Erstellt am 02. Dezember 2015, 13:35

Ärztekammer warnt vor Mediziner-Mangel in den Spitälern. Die Ärztekammer warnt vor einem Ärztemangel in den Spitälern. Bedingt sei dies u.a. durch die verkürzten Arbeitszeiten, den anhaltend starken Andrang in den Spitalambulanzen und der Abwanderung von Medizinern ins Ausland oder in andere Berufe, wie die Ärztevertreter am Mittwoch sagten.

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Sollte so weitergemacht werden wie bisher, dann werde sich die Lage "deutlich verschlechtern". Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, verwies auf einer Pressekonferenz darüber hinaus auf die Altersstruktur innerhalb der Spitalsärzteschaft: 25 Prozent der derzeit aktiven Spitalsärzte würden innerhalb der nächsten zehn Jahre in Pension gehen, das bedeute einen Verlust von ca. 6.400 Medizinern (bei einem Gesamtstand von etwas mehr als 24.000 Spitalsärzten). Unbesetzt sind laut Ärztekammer in den Spitälern derzeit rund 300 Arztstellen.

Auch zeichne es sich ab, dass junge Ärzte und Ärztinnen nicht ihr gesamtes Berufsleben im Spital verbringen wollten - und auch kürzere und flexiblere Arbeitszeiten wünschten: Für viele jüngere Ärzte seien die Arbeitsbedingungen nicht attraktiv genug, hier gelte es zu verbessern, so Mayer. Der Obmann der Bundessektion Turnusärtze, Karlheinz Kornhäusl, ergänzte, es sei nur sehr eingeschränkt möglich, eine Karriere im Spital mit Familie und Kindern zu vereinbaren. "Es fehlt an flexiblen Arbeitszeit-Modellen", sagte er.

Tausende Ärzte ans Ausland verloren 

Kornhäusl verwies darauf, dass Österreich seit 2003 insgesamt 7.000 Ärzte ans Ausland verloren habe. Zur Entlastung von Turnusärzten forderte Kornhäusl die Installation von Dokumentationsassistenten und die Einrichtung von Abteilungssekretariaten. Aber auch Kinderbetreuungseinrichtungen im Haus seien notwendig, so der Mediziner.

Zur Verdeutlichung der hohen Drop-Out-Quoten verwies er auf die Statistik: Pro Jahr würden etwa 1.500 Personen ein Medizinstudium aufnehmen, aber nur 1.300 Mediziner ihr Studium abschließen - und von diesen würden nur 900 in Österreich bleiben. Und auch die Bereitschaft der Turnusärzte, nach Abschluss ihrer Ausbildung weiterhin im Spital arbeiten zu wollen ist gering: Nur 36 Prozent haben dieses Ziel.

Eine Eindämmung der Bürokratie forderte auch Mayer. Spitalsärzte würden derzeit 40 Prozent ihrer Zeit für Administration und Dokumentation aufwenden. Diese Tätigkeiten sollten vermehrt von nicht-medizinischem Personal ausgeführt werden, hier sei noch "viel Spielraum", so Mayer.

"Übergangsbestimmungen bis 2021  sinnvoll nutzen"

Mit Blick auf die überlaufenen Spitalambulanzen forderte der Kurienobmann außerdem, dass die Patientenströme besser gelenkt werden: "Wir werden strukturierte Zugänge ins Gesundheitssystem brauchen." sagte er. Die Aufnahme in Ambulanzen sollten nur mehr mittels Überweisung (abgesehen von Notfällen) möglich sein.

Die Umsetzung der Arbeitszeitrichtlinie zur Beschränkung der Ärzte-Arbeitszeit auf 48 Stunden pro Woche lobte die Ärzteschaft grundsätzlich: Dies sei "ein wichtiger Schritt" zur Entlastung der Mediziner gewesen, betonte Mayer. Gleichzeitig verwies er darauf, dass dies eine Quasi-Reduktion der Ärzte-Arbeitszeit um 20 Prozent bedeute. Man solle nun die Übergangsbestimmungen bis 2021, die es erlauben, mehr als diese 48 Stunden zu arbeiten, sinnvoll nutzen, forderte er.

Der stv. Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, Rudolf Knapp, verwies darauf, dass seit dem Jahr 2000 die Zahl der Mediziner insgesamt zwar um 39 Prozent zugenommen habe. Gleichzeitig aber sei die Zahl der niedergelassenen Ärzte um vier Prozent gesunken - wogegen es bei den (privat zu bezahlenden) Wahlärzten ein Plus von 124 Prozent gab.

Gefragt nach den Operations-Ausfällen an der Klinik Innsbruck infolge von Personalmangels sagte Knapp, dies sei nur die "Spitze des Eisberges". Derartige Probleme würden in allen Häusern bestehen.

Im Gesundheitsministerium reagierte man auf die Ärzte-Warnungen zurückhaltend. Sektionschef Gerhard Aigner meinte am Mittwoch im Ö1-"Mittagsjournal" etwa, dass einiges an administrativer Belastung auch durch spitalsinterne Optimierung der Abläufe abgefedert werden könnte. Was die Aufregung über die OP-Termine in Innsbruck betrifft, verwies er auf die Zuständigkeit der Landespolitik. Beim von der Ärztekammer beklagten Ärzteschwund Richtung Ausland müsse man auch berücksichtigen, wie viele Personen überhaupt nur für das Studium nach Österreich gekommen seien.