Erstellt am 15. November 2011, 13:33

Darmkrebsvorsorge im Burgenland: Zwei Drittel machen Gratistest nicht. Bereits vor 24 Jahren sind im Krankenhaus Oberpullendorf erste Tests zur Früherkennung von Dickdarmkrebs gemacht worden.

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Seit 2006 wird die Dickdarmkrebsvorsorge burgenlandweit durchgeführt: Bisher wurden rund 908.000 Teströhrchen verschickt. Rund 309.000 Burgenländer - etwa 34 Prozent der Gesamtbevölkerung - haben sich beteiligt, zog Gesundheitslandesrat Peter Rezar (S) am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt eine Zwischenbilanz.
 
Dickdarmkrebs sei "kein unabwendbares Schicksal", sondern die einzige Krebserkrankung, die sich durch Vorsorge verhindern oder in einem so frühen Stadium erkennen lasse, dass der Krebs heilbar sei. "Dennoch wird die Darmkrebsvorsorge nur unzureichend in Anspruch genommen", erklärte Rezar. Das Land starte deshalb mit Partnern - unter anderem beteiligen sich Sozialversicherung, Ärztekammer, Krankenanstalten und Gemeindevertreterverbände - eine Informationstour.
 
Die Teströhrchen werden an Burgenländer ab dem 40. Lebensjahr verteilt. Ziel sei es, die Teilnahmerate zu erhöhen, so Projektleiter Karl Mach. Bei der Auswertung war das Testergebnis bei 27.343 Personen positiv. Neun Prozent der Teilnehmer hatten somit einen auffälligen Befund. 18.481 mal wurde eine Dickdarmspiegelung durchgeführt. Bei 475 Fällen zeigte sich ein besorgniserregender Befund: Insgesamt wurden 277 Karzinome und 198 Vorstufen von Karzinomen entdeckt.
 
Schaltstelle für das Vorsorgeprojekt ist die Burgenländische Gebietskrankenkasse (BGKK), die die Abrechnung durchführt und die Durchführungstermine in den Gemeinden koordiniert. Im Vorjahr wurde ein genaueres Testsystem eingeführt. Die Kosten für die Durchführung sollen in den Jahren 2011 bis 2013 unter der Annahme, dass die Beteiligung am Test gleichbleibt, jeweils 321.000 Euro betragen.
 
 Wichtigste Risikofaktoren für die Entstehung von Dickdarmkrebs sind falsche Ernährung, Übergewicht sowie chronisch entzündliche Erkrankungen der Darmschleimhaut und Rauchen, erläuterte Primar Wilfried Horvath von der Österreichischen Krebshilfe Burgenland. Die "Sünden" in der Lebensweise machen sich vor allem im Alter bemerkbar: Ab 50 Jahre steige mit zunehmendem Alter das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. In über neun von zehn Fällen seien vor der Entstehung des Karzinoms viele Jahre hindurch Vorstufen in Form von zunächst gutartigen Darmpolypen nachweisbar, so Horvath: "Die konsequente Aufspürung und Entfernung dieser Polypen im Rahmen der Darmspiegelung könnte 90 Prozent der Erkrankungen verhindern."