Erstellt am 11. April 2011, 07:55

Weißer Rausch. MARILLENBLÜTE / 2011 könnte in der Wachau ein sehr gutes Marillenjahr werden. Die Blüte jedenfalls ist dieser Tage auf ihrem Höhepunkt.

 |  NOEN, schauer63
VON CHRISTIAN BAYR

Anfang April hat sich die Wachau in ein weißes Blütenmeer verwandelt. Die Marillenblüte ist in vollem Gang. Nur wenige Tage noch kann man das einzigartige Naturschauspiel verfolgen. Wer die weiße Pracht persönlich erleben will, der muss sich beeilen – oder ins Weinviertel ausweichen.

Franz Reisinger, Obmann des Vereins zum Schutz der Wachauer Marille, hat dafür einen guten Rat. „In der Gemeinde Mühldorf im Spitzer Graben oder in Oberbergern oberhalb Mauterns blühen die Marillen am längsten.“
Von jetzt an dauert es nur mehr wenige Wochen, bis sich die ersten kleinen Früchte bilden. Und die sind – fast noch mehr als die ohnehin schon empfindlichen Blüten – besonders frostanfällig. Reisinger: „Im Vorjahr hatten wir im Frühling einen besonders starken Frost, was zu Ernteausfällen von bis zu 80 Prozent geführt hat.“ In normalen Jahren beträgt die Marillenernte in der Wachau rund 3000 Tonnen.
An die 100.000 Marillenbäume sorgen in der Wachau – auf einer Fläche von rund 400 Hektar – für eine unvergleichliche Blütenpracht und einen Früchterausch.

Der Name Wachauer Marille wird oft missbraucht
Geschätzte 250 Produzenten sind berechtigt, das Gütesiegel der Wachauer Marille – seit 1996 auch EU-geschützt – zu verwenden. Die Gefahr des Missbrauches ist, so Reisinger, leider immer gegeben: „Wenn Anfang Juni auf Straßenständen schon Marillen aus der Wachau angeboten werden, dann muss der Konsument denken, da kann etwas nicht stimmen.“
Mit Stolz verweist Reisinger auf das unvergleichliche Aroma der Wachauer Marille, die auf Kreuzungen der Weinbauschule Klosterneuburg Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgeht.

„Die Wachauer Marille ist in ihrem vollreifen Zustand voller Aromen, saftig und süß.“ Einziger Nachteil ist die beschränkte Haltbarkeit – sie muss spätestens am nächsten Tage nach der Ernte verarbeitet werden. Das Wetter zur Blüte in der Wachau war bisher exzellent, ein Anlass zu vorsichtigem Optimismus.
Im Schatten der weltberühmten Wachauer Marille hat sich in den vergangenen Jahren aber auch noch ein zweites Anbaugebiet gemausert, nämlich das Weinviertel. Dort haben sich 2002 einige Produzenten zusammengetan und einen Verein gegründet, der mittlerweile 23 Mitglieder umfasst und rund 35 ha Marillenbäume bewirtschaftet.

Josef Rögner, Initiator des Projekts: „Damals sind die Handelsketten mit dem Wunsch an uns herangetreten, heimische Marillen anbieten zu können.“
Zum Unterschied von der Wachau gibt’s hier andere Sorten, die später blühen und festeres Fruchtfleisch haben: „Bei uns im Weinviertel kann man die Blüte länger verfolgen, allerdings fern von den Hauptstraßen. Unsere Bäume blühen im Verborgenen.“ Auch im Weinviertel verspricht es, ein gutes Marillenjahr zu werden. www.wachauermarille.at  ww.obstbau-wittek.at