Erstellt am 07. November 2011, 00:00

Ausgleich im Leben. GESUNDHEIT FÜR SIE / Eine Balance zwischen Familie, Beruf, Freunden, Gesundheit & Co. zu erreichen, ist nicht leicht.

Diskutierten zum Thema „Lebensbalance: Wege aus der Krise“: ORF-NÖ-Moderatorin Inge Winder, Psychologin Natalia Ölsböck, Gesundheit-für-Sie-Initiatorin Christa Bogath, Psychiaterin Biggi Mauthner, Andrea Kainz, Psychiaterin Henriette Walter, Xundheitswelt-Geschäftsführerin Karin Weißenböck und Kardiologin Jeanette Strametz-Juranek (v. l.).  |  NOEN, NÖN
VON CHRISTINE HAIDERER

„Jeder Mensch hat in seinem Leben etliche Krisen zu bewältigen“, weiß Andrea Kainz aus Erfahrung. „Man hat oft Angst, einfach durch die Krise durchzugehen.“ Aber man kann durchgehen, erzählt sie auf der Frauengesundheitsenquete „Gesundheit für Sie“ in St. Pölten, man kann weinen und kann gestärkt daraus hervorkommen.

x  |  NOEN, NÖN
Geht es nach der Psychologin Natalia Ölsböck, muss man nicht erst auf die Krise warten. Man kann auch vorbeugen. Insbesondere bei vorhersehbaren Ereignissen. Auf den Pensionsantritt etwa kann man sich gut vorbereiten. Prävention ist aber auch bei unvorhersehbaren Krisen (Tod eines geliebten Menschen, Krankheit, Trennung usw.) möglich: „Das Gefühl, dass ich selbst mein Leben in der Hand habe, ist ein ganz wichtiger Aspekt.“ Wer gesund lebt, der fühlt sich auch körperlich gut. Und: „Wichtig ist, dass wir ein soziales Auffangnetz haben.“ Um über Probleme reden zu können.

Einen Einfluss auf die Lebensbalance hat auch die Welt. „Alles wird immer schneller, immer kürzer. Der enorme Anstieg an Herzkreislauferkrankungen hat sicher auch viel mit Stress zu tun“, erklärt die Kardiologin Jeanette Strametz-Juranek.

Eine Folge von  Disbalance: Burn-out
Apropos: Was die körperlichen Folgen von Burn-out betrifft, gibt es Unterschiede. So leiden Männer eher unter kardiovaskulären Symptomen, Frauen eher unter Rheuma. „Frauen klagen mehr über Erschöpfung, Männer werden zynischer“, erzählt die Psychiaterin Henriette Walter.

Im Falle eines Burn-outs rät sie, in Krankenstand zu gehen und dem Körper Erholung zu gönnen. Erst dann wird an der Einstellung zum Beruf gearbeitet. „Die Patienten müssen lernen, Teilerfolge zu schätzen, Balance zu finden, sich zu Geselligkeit zwingen.“

Wo Betroffene mit all dem beginnen können, ist zum Beispiel im Lebens.Resort Ottenschlag oder im Moorheilbad Harbach. Hier lernen sie Strategien, wie man damit umgehen kann und auch, dass Bewegung und Ernährung helfen können. „Es ist wichtig, die Belastungsfaktoren zu finden, die Selbstwahrnehmung zu verbessern und die eigenen Grenzen zu erkennen“, so die Geschäftsführerin Karin Weißenböck.
 


Was tun als Freund oder Angehöriger?

„Am besten den Betreffenden alleine darauf ansprechen“, rät die Psychiaterin Biggi Mauthner Angehörigen, wenn sie glauben, dass es jemandem schlecht geht, er unter Burn-out leidet. Dabei sollte man die eigenen Sorgen betonen und nachfragen, ob er schon beim Hausarzt war usw. Wenn der Betroffene entgegnet, dass ihm sowieso keiner mehr helfen kann, kommt es darauf an, in welchem Näheverhältnis man zueinander steht und auf den Grad der Zustandes. Wenn man Selbstmordabsichten vermutet, kann man selbst beim Arzt einen Termin für den Betroffenen ausmachen, ihm davon erzählen und vorschlagen, gemeinsam hinzugehen.
Sämtliche Bemühungen haben aber nur Sinn, wenn wirkliches Engagement dahinter steckt.
„Wenn der Betroffene spürt, es geht dem Angehörigen wirklich darum, Hilfe zu organisieren, dann wird er sie auch annehmen“, so die Psychiaterin Henriette Walter. Wenn nicht gleich, dann irgendwann. Und man kann sagen: „Ich stehe neben dir. Wir können gemeinsam Schritte tun.“ Wenn er Nein sagt, sollte man das respektieren, aber betonen: „Respektiere du aber auch, dass ich dranbleibe.“