Erstellt am 18. April 2011, 07:51

Aktiv fürs Herz. NÖGKK-GESUNDHEITSCHECK / Knapp 6000 Jugendliche werden jedes Jahr untersucht. Bei Nicole Schachinger entdeckte der Arzt ein Geräusch.

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VON CHRISTINE HAIDERER

2. Februar 2010. Jugendlichen-Untersuchung im NÖGKK-Servicecenter. Zahlreiche berufstätige Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren wollen wissen, ob sie gesund sein. Bei der Untersuchung von Nicole Schachinger fällt dem Arzt aber etwas auf. „Links neben dem Brustbeinkorb habe ich ein relativ leises Herzgeräusch gehört“, erinnert sich Rainer Bartosch. Es war sehr leise, aber laut genug, um sie zum Facharzt zu schicken.

Was genau dahinter steckte, wusste Nicole damals nicht. „Ich habe mit etwas Harmloseren gerechnet“, erzählt die heute 17-Jährige. Von einem Arzt ging es zum anderen, von einem Spital ins andere. Zahlreiche Untersuchungen folgten. Bis eines immer klarer wurde: Man muss operieren.

Der Herzfehler wurde gerade noch rechtzeitig entdeckt

Grund dafür war eine angeborene Lungenvenenfehlmündung. Da sie aber als Baby nie blau im Gesicht war, nie blaue Lippen hatte, war es nie aufgefallen. Aufgrund einer falschen Verbindung im Herzen wurde ein Teil des Blutes nach seinem Weg durch das Herz fälschlicherweise erneut in den rechten Vorhof gepumpt. Und so dehnte sich die rechte Herzseite immer mehr aus. „Wenn man nicht draufgekommen wäre, hätte sie einen Herzfehler davongetragen und ein Spenderherz gebraucht“, betont ihre Mutter.

Knapp ein Jahr nach der Jugendlichen-Untersuchung, am 5. Jänner 2011, wurde Nicole operiert. Sie wurde an die Herzlungenmaschine angeschlossen, der Blutkreislauf umgeleitet und sie bekam zwei Patches (Implantate). Viereinhalb Stunden später war die Operation vorbei. „Es ist alles gut ausgegangen. Da ist die Erleichterung schon groß“, beschreibt Christa Schachinger ihre Eindrücke. Vor allem aber hat diese Erfahrung Nicole geprägt: „Man sieht dann einfach alles anders, weil es sehr schnell vorbei sein hätte können“, sagt sie heute. Danach stand vier Wochen lang Rehabilitation auf dem Programm.

Ein Jahr nach dem ersten Geräusch

In dieser Zeit flatterte wieder die Einladung zur Jugendlichen-Untersuchung ins Haus. Also griff ihre Mutter zum Hörer und rief Rainer Bartosch an, um ihm von der Operation zu erzählen und ihm zu danken, „für das gute Gehör“.

„Fälle in dieser Größenordnung sind selten“, betont Bartosch. Von den knapp 6000 Jugendlichen, die jedes Jahr zur Jugendlichen-Untersuchung kommen, taucht eine Erkrankung, wie die von Nicole, nur alle drei Jahre auf. Aber sie taucht auf. Und daher rät er, hinzugehen. Nicole meint dazu: „Ich war zum Glück dort.“

Mittlerweile gibt es für sie keine Einschränkungen mehr. Sie muss zwar ihr Leben lang täglich eine Tablette nehmen, darf aber wieder heben, darf essen, was sie will, und bewegt sich regelmäßig, wofür sie sich vor der Operation nicht sonderlich begeistern konnte: „Ich schaue, dass ich Sport mache – für mein Herz“.Infos zum Check: www.noegkk.at