Erstellt am 12. März 2012, 00:00

Der Bier-Genuss macht das Fasten viel leichter. FASTENBIER / Kräftiges Bock statt leichtem Lager. Die Paulanermönche fanden im 17. Jahrhundert für das Speisenverbot eine kreative Ersatzlösung, die uns heute noch sehr gut schmeckt.

Die Mönche und das Bier – eine uralte Verbindung. ZVG  |  NOEN
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VON CHRISTIAN BAYR

Fasten ist für viele Menschen untrennbar mit Verzicht verbunden. Ein seit jeher erlaubter Genuss in dieser Zeit ist allerdings das Fastenbier. Dabei handelt es sich im Normalfall nicht um eine Light-Version, sondern um ein kräftiges Bockbier, dass das Fasten erträglicher machen soll.

Im Zuge der Gegenreforma tion rief der bayerische Kurfürst Maximilian I. die Paulanermönche ins Land. Sie gründeten 1627 in der Münchner Vorstadt Au das Kloster Neudegg ob der Au. Der Orden legte seinen Mitgliedern strenge Fastenregeln auf, unter anderem durfte während der Fastenzeit nur flüssige Nahrung konsumiert werden.

Die Mönche kamen aus Italien, und das Fasten fiel ihnen im klimatisch raueren Bayern besonders schwer. Man behalf sich mit dem so genannten ainpöckschen Bier (in der Münchner Mundart wurde daraus im Lauf der Zeit die Bezeichnung Bockbier ) aus dem Hofbräuhaus, das nicht unter die Fastenregeln fiel. Das starke Bier war sehr kalorienhaltig, zumal es im Gegensatz zu heute noch nicht filtriert wurde, und wirkte damit sättigend und kräftigend.

Traditionell wird in der vierzigtägigen Fastenzeit auf Deftiges und Kalorienreiches verzichtet – oft kommt den Österreichern auch nichts Alkoholhaltiges auf den Tisch. „Es ist allerdings ein Irrglaube, dass in der Fastenzeit Bier verboten war“, weiß Jutta Kaufmann-Kerschbaum, die Geschäftsführerin des Verbandes der Brauereien Österreichs, und ergreift in der Sache natürlich Partei: „Das Gegenteil ist der Fall. Bier war gerade in den Klöstern ein wichtiges Nahrungsmittel während des Fastens.“

Fünf Mal täglich füllten die  Mönche ihre Bierkrüge

 

Bis zu fünf Mal durften die Mönche ihren Bierkrug täglich mit Bier füllen. Das war nicht nur köstlich, sondern aufgrund der sonst kargen Nahrung auch sehr wichtig. „Bier ist isotonisch und enthält Eiweiße, Vitamine und Spurenelemente. In Maßen genossen ist Bier ein wertvolles Nahrungsmittel“, so Kaufmann-Kerschbaum weiter. Sie erklärt auch, dass das Bier, wie alles Flüssige, das Fasten nicht breche. Der Sanktus dafür kam im Mittelalter direkt vom Papst.

Das speziell gebraute Fastenbier erfreut sich auch in Österreich steigender Beliebtheit. Allerdings ist es kein leichtes Bier, wie meist angenommen, sondern ein vollmundiges Bockbier: Schließlich sollte es ursprünglich wichtige Nährstoffe liefern und sättigen. Trotzdem kann die Verbandsgeschäftsführerin den Mythos, dass Bier ein echter Dickmacher sei, leicht entkräften: „Bier, egal welcher Sorte, hat deutlich weniger Kalorien als zum Beispiel Vollmilch.“

Paul Haselböck von der gleichnamigen Gasthausbrauerei in Münichreith am Ostrong ist einer der wenigen niederösterreichischen Brauer, die ihr eigenes Fastenbier produzieren: „Mein Fastenbier ist vollmundig süffig und mit 13,8 Prozent Stammwürze und 5,7 Volumsprozent Alkohol auch ziemlich kräftig, fast wie ein Bockbier. Am Anfang haben die Gäste immer geglaubt, dass Fastenbier weniger Kalorien hat. Ich braue jedes Jahr rund 300 Liter davon, und es bleibt sicher nichts übrig davon. Vor allem zu Gebratenem und Gegrillten passt es hervorragend als Speisenbegleiter.“

Im Stift Schlägl – bekannt für seine aromatischen Fastenbiere – ist man heuer allerdings tatsächlich den umgekehrten Weg gegangen: Gemeinsam mit den Marienschwestern von Karmel hat man erstmals ein alkohol- und kalorienreduziertes, mild-pfeffriges Gebräu mit dem Geschmack der Galgantwurzel gebraut. Und die „InnWirtler“ servieren mit dem „Vicedominicus“ diesmal ihr eigenes Fastenbier.