Erstellt am 07. Mai 2012, 00:00

und Genuss. der Region Midi-Pyrénées zur Rundereise durch Südwest-Frankreich.

 |  NOEN

VON PETER GRUBER

Komplexe? Eine Schönheit wie Toulouse? „Früher, deshalb haben reiche Bürger die Backsteine überputzt“, erklärt der Guide. Backstein, gewonnen aus dem Schlamm der Garonne – einst billiger Baustoff, heute Alleinstellungsmerkmal der rosafarbenen Städte Toulouse, Albi und Montauban in Südwest-Frankreich!

Toulouse, die Hauptstadt der Region Midi-Pyrénées, der größten Frankreichs – über den Canal du Midi mit dem Mittelmeer verbunden, über die Garonne mit dem Atlantik. Durch die blauen Blüten des Färberweids wurde die Stadt im Mittelalter reich. Der Zahn der Zeit mag seither an den Häusern und Türmchen, die Reichtum und Macht zeigten, genagt haben – der viertgrößten Stadt Frankreichs verlieh das Charme und Charakter. Knapp 100.000 Studenten füllen sie heute mit Leben, dennoch atmet man mit jedem Zug Geschichte. Thomas von Aquin fand im Kloster Les Jacobins seine letzte Ruhe – eingebettet im roten Licht der südlichen Fenster und im blauen der nördlichen. Die romanische Basilika St. Sernin lockt die Jakobspilger.

Ein Zimmer im Hotel Grand Balcon, nahe dem Rathaus, steht für den Aufbruch in die Moderne. Antoine de Saint-Exupéry – Autor, „Der kleine Prinz“ – wohnte hier, als er für die Aéropostal über den Atlantik flog. Das praktisch unveränderte Zimmer kann gebucht werden. Heute ist die Luftfahrt wichtigster Wirtschaftszweig, Airbus größter Arbeitgeber. In Riesenhallen wird der A380 gebaut, spannender ist aber der Flugzeugfriedhof von Ailes Anciennes. Seit 32 Jahren werden ausrangierte Flieger restauriert und ausgestellt – von der Concorde bis zum Draken.

Keine Autostunde von Toulouse entfernt liegt Albi. Im Mittelalter gab es den ketzerischen Albigensern ihren Namen, deren Verfolgung durch Papst Innozenz III. 1209 zum ersten innereuropäischen Kreuzzug führte. Erstaunen und Ehrfurcht mischen sich vor der Kathedrale Sainte Cécile. „Im Gegensatz zu den Ereignissen in Lourdes, ein wahres Wunder“, meinte Kurt Tucholsky über den Backsteinkoloss, in dessen Inneres reiche Deckenfresken und die größte mittelalterliche Darstellung des Jüngsten Gerichts locken.

Freudenmädchen  im Bischofssitz

 

Der ehemalige Bischofssitz ist heute dem berühmtesten Sohn der Region gewidmet: Henri de Toulouse-Lautrec. Nach zehn Jahren Umbau ist sein Museum wieder zur Gänze geöffnet, zeigt die Pferdebilder aus dem Frühwerk ebenso wie die Darstellungen der leichten Mädchen von Paris und die Plakate der Stars des Fin de siecle.

Um Albi: Die „Toskana Frankreichs“, sanfte Weinberge, auf denen die Trauben für den Gaillac wachsen, und in die Landschaft versprengte, verträumte Gutshöfe. Wie das Château de Salettes in Cahuzac-sur-Vere, heute ein Hotel mit Sternekoch.

Typisch für die Region sind die Bastiden – im Mittelalter als Abwehrbollwerke auf den Hügeln angelegt, laden sie zu faszinierenden Spaziergängen durch pittoreske Gässchen ein. Etwa Montauban mit seiner bewegten – weil protestantischen – Vergangenheit. Oder wie Cordes sur Ciel, das im morgendlichen Nebel wirkt als würde es in den Himmel (franz.: ciel) ragen. Oder Moissac, für Pilger Station auf dem Jakobsweg. Die Abtei St.
Pierre beheimatet hier den ältesten Kreuzgang der Welt, in einen Nebenraum lockt eine Reliquie des heiligen Jakobus höchstselbst: sein Daumen.

Der Franzose isst nicht, um zu leben – er lebt, um zu essen. Dem Klischee wohnt mehr als ein Funke Wahrheit inne: 24 Sterneköche machen Midi-Pyrénées zu einer kulinarischen Entdeckungsreise. In Toulouse betört der Markt Victor Hugo mit seinen Spezialitäten die Sinne.

Eine Reise in die Region ist seit April per Direktflug mit Air France von Wien nach Toulouse möglich. Eine Reise durch die Vergangenheit in die Gegenwart. Vor allem aber eine Reise durch Schönheit und zum Genuss …

DIE ROSAFARBENEN STÄDTE / Nicht nur die aus Backstein erbaute Hauptstadt Toulouse lädt in

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