen Stiegen erklimmen!“), ausgedehnte gestaltete Plätze, der Großmeister-Palast, Sitz der maltesischen Regierung, und natürlich St. John’s Co-Cathedral, die bedeutendste Kirche der Stadt, wie eine Festung erbaut. Der Johanniterorden hat sich hier ein Denkmal gesetzt, die Malteserritter sind unter den 375 marmornen Bodenplatten begraben. Im anschließenden Museum ein Besuchermagnet: das berühmteste Caravaggio-Gemälde „Die Enthauptung des Johannes“.

Ein paar Ecken weiter: die über 400 Jahre alte Casa Rocca Piccola, Wohnsitz von Nicholas de  Piro, 71 Jahre alt und ein profunder Kenner und witziger Erklärer der Historie Maltas, wenn man das Glück hat, den Marquis persönlich durch seinen Palast begleiten zu dürfen. Er zeigt zwölf der insgesamt 50 Räume des Palastes, die voll sind mit Mobiliar, Aufzeichnungen, Erinnerungstücken und Familienporträts, zu denen der Hausherr eine Anekdote erzählen kann. Er beendet die Führung im Keller, der mit der großen Zisterne und seinen verwinkelten Gängen Ausgangspunkt einer riesigen Tunnel anlage ist, die ganz Valetta unterirdisch verbindet.

Kennen lernen muss man auch die Nachbarinsel Gozo, mit der Autofähre rasch erreichbar. Die Malteser machen hier Urlaub, es gibt nur eine größere Stadt, Victoria (alle Straßen führen hier durch), in jedem Dorf steht eine beeindruckende Kirche. In der Dwejra-Bucht eines der meistfotografierten Sights der Insel: das „blaue Fenster“, eine bizarre Felsformation, durch die das türkise Wasser schäumt.