Erstellt am 27. Juni 2012, 11:54

Burgenland: Kein attraktives Bundesland für Turnusärzte. Zwei "brennende Themen" hat am Mittwoch das neu konstituierte Führungsteam der Ärztekammer Burgenland bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt unter die Lupe genommen, nämlich die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) und den Ärztemangel.

Seit Monaten gebe es bei den Turnusärzten einen Mangel, Stellen konnten nicht mehr besetzt werden, hieß es. Generell sei das Burgenland nicht mehr attraktiv, um einen Turnus zu machen, hielt die zweite Vizepräsidentin Brigitte Steininger fest.

"Wir Ärzte wollen Patienten behandeln und nicht Schreibarbeiten erledigen", sagte Präsident Michael Lang. "Die ELGA in der geplanten Form ist der nächste Supergau in der Richtung. Mehr Bürokratie statt weniger - auch das wird dazu führen, dass immer mehr Ärzte ihren Beruf nicht ausüben wollen", erklärte der Mediziner. Der administrative Mehraufwand, den es bereits jetzt schon gebe, sei nämlich einer der Gründe, warum es diesen Ärztemangel gebe.

"Aufgrund der demografischen Entwicklung im Burgenland ergibt sich, dass bis 2025 nahezu 60 Prozent der Krankenhausärzte in Pension gehen - und die sind zu ersetzen", erläuterte Lang. Um die Turnusarzt-Stellen zu besetzen bedürfe es daher neuer Konzepte und Strategien.

"Eine hochwertige Ausbildung muss im Vordergrund stehen und auch das Turnusarzt-Tätigkeitsprofil, wie sich eine Ausbildung gestaltet, muss neu evaluiert werden. Und vor allem soll es eindeutig der Arztgruppierung zugesetzt werden", erklärte Steininger. Der Arzt solle also weniger administrative und wieder mehr ärztliche Tätigkeiten übernehmen. Diese Überlegungen wolle man rasch umsetzten und dafür auch mit den Spitalsträgern zusammenarbeiten.

Beim Thema Ärztemangel gehe es generell darum, den Arztberuf in allen Bereichen attraktiv zu gestalten. "Die Entbürokratisierung ist in der Sicht absolut dringend und notwendig und absolut unabdingbar", stellte Lang fest. Außerdem fordere man den freien Zugang für das Medizinstudium - auch nach dem Heimatlandprinzip. Auch die geforderte Lehrpraxis "muss endlich gesichert werden, damit österreichweit genügend Nachwuchs produziert wird", so Steininger.

Zur ELGA meinte der Ärztekammer Burgenland-Präsident: "Aus unserer Sicht werden hier Gelder der Steuerzahler verschwendet, wenn nicht veruntreut - und die fehlen dem Gesundheitssystem aber definitiv an anderer Stelle." Generell habe man nichts gegen "neue, moderne, elektronische Hilfsmittel im Gesundheitssystem", man bekenne sich auch zu einer Mitarbeit. Diese Hilfsmittel müssen laut Lang aber "machbar" sein und "dem Patienten nicht schaden."