Erstellt am 02. September 2011, 07:35

Ärztekammer verhandelt wieder wegen E-Medikation. Die Ärztekammer ist bereit, wieder über das von ihr heftig kritisierte Projekt E-Medikation zu verhandeln. Die Skepsis bleibe zwar bestehen, Mitte September soll es dennoch ein Spitzengespräch mit dem Hauptverband und dem Gesundheitsministerium geben, sagte Ärztekammer-Präsident Dorner am Donnerstagabend.

Dabei solle geklärt werden, ob das Projekt nach den Anlaufschwierigkeiten wieder in Gang gebracht werden könne. Wenn die Gegenseite allerdings nicht auf die Bedenken der Ärzte eingehe und es bei diesem Gespräch keine Bewegung gebe, werde man am Stopp des Projekts festhalten, so Dorner.

Der Ärztekammer-Präsident bekräftigte seine Kritik sowohl an der E-Medikation als auch am gesamten Projekt elektronische Gesundheitsakte (ELGA), von dem die E-Medikation ein Teil ist. Auch der Hauptverband bekam sein Fett ab. Diesem warf Dorner vor, wie ein "Big Brother" alles kontrollieren zu wollen und mit der E-Medikation, wie sie jetzt geplant sei, "über die Hintertür eine Staatsmedizin einführen zu wollen". Es könne aber nicht sein, "dass Computer den Menschen behandeln", die E-Medikation solle nur ein Hilfsmittel sein. Dorner berichtet von Fällen, in denen Ärzte kein Rezept ausstellen konnten, weil das System der Meinung war, dass der Patient das zuvor verschriebene Medikament zu schnell verbraucht habe.

Mit der E-Medikation werden verschriebene Medikamente elektronisch erfasst, um Wechselwirkungen und Mehrfachverordnungen zu verhindern. Die Ärztekammer stößt sich unter anderem daran, dass die Vergabe der E-Medikations-Software nicht ausgeschrieben worden war. Weiters wird die Handhabung der Software als zu umständlich und zeitraubend kritisiert. Angesichts der bisherigen Polit-Erfahrungen rechnet die Ärztekammer bei ELGA mit einem zusätzlichen Zeitaufwand von zwei Wochen im Jahr pro Arzt.