Erstellt am 24. November 2014, 15:53

1 Mio. Menschen in Österreich durch Arbeit krank. Eine Million Menschen in Österreich klagt über eine durch die Arbeit verursachte Gesundheitseinschränkung.

Rund 3,3 Millionen - acht von zehn Erwerbstätigen - sind am Arbeitsplatz zumindest einem körperlichen und/oder psychischen Risikofaktor für eine Erkrankung ausgesetzt. Diese am Montag präsentierten Daten hat die Statistik Austria bei der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung im Jahr 2013 erhoben.

Sieben von zehn Erwerbstätigen (73,3 Prozent) gaben körperliche Risikofaktoren an, vier von zehn (40,3 Prozent) beschwerten sich über zumindest ein psychisches Risiko. Die am meisten genannte körperliche Überbeanspruchung war Anstrengung der Augen (35 Prozent). Jeweils gut ein Viertel der Arbeitskräfte muss mit schweren Lasten hantieren, schwierige Arbeitshaltungen einnehmen und/oder ist Unfallgefahren ausgesetzt.

Unter dem Einfluss von Lärm, Staub und Hitze arbeitete mehr als ein Fünftel. Rund 15 Prozent waren bei der Ausübung ihres Berufs Kälte ausgesetzt, etwa zwölf Prozent mussten mit chemischen Stoffen umgehen.

Psychische Belastung durch Zeitdruck bzw. Überbeanspruchung

Als häufigste psychische Belastung wurde von gut 38 Prozent großer Zeitdruck bzw. Überbeanspruchung angegeben. Gewalt bzw. deren Androhung sind für knapp vier Prozent ein Problem, Belästigung oder Mobbing wurden von 3,4 Prozent genannt. Besonders viele von psychischen Belastungen Betroffene gibt es im Gesundheitswesen (51,2 Prozent). Im Verkehrswesen trifft das auf 46,7 und in der Kommunikationsbranche auf 48,9 Prozent zu, im öffentlichen Dienst und in der Finanzbranche gab es jeweils fast 44 Prozent Betroffene.

Arbeiten unter starker Beanspruchung macht viele krank: 15,6 Prozent (rund eine Million Menschen) aller erwerbstätigen und jemals erwerbstätigen Personen (das sind insgesamt 6,5 Millionen Menschen) gaben zumindest eine arbeitsbedingte Beeinträchtigung ihrer Gesundheit an. Als schwerwiegendste Folge nannte beinahe ein Drittel durch die Arbeit hervorgerufene Rückenprobleme, etwa ein Fünftel berichtete über Beschwerden mit dem Nacken, den Schultern, Armen oder Händen, bei 16,3 Prozent waren die Hüften, Beine oder Füße betroffen.

Etwas weniger oft wurden Stress (5,7 Prozent), Depressionen oder Angstzustände (4,9 Prozent), Lungen- oder Atemprobleme (4,4 Prozent) sowie Herzprobleme (4,4 Prozent) angegeben.

Auffallend: Mehr als ein Viertel der aktiven und ehemaligen Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft klagte über mindestens ein durch die Arbeit ausgelöstes Gesundheitsproblem. Viele Beschwerden kamen auch aus der Baubranche sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen (19,5 bzw. 18,4 Prozent).

4,2 Prozent bzw. 186.600 Erwerbstätige hatten im Jahr vor der Befragung mindestens einen Arbeitsunfall. Sieben von zehn Opfern waren Männer, die häufigste Ursache war die falsche Handhabung von Maschinen und Werkzeugen. Zeitdruck bzw. hohes Arbeitstempo wurde an zweiter Stelle genannt.

Stärkung der Eigenverantwortung der Mitarbeiter gefordert

Die Zahlen lösten umgehend eine Diskussion aus. Vorsorglich gegen neue Reglementierungen und für eine Stärkung der Eigenverantwortung der Mitarbeiter sprach sich Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), aus. "Mit immer neuen Forderungen nach weiteren Reglementierungen, weiterem Aufwand für die Unternehmer und weiteren Zwängen kommen wir nicht weiter", meinte Gleitsmann. "Stattdessen sollten wir alle versuchen, die Eigenverantwortung des Einzelnen für sein persönliches Wohlbefinden zu stärken." Er verwies in diesem Zusammenhang auf die betriebliche Gesundheitsförderung.

Die psychische Gesundheit von Mitarbeiter werde als individuelles Problem gesehen, kritisierte Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB. "Vor allem Rückenbeschwerden und psychische Probleme gehen oft vom Arbeitsplatz aus, oder sie werden durch die Arbeit verstärkt. Deshalb muss auch die Prävention am Arbeitsplatz ansetzen." Betriebliche Gesundheitsförderung solle Pflicht werden.

Teurere Überstunden = weniger Überstunden

"Wer jahrelang im Schichtbetrieb gearbeitet hat, soll das Recht auf Arbeit bei Tag bekommen", sagte Achitz weiters. Schwere körperliche Arbeit, Einwirkung von Vibrationen, Arbeit mit gefährlichen Arbeitsstoffen, Gefahr von Arbeitsunfällen, erzwungene Körperhaltungen bei der Arbeit und Belastungen durch das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung seien für rund 23 Prozent der Krankenstände verantwortlich. Eine weitere Ursache für Überlastungen seien überlange Arbeitszeiten. Der ÖGB will Überstunden reduzieren, indem sie für die Betriebe teurer werden sollen.

In der Erhebung seien auch unabhängig von der Arbeit entstandene Gesundheitsprobleme erfasst - ohne Klärung der genauen Ursache, kritisierte hingegen Gleitsmann. Zum Thema psychische Gesundheit meinte der WKÖ-Vertreter: "Psychische Belastungen nur auf den Arbeitsplatz zurückzuführen, ist eine verkürzte Sichtweise, die nicht der Realität entspricht. Damit werden die Arbeitgeber ungerechtfertigt zum Sündenbock gemacht.