Erstellt am 29. August 2011, 00:00

Augen auf & warten. ZWEIKLASSENMEDIZIN / Laut einem Test des VKI bekommen Privatversicherte früher einen Operationstermin – auch in NÖ.

Jedes Jahr lassen sich rund 60.000 Österreicher im Rahmen einer Katarakt-Operation eine klare künstliche Linse einsetzen. In NÖ ist das zurzeit in Klosterneuburg, Mistelbach, Waidhofen/Ybbs, Wiener Neustadt, Horn, Stockerau und St. Pölten möglich, geplant ist es zudem für Baden-Mödling.  |  NOEN
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VON CHRISTINE HAIDERER

Vier von fünf befragten Spitälern in NÖ bestätigen, dass Kassenpatienten auf eine Graue-Star-Operation länger warten als Privatversicherte.

Das besagt ein aktueller Konsument-Test. Hintergrund dafür ist eine geplante Gesetzesnovelle rund um ein transparentes Wartezeiten-Management und standardisierte Kriterien, die über die Reihung von Patienten auf Wartelisten entscheiden.

Für den Test hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) 29 Krankenhäuser in ganz Österreich angeschrieben, die Graue-Star-Operation durchführen sowie privat als auch über Krankenkassen abrechnen. Gefragt wurde nach der Dauer der Wartezeit und ob die Wartezeit für Zusatzversicherte kürzer ist. Zusätzlich stellte eine anonyme Testerin die gleichen Fragen per Telefon.

Das Ergebnis: Sieben der 29 befragten Krankenhäuser bestätigten schriftlich eine kürzere Wartezeit für Zusatzversicherte. Beim anonymen Anrufer waren es sogar 18.

In NÖ machten die Landeskliniken Horn, St. Pölten und Mistelbach zwar schriftlich keine Angaben, ob Privatversicherte früher drankommen, telefonisch aber wurde die Frage bejaht. Und Waidhofen an der Ybbs stellte schriftlich eine Verkürzung der Wartezeit von 12 bis 24 Wochen auf vier bis acht Wochen in Aussicht.

Existiert in NÖ die  Zweiklassenmedizin?

Laut NÖ Landeskliniken-Holding gebe es Vereinbarungen mit Privatversicherungen zur Hotelkomponente (Vorzüge bei Zimmer, Essen …), aber kein Übereinkommen hinsichtlich Wartezeiten oder OP-Terminen. „Das wesentlichste Kriterium für die Reihung ist die medizinische Indikationsstellung“, so Robert Griessner, medizinischer Geschäftsführer, der betont, dass jeder Patient die gleichen medizinischen Leistungen, Implantate oder Methoden erhält, egal wie er versichert ist, und dass es in NÖ keine Zweiklassenmedizin gebe.

Anders sieht das Helga Krismer (Grüne NÖ), die sich und ihre Kampagne „Keine2Klassenmedizin“ durch den Test bestätigt sieht: „Jetzt ist klar: Ich übertreibe nicht, und die Betroffenen, die sich an mich gewandt haben, sind keine Einzelfälle oder Ausnahmen des Systems.“

Ähnliche Erfahrungen haben auch die Patientenanwälte in Österreich gemacht. Für Patientenanwalt Gerald Bachinger sind die geplanten transparenten Wartelisten jedoch zu wenig. „Ich fordere eine grundsätzliche Systemänderung bei Sonderklasse-Patienten.“ Zurzeit schließen dabei Patient und Primar einen Vertrag miteinander ab. Das bringt finanzielle Problematiken und Nachteile für bestimmte Ärztegruppen mit sich. Er plädiert daher dafür, in Zukunft Verträge mit dem Rechtsträger abzuschließen.

WALDHÄUSL