Erstellt am 27. Februar 2012, 07:35

Das Kind im Blick. BETREUUNG / Mit einem neuen Zertifikat will das NÖ Hilfswerk die Qualität der Arbeit von Tageseltern sichtbar machen.

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VON CHRISTINE HAIDERER

Manche Kinder sind zu jung für den Kindergarten. Manche brauchen auch zu ungewöhnlichen Zeiten Betreuung, weil ihre Eltern flexible Arbeitszeiten haben. Und manche gehen schon in die Schule, haben dort aber keine Nachmittagsbetreuung.
In diesen und ähnlichen Situationen kann eine Tagesmutter oder auch ein Tagesvater genau das Richtige sein. Das ist es in NÖ für 4000 Kinder und ihre Eltern. Zum Beispiel, weil die Betreuungs- beziehungsweise Abholzeit flexibler ist als etwa in einem Kindergarten.

Ein anderer Pluspunkt: „Die Tageskinder sind eingebunden in eine Familie“, erläutert NÖ-Hilfswerk-Präsidentin Michaela Hinterholzer. Aber auch die Gruppengröße ist ein Vorteil. Eine Tagesmutter kann zwar insgesamt maximal 15 Kinder anmelden, es dürfen aber nur bis zu vier Kleinkinder (oder sieben Schüler) gleichzeitig betreut werden. „Dadurch haben die Tagesmütter die Möglichkeit, auf den Einzelnen einzugehen“, so Hinterholzer. Und: „Ausflüge machen, sich in der Natur bewegen, im Winter Schlitten fahren usw. ist alles viel unkomplizierter“, erläutert Elke Fuchs, Geschäftsbereichsleiterin Kinder, Jugend & Familie.
Um ein Zeichen für Qualität zu setzen und das Berufsbild zu stärken, plant das NÖ Hilfswerk, der mit 800 von insgesamt 1200 Tagesmüttern größte Anbieter in NÖ, ein neues Qualitätszertifikat für die freiberuflich tätigen Tagesmütter und -väter, mit denen eine Kooperation besteht.

Bis 2014 sollen alle Tageseltern zertifiziert sein

Dazu sollen fünf Psychologen und Pädagogen alle Tageseltern besuchen und sich unter anderem ansehen, wie die Tagesmutter pädagogisch handelt und ob es einen strukturierten Tagesablauf gibt. Fuchs: „Wir schauen uns das Umfeld der Tagesmutter an. Ist es sicher für Kinder? Ist es altersgerecht? Gibt es Spielmöglichkeiten?“ Aber auch Gesundheitsförderung, Bewegung, Ernährung, Natur, die Beziehung zu den Eltern, Fortbildung und Serviceleistungen (Hol- und Bringdienste usw.) spielen eine Rolle. Die ersten 120 Tageseltern werden noch heuer unter die Lupe genommen. „Bis 2014 sollten alle Tagesmütter die Zertifizierung durchlaufen haben“, erklärt Fuchs.
Ebenfalls neu: Das Hilfswerk sucht als Träger um das Gütesiegel des Bundesministeriums an und will ab Herbst zusätzlich zur 160-stündigen Ausbildung eine weitere mit 300 Stunden anbieten. Apropos: Was muss eine zukünftige Tagesmutter eigentlich alles mitbringen? „Man muss sich gerne mit Kindern beschäftigen, die geeigneten Räumlichkeiten haben und sich der Ausbildung unterziehen“, meint Hinterholzer. www.hilfswerk.at (NÖ)