Erstellt am 29. Oktober 2013, 13:24

Vom Postschiff zum Luxusliner. Hurtigruten – Die "schönste Seereise der Welt", die Fahrt zwischen Bergen und Kirkenes, wurde mit einem saisonal abgestimmten Ausflugsprogramm erweitert. Die norwegische Inselwelt in leuchtenden Farben kann im Herbst entdeckt werden.

Die Hurtigrutenschiffe sind eine Kombination aus Nahtransport und Luxusliner. Die neue Generation der Hurtigruten-Flotte wurde mit allem ausgestattet, was ein modernes Kreuzfahrtschiff benötigt: Wellness-Einrichtungen, Fitnessraum, Sauna und Whirlpool, aber auch Bars, Cafés, Geschäfte und Bibliothek.  |  NOEN, Christa Hochpöchler
Von Christa Hochpöchler

Das rot-weiß-schwarz gestreifte Schiff „MS Trollfjord“ schaukelt sanft entlang der zerklüfteten Küste Norwegens. Das goldene Licht des Sonnenaufgangs blinzelt durch das Bullauge in die Kabine und taucht die vorbeiziehende Landschaft in ein warmes, kontrastreiches Licht. Der Wind ist frisch am offenen Deck, trotzdem bestaunen die Passagiere die grandiose norwegische Küstenlandschaft unter einem Himmel mit dramatischen Wolkenformationen.

120 Jahre sind vergangen, seit das erste Schiff der Hurtigruten, die MS Vesteralen, in Dienst gestellt wurde. Früher waren diese Postschiffe die einzige Möglichkeit, Fracht und Post ins fast menschenleere Nordland zu transportieren. Heute ist das Reisen mit Hurtigruten, der „schnellen Linie“ Norwegens, ein spektakuläres Kreuzfahrterlebnis.

Auf dem Weg in den Norden ...

Jeden Abend verlässt ein Schiff den Hafen der ehemaligen Hansestadt Bergen, um ihren Weg nach Norden anzutreten. Schon am nächsten Morgen versteht man, warum das neue Programm der Hurtigruten „Autumn Gold – Herbstgold“ genannt wurde. Die klare Luft lässt das herbstliche Rot und Gelb der Küstenlandschaft noch intensiver leuchten. Ausschließlich in dieser Jahreszeit wird der malerische Hjorundfjord angesteuert. Von Deck sieht man die majestätischen Berge, die sich mehrere Hundert Meter direkt aus dem Meer erheben. Das Schiff ankert knapp vor Urke, einem Dörfchen fern von jedem Tourismusrummel.

Schon Kaiser Wilhelm II wusste die wildromantische Gegend und das verspielte Hotel Union Oye zu schätzen, wo heute den Hurtigruten-Gästen lokale Spezialitäten serviert werden.
Ein kulinarisches Verwöhnprogramm erwartet die Passagiere auch an Bord. Während morgens und mittags vielfältige Buffets zubereitet werden, wird am Abend ein Gourmet-Menü serviert, das auf die Jahreszeiten und die Region abgestimmt ist. Von der Königskrabbe über Stockfisch bis zum Ziegenkäse – alle Zutaten stammen von lokalen Anbietern und überzeugen durch Frische, Geschmack und Qualität.

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Polartaufe am nördlichsten Punkt

Auf der Route Richtung Norden erreicht die „MS Trollfjord“ die Jugendstilstadt Alesund. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1904 musste per Beschluss des damaligen Stadtsenates der Wiederaufbau in Stein und Ziegel durchgeführt werden. Baumeister aus ganz Europa haben Alesund das Antlitz im Jugendstil gegeben. Typisch skandinavisch, mit den farbenfrohen Holzhäusern wirkt hingegen die Stadt Trondheim, wo die „Trollfjord“ am nächsten Tag anlegt. Auch hier wartet eine Fülle von Aktivitäten auf die Besucher. Der Besuch der Insel „Munkholmen“ mit seiner geschichtsträchtigen Vergangenheit ist nur eines der vielen attraktiven Ausflugsziele.

Um genau 7.07 Uhr am Morgen am vierten Tag der nordgehenden Route, passiert das Hurtigrutenschiff den Polarkreis 66°33`51`` Nord. Eine Weltkugel an der Küste markiert diesen Punkt. Am Nachmittag lädt der Kapitän zur Polartaufe. Gemeinsam mit dem Meeresgott Neptun „tauft“ er die Polarneulinge. Ein riesiges Fass mit Eiswasser und Eiswürfeln steht bereit, eine große Kelle davon wird den wagemutigen Polartäuflingen in den Nacken geschaufelt. Nach diesem kalten Vergnügen lockt das 39 Grad warme Whirlpool am Freiluftdeck. Sowohl Sauna als auch Fitnessraum sind mit riesigen Panoramafenstern ausgestattet, damit kein Blick auf die nun rauer werdende Landschaft verpasst wird.

Ein weiteres Abenteuer wartet in Bodo. Hier liegen Schnellboote vor Anker, der Ausflug führt zum Saltstraumen, dem stärksten Gezeitenstrom der Welt. Geschützt durch einen dicken Overall wird mit 40 Knoten, was ca. 75 km/h entspricht, zunächst der Fjord überquert. In der Meerenge zwischen den Inseln Straumen und Straumøy werden im Wechsel der Gezeiten rund 400 Millionen Kubikmeter Wasser durchgepresst. Dabei entstehen mächtige Strudel, die mit dem Schnellboot sicher passiert werden.

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Zurück am Schiff überquert man den Vestfjorden und nähert sich dem 100 Kilometer langen, scharfkantigen Gebirgszug der Lofoten. Wie eine riesige Mauer ragen die kargen Felsen aus dem Meer, von Weitem scheint die Durchfahrt unmöglich. Kapitän Roy Pedersen führt sein Schiff routiniert durch die faszinierende Gebirgslandschaft. Inzwischen ist es dunkel geworden, der schmale Trollfjord, der die Lofoten von den Vesterålen trennt, wird angesteuert. Riesige Scheinwerfer werfen ihr Licht auf die enge Mündung des Fjords. Staunend beobachten die Passagiere das Manöver vom obersten Deck, Trollsuppe und Trollschnaps werden serviert.

Erst nach mehreren Trollschnäpsen werden von den ersten Passagieren Trolle entdeckt. Gespenstisch erscheint ein grünes Licht zwischen den Wolken, das immer stärker wird und dann wie eine Gardine den Nachthimmel überzieht – ein Nordlicht! Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist klar: Die nächste Reise mit dem Postschiff ist beschlossene Sache.

Infos dazu:
www.seetour-austria.at
www.hurtigruten.de

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