Erstellt am 08. November 2010, 07:33

Vorbild für das Paradies. MAURITIUS / „Faire le Dodo!“: Mach es wie der legendäre Vogel „Dodo“ und genieße eine der schönsten Inseln der Welt.

 |  NOEN
VON WOLFGANG TROPF

„Zuerst wurde Mauritius geschaffen und dann erst das Paradies – und zwar das Paradies nach dem Vorbild von Mauritius“, schrieb Mark Twain im Jahr 1897.
Der weit gereiste Schriftsteller meinte damit zwar nur den Stolz der Mauritier auf ihre Heimat, aber die Tourismuswerbung ist ihm trotzdem unendlich dankbar für diesen Satz und benutzt ihn gerne bei jeder Gelegenheit.
Natürlich wissen die Mauritier, dass ihre Insel kein „Garten Eden“ auf Erden ist und es auch zu den Zeiten von Mark Twain nicht war. Doch für Strandurlauber, die von schneeweißen Stränden und türkisblauem Meer unter einem Himmel ohne Wolken träumen, ist Mauritius heute sehr wohl ein Paradies.

Jedenfalls bietet die nur 64 mal 47 Kilometer kleine Vulkaninsel im Indischen Ozean dem Besucher viel Exotik ohne die „exotischen“ Schattenseiten so vieler Urlaubsziele. Riesige Hotelburgen gibt es ebenso wenig wie zweifelhafte Vergnügungsmeilen, und Charterflüge sind noch immer eine Seltenheit. Denn die Einnahmen aus dem Zucker-Export haben es Mauritius bisher gestattet, großzügig auf Massentourismus und Touristenmassen zu verzichten.

Villa mit Pool und Butler oder gemütliche 3 Sterne
Die gut 180 Kilometer Strand, die durch Korallenriffe bestens geschützt sind, gehören daher allein den Gästen der exklusiven Hotellerie. Diese hat sich die schönsten Buchten ausgesucht und wartet hier gegen entsprechende Bezahlung mit jedem erdenklichen Luxus auf – bis zur Villa mit privatem Pool und persönlichem Butler.
Doch es gibt auf Mauritius auch eine gar nicht so kleine Auswahl an „ganz normalen“ Unterkünften, die sich fast jeder leisten kann – wie das „Merville Beach“ in Grand Baie, ganz im Norden. Die familiäre Hotelanlage hat zwar nur drei Sterne, aber mit einem schönen Strand, einer hervorragenden Küche, gemütlichen Zimmern und einem herzlichen Personal so ziemlich alles, was ein gelungener Urlaub braucht. Und wer nach Mauritius fliegt, will ohnedies nur faulenzen und genießen – und das geht mit und ohne Butler.

„Faire le Dodo“, nennen das die Einheimischen. „Mach es wie der Dodo.“ Dieser große, tollpatschige Vogel ist zwar im 17. Jahrhundert ausgestorben, weil er irgendwann so dick wurde, dass er nicht mehr fliegen konnte, ist aber heute häufiger auf der Insel anzutreffen als je zuvor: klein und groß, aus Holz und aus Porzellan, auf T-Shirts, Taschen, Wandteppichen und sogar als Salzstreuer im Restaurant.
Wer hat da gesagt, auf Mauritius gibt‘s nur Strand und Zuckerrohrfelder? Beides ist reichlich vorhanden. Aber im Süden, zwischen bizarr geformten, bis zu 1000 Meter hohen Bergen, ist noch ein Rest jenes Urwalds erhalten, der einst die ganze Insel bedeckt hat.
Schöner als diese tiefgrüne Landschaft mit ihren längst erloschenen Vulkankegeln, tiefen Schluchten und malerischen Wasserfällen ist höchstens der idyllische Seerosen-Teich im Botanischen Garten von Pampelmousse, der ebenso Ziel vieler Ausflüge ist wie Grand Bassin mitten in den Bergen. Weil das Wasser des „Heiligen Sees“ angeblich mit dem indischen Ganges verbunden ist, wird der Tempel an seinem Ufer alljährlich im Februar zum Wallfahrtsziel für bis zu 300.000 Hindus aus aller Welt, die hier ihre Opfergaben hinterlassen – sehr zur Freude der frechen und stets hungrigen Tempel-Affen.

Die Hauptstadt Port Louis mit ihren gut 160.000 Einwohnern ist zwar keine Schönheit. Aber dafür lässt sich die bunte Vielfalt an Völkern und Kulturen nirgendwo so hautnah erleben wie zwischen den Obst- und Gemüsebergen des alten Marktes: Inder und Engländer, Chinesen und Tamilen, Kreolen und Franzosen leben auf dieser Insel nach wie vor friedlich miteinander. Oder zumindest nebeneinander. Oft genug liegen hinduistische Tempel, buddhistische Pagoden, Kirchen und Moscheen keinen Steinwurf voneinander entfernt, und doch sind hier nie Steine geflogen.
Am Abend empfiehlt sich der Besuch eines heimischen Lokals. Denn die mauritische Küche ist so vielfältig und kosmopolitisch wie die Menschen, die sie genießen. Und wer Glück hat, erlebt dabei vielleicht auch einen „Sega“: Dieser aus Afrika stammende Sklaventanz mit seinem wilden Rhythmus fasziniert selbst in einer touristischen Vorführung – auch wenn seine traurige Geschichte nichts mit einem Paradies auf Erden zu tun hat.


THEMA: MAURITIUS
• Anreise: Air Mauritius fliegt jeden Mittwoch von München nach Mauritius (Flugzeit: ca. 10 Stunden) und bietet dazu Anschlussflüge ab/bis Wien mit Austrian Airlines oder einen Gratis-Parkplatz am Flughafen München. Als Alternative gibt’s jeden Montag und Freitag Flüge von Frankreich und Genf auf die Insel (www.air-mauritius.de).
• Beste Reisezeit: Mauritius hat immer Saison. Im Sommer (Nov. - April) liegt die Höchsttemperatur oft über 30 Grad, im Winter (Juni - Sept.) fast immer über 20 Grad.
• Hoteltipp: Die mauritische Hotelgruppe Naiade Resorts betreibt sechs Hotels auf Mauritius – vom 3-Sterne-Ferienhotel bis zum 5-Sterne-Luxusresort. Zwei weitere Naiade Resorts sind auf der Nachbarinsel La Réunion zu finden, und auch auf den Malediven wurde heuer ein neues 5-Sterne-Resort eröffnet (www.naiade.com).
• Veranstalter: Jumbo Touristik gilt seit vielen Jahren als Spezialist für Mauritius. Im neuen Katalog „Exotik“ sind die besten Adressen auf der Insel zu finden – ergänzt durch ein feines Angebot für Reunion, Seychellen, Malediven und Südsee (www.jumbo.at).