Erstellt am 20. Juni 2011, 07:56

Der freche Pablo. MARIA NEUBERGER-SCHMIDT gibt Tipps für einen friedlichen Alltag mit Kindern.

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Obwohl die Mutter immer höflich und geduldig ist, kann Pablo, 8, ganz schön fordernd und oftmals frech sein: wenn er etwas will, etwas nicht darf, oder einfach nur so. Solange Pablo jünger war, wurde der Mutter gesagt, er verstehe es nicht und meine es nicht so. Man könne unliebsame Äußerungen einfach überhören, das lege sich von selbst, wenn sie sich nur immer vorbildlich verhalte. Die Mutter sagt Pablo hin und wieder, dass sie seine Äußerungen verletzen. Doch hält sie sich zurück, über ihre Wut zu sprechen. Warum eigentlich?!

Auch Pablo fühlt sich nicht ernst genommen, wenn sich die Mutter alles gefallen lässt. Er wird sie so lange herausfordern, bis er klare Grenzen bekommt, denn er weiß sehr wohl, was er sagt. Zunächst sollte sich die Mutter bewusst machen, was sie stört. Vielleicht ist sie seinen abwertenden Ton schon so gewohnt, dass sie ihn fast nicht mehr hört. Sie muss echte statt verniedlichende Botschaften senden, die bei Pablo ankommen, und ihn bitten, auf seine Worte zu achten. Sie wird ihm helfen, seinen Frust auch anders auszudrücken und zu beherrschen.

Wenn Pablo etwas will und es an Höflichkeit mangeln lässt, fordert sie ihn auf, es noch einmal zu sagen. Erst wenn der Ton stimmt (z.B.: „Mama, bitte darf ich…“), reagiert sie auf sein Anliegen. Bei der nächsten Beleidigung, wenn auch unbedacht, kann sie fragen: „Wie bitte?“ Wenn sich Pablo korrigiert, kann sie es dabei belassen. Natürlich wird es vorkommen, dass Pablo erst recht in die Offensive geht. Dann liegt die Sache offen auf dem Tisch, und es kann zu einer ehrlichen Auseinandersetzung kommen, die konstruktiv gelöst werden kann. Das Handwerkszeug dazu lernt man im „ABC-Elternführerschein“. Damit Beziehung gelingt, sind Liebe und Respekt die wichtigsten Voraussetzungen. Das können wir auch schon kleinen Kindern beibringen.

mns@elternwerkstatt.at

Mag. Maria Neuberger-Schmidt ist Autorin, Elterntrainerin und Obfrau des Vereins Elternwerkstatt.  www.elternwerkstatt.at