Erstellt am 02. Januar 2012, 00:00

Das Lied im Radio. MARIA NEUBERGER-SCHMIDT gibt Tipps für einen friedlichen Alltag mit Kindern.

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Wenn Florian, 3, mit seinem Vater im Auto sitzt und ein Lied läuft, das Florian nicht gefällt, fängt er an zu kreischen. Wenn er nicht sofort umschaltet, wird Florian hysterisch und tritt mit den Füßen gegen das Armaturenbrett, worauf der Vater kontert: „So nicht! Heute gibt es keinen Spielplatz, weil du mir mein Auto kaputt machst!“ Wenn er hart bleibt, fällt Florian zurück in die Babyphase, weint, verlangt den Schnuller, lässt sich schwer beruhigen.

Wichtig ist, dass der Vater seinem Sohn hilft, seine Wünsche verbal auszudrücken, indem er nachfragt: „Gefällt es dir nicht?“ Auf Florians Rückmeldung lenkt er entweder ein oder beginnt Verhandlungen. A: „Wenn es dir nicht gefällt, kannst du mich bitten, auszuschalten!“ Nichts spricht dagegen, diesem Wunsch nachzukommen, wenn er höflich geäußert wird. B: „Mir gefällt es aber! Ich würde es gerne zu Ende hören. Kannst du das verstehen?“ Wenn Florian einlenkt, hat er an Reife zugewonnen. Wenn nicht, scheint es angemessen, auf dieses Lied zu verzichten, anstatt einen unnötigen Konflikt durchzuboxen.

Selbst wenn sich ein emotionaler Ausbruch nicht verhindern lässt, ist mit Spielplatzverbot nicht geholfen. Lieber stehen bleiben und auf Florian eingehen: „Unglaublich, wie wütend dich so ein Lied machen kann! Aber mein Armaturenbrett kann nichts dafür!“ Sollte der Knabe weiter toben, kann ihn der Vater festhalten, um weiteren Schaden zu verhindern, bis er sich beruhigt hat. Danach: „Können wir jetzt weiterfahren?“ Bei nächster Gelegenheit wird Florian das Armaturenbrett abwischen, zum Zeichen der Wiedergutmachung. Auf Schimpfen und Strafen sollte man verzichten. Wenn Kinder sich nicht wohl in ihrer Haut fühlen, dürfen wir uns weder erpressen noch sie toben lassen, sondern wir müssen ihnen einen Ausweg aufzeigen, wie sie Beherrschung lernen und Einsicht entwickeln können.