Erstellt am 22. Juli 2011, 11:38

Beinprothese per Funkuhr steuerbar. Per Funkuhr eine Beinprothese steuern bzw. deren Funktionsstatus abrufen: Der Prototyp einer digitalen Funksteuerung für Prothesen ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit der Fachhochschule St. Pölten mit der Otto Bock Healthcare Products in Wien.

Damit könnten diese Hightech-Produkte weiter verbessert werden, hieß es am Freitag in einer Aussendung der Ausbildungsstätte.

Eine der wesentlichen Aufgaben der innovativen Fernsteuerung ist die Aktivierung spezieller Bewegungsprogramme, wie zum Beispiel Radfahren etc. Bisher wurde diese Auswahl über eine Einweg-Funkverbindung durchgeführt, was aber verschiedene Nachteile mit sich bringt. Die Idee, das digitale Funksystem einer Armbanduhr zu nutzen, wurde nun von einem Studierenden des Studiengangs "Industrial Simulation" evaluiert und adaptiert. Das Resultat: Die Steuerung ist nun benutzerfreundlicher, vielseitiger und weniger störanfällig.

Der Hintergrund: Moderne Beinprothesen sind Hightech-Produkte, die auf die Bewegungen des Trägers intelligent reagieren. Sogar sportliche Aktivitäten wie Radfahren, Inline-Skaten, Langlaufen oder Ski-Fahren sind mit ihnen möglich. Dafür kann über eine Fernbedienung ein entsprechendes Spezialprogramm aktiviert werden. Ein Klick auf einen Handsender übermittelt die Auswahl per Funksignal an die Prothese, ein Akustik- und Vibrationssignal bestätigt, dass die Wahl von der Prothese übernommen wurde, und los geht's!

Doch das Feedback in Form von akustischen und mechanischen Signalen beschränkt dessen Informationsgehalt. Hier setzte Philipp Pfaffeneder mit der Entwicklung einer neuen Idee an: Er adaptierte das frei programmierbare Funkmodul einer Standard-Armbanduhr so, dass das Feedback der Prothese nun als visuelles Signal am Display der Uhr ablesbar ist. Wolfgang Franta, Dozent des Studiengangs "Industrial Simulation" von der FH: "Technisches Know-how mit einem Gespür für den Markt zu entwickeln und einzusetzen - das ist genau das, was wir unseren Studierenden vermitteln." Die Idee Pfaffeneders, die digitale Funktechnologie einer Uhr für die Steuerung eines medizinischen Highend-Produktes zu adaptieren, könne in der Zukunft die Lebenssituation von Menschen mit physischen Beeinträchtigungen verbessern."

Der Vorteil solcher Beinprothesen mit zahlreichen möglichen Einstellungen je nach gewünschter Bewegungsart liegt in der Fähigkeit des Systems, Signale nicht nur zu senden, sondern auch komplexe Information zu empfangen. Das System erlaubt eine Steuerung sowie ein Monitoring der Beinprothese, was zum Beispiel den Akku-Ladezustand oder die Temperatur des enthaltenen Hydrauliköls etc. angeht. Alle diese Informationen finden sich ebenfalls auf Abruf auf der Uhr des Prototyp-Systems.