Erstellt am 25. März 2013, 12:49

Achtung! Stolper-Falle. Körperliche Einschränkungen im Alter sind keine Seltenheit. Barrierefrei gestaltete Wohnräume helfen dabei, länger ein selbstbestimmtes und lebenswertes Leben zu führen.

Stürze sind mit rund 80 Prozent die Hauptunfallart von Senioren über 60 Jahre zu Hause. Sie sind oftmals auf externe Ursachen zurückzuführen, wie zum Beispiel schlechte Beleuchtung und Stolperfallen, so das Kuratorium für Verkehrssicherheit. Um die Sicherheit beim Wohnen zu erhöhen, müssen Mängel in der gebauten Umgebung beseitigt werden. Heißt: Nicht erst warten, bis das sprichwörtliche Feuer am Dach ist – wenn schon Umbauarbeiten geplant sind, so sollte man dabei schon in die Zukunft schauen und barrierefrei und somit altersgerecht (um)bauen.
Was gilt es dabei zu bedenken, was ist zu tun? Hier einige Hauptpunkte:

1) Allgemeine Regeln:
Ein stufenloser Hauseingang macht das Betreten der eigenen vier Wände auch mit Rollstuhl möglich. Türbreiten von mindestens 80 Zentimetern, noch besser sind 90 Zentimeter, sind unbedingt zu empfehlen. Derart eckt man auch mit Gehhilfen und dem Rollstuhl nicht an.
Äußerst praktisch ist ein Türsystem mit Türantrieb, das Türen automatisch öffnet und schließt. Ist das nicht zu machen, sollten die Türschnallen nicht in Raumecken angebracht und leicht bedienbar sein. Drehknöpfe und Muschelgriffe sind nicht geeignet. Damit Türschwellen nicht hinderlich sind, ist es anzuraten, diese nach Möglichkeit zur Gänze ab-
tragen. Ist das nicht machbar, sollten sie nicht höher als 2,5 Zentimeter sein und durch eine farbige Markierung leichter als Hindernis erkennbar gemacht werden. Bezüglich der Bodenbeläge ist auf jeden Fall und überall auf rutschige Materialien zu verzichten.

2) Im Detail:

  • Gang & Treppen:

Achten sollte man auf eine dünne und rutschfeste Fußmatte. Praktisch sind auch Lampen, die mit einem Bewegungsmelder ausgestattet sind und sich somit automatisch einschalten. Apropos Licht: Empfehlenswert sind Lichtschalter in allen Räumen, die direkt von der Tür aus erreichbar sind – somit vermeidet man ein Umherirren im Dunkeln.
Zu den Treppen: Ein durchgehender Handlauf auf beiden Seiten beziehungsweise ein Geländer, das über die erste und letzte Stufe hinausgeht, geben Halt. Auch hier wieder von Vorteil: ein Lichtschalter am Anfang und am Ende der Treppe. Ein Treppenlift lässt nicht mehr ganz mobile Menschen die Treppe bequem und sicher bewältigen.

  • Badezimmer & WC

Das Bad ist eine Hauptgefahrenquelle für Stürze. Stabile und ausreichend große Haltegriffe überall im Nassraum, wo man sie braucht, insbesondere bei Badewanne und Dusche, aber auch bei Toilette und Waschbecken, sind ein absolutes Muss.
Badewanne oder Dusche? Wenn man sich entscheiden kann, sind bodengleiche Duschen (Größe sollte 90/130 Zentimeter betragen) zu bevorzugen. Will man dann in der Dusche für zusätzlichen Komfort und Sicherheit sorgen, kann man eine ausklappbare Sitzgelegenheit mit Rückenlehne anbringen. Wird doch eine Wanne gewählt, dann sollte diese mit einer Einstiegsmöglichkeit versehen sein. Voll unterfahrbare und höhenverstellbare Waschbecken sind für Rollstuhlfahrer unverzichtbar.
Auch sollte man rutschfeste Bodenfliesen wählen, kleine Fliesen sind besser als größere. Falls doch einmal fremde Hilfe vonnöten ist, sollte die Badezimmer- und WC-Türe nach außen aufgehen und der Sperrriegel von außen geöffnet werden können. 

  • Wohn- & Schlafzimmer

Größte Schwierigkeiten bereiten zu niedrige Sitzgelegenheiten oder ein zu niedriges Bett, denn dadurch wird das Aufstehen erschwert. Der Tischler kann jedoch in beiden Fällen Abhilfe schaffen. Praktisch sind auch Ohrensessel mit stabilen Armlehnen, auf die man sich beim Aufstehen abstützen kann.
Spezielle Fenster erleichtern mittels eines tiefer montierten Spezialgriffs das Auf- und Zumachen. Es gibt außerdem spezielle Kleiderschränke mit Kleiderlifts und Karussells, die einen einfachen Zugang zur Kleidung gewährleisten.
Und: Teppiche sollten mit Antirutschstreifen rutschsicher gemacht werden, kleine Teppiche sollten überhaupt entfernt werden, da diese nur allzu oft eine Stolperfalle sind.

  • Küche

Die Küche ist nicht nur der Platz zum Kochen, sondern auch immer öfter ein beliebter Aufenthaltsraum für die ganze Familie. Für ein barrierefreies Leben in der Küche gibt es mittlerweile Spezial-Möbel: Einfach bedienbare Höheneinstellungen der Schränke und Arbeitsflächen sowie voll unterfahrbare Arbeitsflächen für Rollstuhlfahrer erleichtern bei diesen Anfertigungen die Arbeit.
Praktisch sind Einhand-Mischbatterien mit eingebautem Thermostat, die vor Verbrühungen schützen.
Laden erleichtern das Herausheben schwerer Töpfe aus den Unterschränken. Backrohr und Kühlschrank sind in bequemer Höhe zu installieren. Empfehlenswert ist ein Kühlschrank in Augenhöhe.

 Mehr zum Thema „Barrierefreies und sicheres Wohnen“ findet man beim Kuratorium für Verkehrssicherheit ( http://www.kfv.at ).

Weitere Tipps, wie man sich  fithält und was das Leben im Alter erleichtert, finden Sie online im NÖN-Sonderprodukt "Aktiv im Alter".